Direkt zum Inhaltsbereich

Unikliniken im Südwesten entgehen dem Gängelband

Veröffentlicht:

Kommando zurück: Die Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm werden nun doch nicht in eine neue Körperschaft integriert. Der Landtag in Baden-Württemberg nahm das von der Vorgängerregierung noch im Februar verabschiedete Universitäts-Medizin-Gesetz zurück. Die Kliniken freuen sich, die Opposition ätzt.

STUTTGART (fst). Das Universitätsmedizingesetz, das die frühere schwarz-gelbe Landesregierung kurz vor ihrer Abwahl im Februar 2011 durchgesetzt hat, ist Geschichte.

Der Landtag beschloss am Mittwoch mit den Stimmen von SPD und Grünen sowie eines CDU-Abgeordneten die Rückabwicklung des Gesetzes.

Somit kommt der zum 1. Januar 2013 geplante Zusammenschluss der vier Universitätsklinika und deren medizinischen Fakultäten zu einer einheitlichen Körperschaft für Universitätsmedizin (KUM) nicht zustande.

Bauer: Unikliniken müssen stark und selbstständig sein

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) begründete den Schritt damit, das Modell der Vorgängerregierung hätte die Kliniken unter das Dach der Universitäten gezwungen und ihre Handlungsfähigkeit eingeschränkt.

Doch die Kliniken müssten medizinische Maximalversorgung leisten und dabei wirtschaftlich erfolgreich sein. Das könne nur gelingen, "wenn man unsere Universitätsklinika als starke und selbstständige Einrichtungen aufstellt".

Unterschriftenaktion gegen das Gesetz

Die vier Universitätsklinika Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm hatten Anfang des Jahres heftig gegen das schwarz-gelbe Reformgesetz opponiert. Der Verband der Uniklinika Deutschlands (VUD) und der Medizinische Fakultätentag (MFT) starteten sogar eine Unterschriftensammlung, um das Gesetz zu verhindern.

Als politisches Ziel gab der frühere Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) seinerzeit aus, die institutionelle Verknüpfung zwischen Universität und Universitätsmedizin zu stärken.

Unversöhnliche Fronten

Die Uniklinika fürchteten aber wachsende politische Kontrolle. Im Zentrum der Kritik stand dabei die von Schwarz-Gelb geplante "Gewährsträgerversammlung", in der auch Vertreter der Landesregierung hätten Einfluss nehmen können.

Auch in der abschließenden Lesung am Mittwoch im Landtag blieben die Fronten unversöhnlich.

"Dokument der Verantwortungslosigkeit"

Der CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Wilhelm Röhm erinnerte, dass das Land die Unikliniken und die Fakultäten finanziere, aber keinen Einfluss nehmen könne: "Landesgeld ja, Landeshaftung ja, Mitsprache des Landes nein - jegliche Kontrolle ist ausgeschlossen", kritisierte Röhm.

Auch die FDP bemängelte, Grün-Rot kippe ein Gesetz, biete aber keine Alternative. Daher sei das Rückabwicklungs-Gesetz ein "Dokument der Verantwortungslosigkeit", sagte der FDP-Abgeordnete Timm Kern.

Dies hat unter anderem der Landes-Rechnungshof anders gesehen: Die von Schwarz-Gelb vorgesehene Gewährsträgerversammlung hätte die Gefahr unklarer Verantwortlichkeiten erhöht, warnte der Rechnungshof schon Anfang 2011.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Tipps der Bundesärztekammer

Wie Ärzte Fake News und Deepfakes erkennen

IGES-Gutachten

Bei den Krebsregistern bremst föderale Vielfalt die Datenqualität

Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© FOMF

Forum für medizinische Fortbildung

Eviplex: KI-gestützte Recherche speziell für den medizinischen Alltag

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Auf einer Waage befindet sich ein Apfel sowie ein Maßband, daneben lieben Hanteln und ein grüner Blattsalat

© Davizro Photography / stock.adobe.com

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

 erschöpfter Malermeister

© Adobe Firefly / Andrea Schudok / generated by AI

Kasuistik

Schwindel und Leistungsknick: Was sehen Sie im EKG?

Ältere Frau sitzt auf dem Boden und hält sich den Kopf.

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruck-Schwankungen: Worauf es dann ankommt