Europäischer Gesundheitskongress

Suche nach dem Königsweg bei der integrierten Versorgung

Die Diskussion über integrierte Versorgung wird seit langem geführt – der Weg zu befriedigenden Lösungsansätzen ist lang.

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MÜNCHEN. Integriert versorgen? Dann auch integriert planen. So das Fazit von Dr. Thomas Egginger, Ärztlicher Direktor der Kliniken Nordoberpfalz AG, beim Europäischen Gesundheitskongress. Die Bedarfsplanung für Krankenhaus, KV-Sitze sowie Pflege und Rehabilitation müsse, anders als bisher, abgestimmt erfolgen. Nur so werde eine Versorgung über Sektorengrenzen hinweg erreicht.

"Es muss nicht überall im ländlichen Bereich ein Krankenhaus geben, aber es muss eine Versorgungsform geben", sagte Egginger. Zudem müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert werden. Derzeit gebe es noch viele hinderliche Vorgaben, wenn es etwa darum gehe, Personal flexibel einzusetzen oder Räume gemeinsam zu nutzen.

In seiner Region sei dennoch schon eine gute Abstimmung ambulanter und stationärer Angebote gelungen. Egginger beschrieb eines von mehreren Gesundheitszentren, das eigenständige Arztpraxen, ein MVZ und eine bettenführende Abteilung integriere. Demnächst käme noch eine Bereitschaftspraxis der KV Bayerns hinzu.

Über Telemedizin würden Angebote angeknüpft, die es vor Ort nicht gebe. Das betreffe etwa die Chirurgie an einem anderen Gesundheitszentrum, und die Radiologie im Schwerpunktkrankenhaus in Weiden. Die Zentren und Kliniken der Region hätten verschiedene Schwerpunkte entwickelt. Es sei gelungen, ein Gesundheitsnetz zu schaffen und Doppelversorgung zu reduzieren.

Beispiel: Südtirol

Dr. Thomas Schael, Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, berichtete über die integrierte Versorgung in Südtirol. Sein Betrieb sei dort für sieben öffentliche Kliniken und für die wohnortnahe Grundversorgung in 20 Gesundheitssprengeln "Krankenkasse und Träger gleichzeitig". Mit 1,25 Milliarden Euro Umsatz und 10 000 Mitarbeitern sei es zudem der größte Betrieb des Bundeslandes.

Die etwa eine halbe Million Einwohner finanzierten die Versorgung über Steuern, der Jahresbeitrag seien 2400 Euro pro Kopf. "Ich weiß nicht, welche deutsche Klinik das schafft", so Schael. Südtirol habe ein Gesundheitskonzept und ein IT-Konzept entwickelt, sowie unter anderem einen Chief Health Information Officer eingesetzt. Das helfe, Digitalisierung und Tele-Assistenz schnell in die Fläche zu bringen.

Auch der Vorstandschef der DAK Gesundheit, Andreas Storm, hält eine gemeinsame, ambulant-stationäre Selbstverwaltung für sinnvoll. Dabei müsse sich die Versorgungsplanung an regionalen Bedarfen orientieren. Insbesondere müsse das deutsche Gesundheitssystem "Unter-, Über- und Fehlversorgung abbauen". Das funktioniere am besten über finanzielle Steuerung.

Bei Defiziten solle es Vergütungsanreize geben, bei Überkapazitäten eine gesenkte Vergütung. Werde das Ziel erreicht, bis Ende der Legislaturperiode zehn Prozent der Patienten integriert zu versorgen, sei das "eine kleine Revolution". (cmb)

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