Umfrage zur Gesundheitspolitik

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte.

Veröffentlicht:

BERLIN. Welche Erwartungen haben Ärzte an die Gesundheitspolitik in der nächsten Legislaturperiode? Bei der Umfrage der Ärztezeitung unter rund 1500 Lesern offenbarten sich Überraschungen, aber auch einige sehr klare Ansagen.

Ein differenziertes Bild ergibt sich bei der Einstellung zur Bürgerversicherung: Immerhin 23 Prozent der Hausärzte und 30 Prozent der Fachärzte befürworten sie (34 Prozent aller Teilnehmer). Andererseits halten 46 Prozent der Ärzte, die an der Umfrage teilgenommen haben, diesen Wechsel für gefährlich, weitere 20 Prozent halten ihn für nicht nötig.

Noch ausgeprägter ist der Wunsch nach einer einheitlichen ärztlichen Gebührenordnung: Dafür plädieren 50 Prozent aller Teilnehmer, 17 Prozent halten das für gefährlich, 21 Prozent für nicht notwendig. Dringender wäre aber eine GOÄ-Reform: 53 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen eine Reform der GOÄ als überfällig an.

Ein Dauerthema bleibt das Regressrisiko in der Arznei-und Heilmittelversorgung. Obwohl nur noch in wenigen Fällen tatsächlich Regresse mit hohen Summen exekutiert werden, ist der psychologische Bedrohungseffekt real: 63 Prozent aller Leser – und bei den Hausärzten liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent – halten eine Abschaffung für notwendig .

Ein wichtiges Signal ist auch das Bekenntnis zu einer konsequenten Förderung der Telemedizin und der digitalen Infrastruktur: Gut die Hälfte sieht das als notwendig an, und zwar unabhängig vom Alter. Nur gut ein Fünftel sagt, das brauche man nicht. Zu beachten ist aber, dass 14 Prozent die Förderung der Digitalisierung der Medizin für gefährlich halten.

Und schlussendlich eine klare Ansage in zwei Punkten: Notwendig ist eine weitere Aufstockung der Weiterbildungsförderung, und zwar auch für Fachärzte, glaubt fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit. 72 Prozent der Umfrageteilnehmer fordern eine konsequente Präventions- und Diabetes-Strategie. Damit sind für die nächste Legislaturperiode wichtige Handlungsfelder benannt. Aber ein grundsätzliches Problem tritt hinzu: Die Noten für die Wirksamkeit von Gesetzen fallen schlecht aus – und das untergräbt die Glaubwürdigkeit des Gesetzgebers. Genau dies ist der Humus, auf dem alternative Parteien gedeihen.

(hl/ger)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Interview

Frau Neumann-Grutzek: Ist die Krankenhausreform eine Enttäuschung?

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

RCTs und Real-World-Evidenz

Wie gut die RSV-Impfung bei Erwachsenen wirkt – und ankommt

Gesetzliche Unfallversicherung

Arbeitsunfall: Was bei der Schmerzversorgung gilt

Frauenärztin und Aufklärerin auf Instagram

Dr. Annika Schauer: Gynfluencerin und Wies’n-Kellnerin

Lesetipps
Ärztin im Gespräch mit einem Patienten

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Tipps für den Reha-Antrag

Vorsorge oder Reha: Was es für die Genehmigung durch die Kostenträger braucht