Börse

Der Dax kann auf die Überholspur

Deutsche Aktien haben sich in den vergangenen drei Jahren deutlich schlechter entwickelt als US-Papiere. Im kommenden Jahr könnte jedoch der Dax die Nase vor dem Dow Jones haben.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Analysten sehen beim Dax noch viel Potenzial nach oben.

Analysten sehen beim Dax noch viel Potenzial nach oben.

© Coloures-Pic / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Mit amerikanischen Aktien hätten Anleger in den vergangenen drei Jahren deutlich höhere Gewinne erzielen können als mit deutschen Papieren. Der Frankfurter Leitindex Dax, Kursbarometer der 30 größten börsennotierten deutschen Konzerne, legte seit September 2015 um 16,5 Prozent.

Hingegen gewann sein New Yorker Pendant, der Dow Jones, im selben Zeitraum 49,85 Prozent und der breite Marktindex S&P 500, der die Kursentwicklung der 500 größten US-Unternehmen widerspiegelt, immerhin 38,5 Prozent.

Doch in den kommenden Jahren könnte sich das Blatt drehen. "Der Dax zählt derzeit zu den weltweit günstigsten Aktienindices", sagt Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie. Aktuell seien die Papiere der 30 größten deutschen Konzerne im Schnitt nur knapp mit dem Zwölffachen ihres Jahresgewinns bewertet.

Dax mit Nachholbedarf

Die ebenfalls 30 Aktien im Dow Jones hingegen werden zum 22-Fachen ihres Jahresprofits gehandelt. Diese erhebliche Differenz beschere deutschen Aktien im internationalen Vergleich erheblichen Nachholbedarf, sagt Albrech. "Der Dax könnte sich deshalb künftig vom Börsenschwächling zum Turbo-Index entwickeln."

Profiinvestoren wie Fondsmanager und Versicherungen beobachten stetig die Entwicklung an den weltweiten Aktienmärkten. Halten sie einen nationalen Index für günstig, stürzen sie sich häufig auf dessen Papiere und treiben so deren Kurse in die Höhe. Dabei müssten die Bewertungen deutscher Aktien gar nicht annähernd auf ein amerikanisches Niveau steigen, damit Anleger attraktive Kursgewinne einstreichen können.

"Würden die Aktien im deutschen Leitindex nicht mehr mit Zwölf-, sondern dem 13-Fachen ihres Jahresgewinns gehandelt, würde der Dax um mehr als 15 Prozent auf 13.800 Zähler steigen", rechnet Albrech vor. Würden die Papiere gar mit 15-fachem Jahresgewinn bewertet, würde der Index gar 28 Prozent gewinnen.

Dass deutsche Aktien deutlich tiefer als US-Papiere notieren, liegt zum einen an der Sorge vor den Folgen der von US-Präsident Donald Trump entfachten Handelskonflikte für die Erträge der exportorientierten deutschen Unternehmen, zum anderen an deren geringerer Gewinndynamik. "Seit 2009 haben US-Unternehmen ihre Gewinne im Durchschnitt um 175 Prozent gesteigert", sagt Ernst Konrad, Geschäftsführender Gesellschafter des Münchner Vermögensmanagers Eyb & Wallnitz. Hingegen haben die Dax-Konzerne bei ihren Erträgen im Mittel nicht einmal um 50 Prozent zugelegt.

Analysten optimistisch

Zuletzt musste vergangenen Mittwoch Fresenius wegen schwacher Geschäfte rund um Dialyse-Dienstleistungen und negativer Währungseffekte für das dritte Quartal einen Einbruch beim operativen Ergebnis von 13 Prozent auf nur 527 Millionen Euro vermelden. Der Kurs des Dax-Wertes fiel daraufhin an diesem Tag zeitweise um mehr als elf Prozent. Das Papier der ebenfalls im Leitindex gelisteten Tochter Fresenius Medical Care verbuchte sogar zeitweise ein Minus von mehr 19 Prozent.

Nach der Konsensschätzung der Analysten werden deutsche Unternehmen jedoch trotz der globalen Unsicherheit 2019 ihre Gewinne im Schnitt um zehn Prozent steigern können.

"Der Optimismus rührt daher, dass sich viele Unternehmen dieses Jahr mit Investitionen gegen das schwieriger werdende Handelsumfeld wappnen", sagt Albrech. "Dies hat zu dem Gewinnrückgang geführt, dürfte sich 2019 jedoch kaum wiederholen."

Tatsächlich stehen die Aussichten für exportorientierte Unternehmen nicht schlecht. "Die Weltwirtschaft ist in recht guter Verfassung und das globale Wachstum solide", sagt Bart Oldenkamp, Stratege beim niederländischen Vermögensverwalter Robeco.

Um von einem Anstieg des Dax zu profitieren, können Anleger zu börsennotierten Indexfonds, den sogenannten ETF, greifen. Diese bilden passiv einen Index nach. Deshalb fallen nur minimale Verwaltungsgebühren an. Da die Anteilsscheine ausschließlich an der Börse gehandelt werden, müssen Anleger auch keinen Ausgabeaufschlag zahlen.

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