Anlage-Tipp

Dax-Reform mit Chancen und Risiken für Anleger

Im September wächst der deutsche Leitindex um zehn Konzerne – zu Lasten des M-DAX, der von 60 auf 50 Werte verkleinert wird. Anleger sollten sich schon jetzt darauf vorbereiten. Die Umstellung könnte erhebliche Auswirkungen auf die Kursentwicklung von Indexfonds haben.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Der Versandhändler Zalando gehört zu den möglichen Aufsteigern in den Dax.

Der Versandhändler Zalando gehört zu den möglichen Aufsteigern in den Dax.

© Arne Dedert / dpa

Neu-Isenburg. Die Deutsche Börse krempelt die Dax-Familie im September kräftig um. Doch Anleger, die in börsennotierte Indexfonds auf den M-Dax investiert sind, sollten schon jetzt überlegen, ob sie sich von diesen trennen wollen. Denn der Index der mittelgroßen deutschen Werte könnte dabei an Attraktivität verlieren. „Die Vermutung liegt nahe, dass die Qualität des M-Dax sinkt“, sagt Lena Lochner, Portfoliomanagerin bei der Bayerische Vermögen Management in Bad Reichenhall.

Mit dem 1. September wächst die Zahl der im Leitindex Dax enthaltenen Konzerne von derzeit 30 auf 40. Neu hinzukommen die zehn größten Werte aus dem M-Dax. Dieser verkleinert sich dadurch von aktuell 60 auf 50 Werte. Die Deutsche Börse reagiert mit der Änderung des Regelwerks auf den Bilanzskandal des Zahlungsdienstleisters Wirecard und auf den Druck großer Finanzinvestoren, die seit Jahren beklagen, dass der Leitindex mit seinen bisher nur 30 Unternehmen nicht die volle Breite der deutschen Wirtschaft abbilde.

Regelwerk wird verbessert

Um künftigen Skandalen vorzubeugen, müssen neu in den Leitindex aufgenommene Unternehmen in den vorangegangenen beiden Jahren einen Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und sonstigen Finanzierungsaufwendungen erzielt haben. „Das Regelwerk wird damit verbessert“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie.

Bislang hat der M-Dax kontinuierlich den Dax geschlagen. „Seit seiner Auflegung 1996 hat der M-Dax um mehr als 1100 Prozent zugelegt“, sagt Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer der Münchner Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner. „Der Dax brachte es in diesen 25 Jahren ‚nur‘ auf ein Plus von gut 500 Prozent.“ Die im M-Dax enthaltenen mittelgroßen Unternehmen seien „kleiner und wendiger als die Dickschiffe im Dax“ und könnten deshalb Umsatz und Gewinn stärker steigern, sagt Lux. „Wachstum findet in der zweiten Reihe statt.“

Der M-Dax büßt ein Drittel seiner Marktkapitalisierung ein. Dadurch könnte er drastisch an Bedeutung verlieren.

Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer der Münchner Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner

Wegen der starken Kursentwicklung des M-Dax haben viele Anleger bislang mit börsennotierten Indexfonds, im Börsenjargon kurz ETF genannt, auf einen Schlag in all die im Index enthaltenen Werte investiert. ETF bilden passiv einen Index nach. Deshalb sind die Verwaltungsgebühren mit zum Teil weniger als 0,3 Prozent pro Jahr nur minimal. Darüber hinaus entfallen die bei aktiv gemanagten Fonds üblichen Ausgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent, da ETF-Anteile ausschließlich an den Börsen gehandelt werden.

Mit der Reform im September werden zwar Indexstände und ETF- Notierungen angepasst. Dennoch dürfte es Konsequenzen haben, dass der M-Dax seine zehn Schwergewichte verliert. Zu den möglichen Aufsteigern zählen Airbus, Brenntag, Hannover Rück, Siemens Healthineers und Zalando.

„Der M-Dax büßt damit ein Drittel seiner Marktkapitalisierung ein“, sagt Lux. „Dadurch könnte er drastisch an Bedeutung verlieren.“ Es bestehe die Gefahr, dass Profiinvestoren sich nur auf den größer gewordenen Dax konzentrieren. Die Aktienkurse der im M-Dax verbliebenen Unternehmen könnten deshalb vorübergehend fallen und fortan nicht mehr so stark steigen wie in der Vergangenheit.

Hingegen werde der Dax profitieren, sagt Portfoliomanagerin Lochner. „Die neuen Vorschriften steigern seine Qualität und somit auch die der ETF, die auf ihm basieren.“ Es könnte aber auch anders kommen – und die neuen Regeln kämen dem M-Dax zugute, sagt Lochner. Die zehn an den Dax wechselnden Schwergewichte seien „im Index deutlich übergewichtet“, sagt Lochner. Sie machten gegenwärtig 45 Prozent der Kursentwicklung aus. „Der Aufstieg dieser zehn Werte in den Dax ermöglicht eine ausbalanciertere Gewichtung der verbleibenden Titel im M-Dax, als dies bisher der Fall war.“

Besser international diversifizieren

Da die im M-Dax verbleibenden Unternehmen kleiner und agiler seien, dürften sie Umsatz und Gewinn überproportional steigern. Dies könnte dazu führen, dass der M-Dax weiterhin den Dax überflügelt. Was jedoch konkret nach der Index-Umstellung geschehen wird, ist ungewiss. „Ob Anleger ihren M-Dax-ETF behalten, hängt von ihrer persönlichen Risikoneigung ab“, sagt Lochner.

Albrech rät hingegen davon ab, mit ETF auf Dax oder M-Dax zu setzen, da beide Indices nur die Kursentwicklung deutscher Unternehmen widerspiegeln. „Die Diversifikation bleibt dadurch regional und ist somit nicht optimal.“ Anleger sollten „globaler denken“, rät auch Burkhard Wagner, Vorstand der Partners Vermögensmanagement in München. Um am weltweiten Wirtschaftswachstum teilzuhaben, sollten sie mit einem ETF auf den MSCI World setzen, der die Kursentwicklung der 1600 größten Konzerne aller 23 Industrieländer nachbildet.

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