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Effiziente Praxisprozesse

Signal auf Grün – Patient darf ins jetzt freie Behandlungszimmer

Zur Verkürzung der Wartezeiten hat Dr. Rudolf Möllmann unter anderem eine Signalanlage in der Praxis installiert.

Von Pete Smith Veröffentlicht:
Signal auf Grün – Patient darf ins jetzt freie Behandlungszimmer

© (c) Pete Smith

Lauda-Königshofen. Wie die Wartezeiten verkürzt und die Abläufe in einer großen Gemeinschaftspraxis effizient gestaltet werden können, darüber hat der Hausarzt aus Lauda-Königshofen, einer 15 000 Einwohner zählenden Gemeinde nahe Tauberbischofsheim, intensiv nachgedacht. Neben architektonischen Finessen wie einer kreisförmigen Anordnung der Behandlungsräume und auf den Fluren gegenüber vom Arztzimmer angebrachten Bords zur Unterzeichnung von Rezepten und Überweisungen gehört auch eine selbst erdachte Signalanlage zum Praxiskonzept. Mit dieser Idee gelangte der Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Umweltmedizin und Akupunktur im vergangenen Jahr ins Finale des vom Fachverlag Springer Medizin, zu dem auch die „Ärzte Zeitung“ gehört, und dem Pharmaunternehmen UCB Innere Medizin ausgelobten „Erfolgs-Rezept Praxis-Preis“.

Plötzlich in der Provinz

Möllmann, Jahrgang 1956, ist seit 1989 niedergelassener Arzt. Dass es den in Iserlohn geborenen Sauerländer, der nach seinem Studium an den Universitäten Köln und Heidelberg-Mannheim zunächst ein halbjähriges Praktikum in Brasilien absolvierte und eigentlich Entwicklungshelfer werden wollte, einmal in die tauberfränkische Provinz verschlagen würde, damit hatte er selbst wohl am wenigsten gerechnet. In Lauda-Königshofen schrieb Ende der 1980-er Jahre ein alteingesessener Hausarzt eine Assistenzarztstelle für seine Praxis aus, Möllmann bewarb sich und erhielt den Job. Sein Chef, der ihm bereits ein Jahr später die Partnerschaft antrug, war niemand Geringeres als der Ausnahmefechter Dr. Hans-Jürgen Hehn, Weltmeister im Degen, zweifacher Silbermedaillengewinner und mehrfacher Deutscher Meister.

2004 bot sich Möllmann und seinen Partnern die Gelegenheit, auf dem Grundstück eines Apothekers eine neue Gemeinschaftspraxis zu errichten. In die Konzeption des Gebäudes waren der heute 62-jährige Arzt und sein Team eng eingebunden, weshalb sie ihre Vorstellungen einer ebenso funktionalen wie hellen und freundlichen Praxis verwirklichen durften. „Damals haben wir uns die Frage gestellt, wie man in einer großen Gemeinschaftspraxis am besten mit dem Praxisteam kommunizieren kann“, erläutert er. In der früheren Praxis seien die Patienten vom Arztzimmer zum Empfang gegangen, wo sie dann ihr Rezept oder ihre Überweisung erhielten. Heute dagegen würden solche Bescheinigungen von ihm und seinen Kollegen im Behandlungszimmer ausgedruckt und sofort unterschrieben.

Anlage für reibungslosen Ablauf

„Da die Patienten nun auf direktem Weg die Praxis verlassen, würden die Helferinnen an hektischen Tagen vielleicht gar nicht mitbekommen, dass das Arztzimmer inzwischen wieder frei ist“, sagt Möllmann.

Um das zu verhindern, hat Möllmann schon bei der Errichtung des Gebäudes eine Signalanlage installieren lassen. Sobald der Patient das Behandlungszimmer verlässt, betätigt der Arzt einen Schalter, worauf die Helferinnen am Empfang sowohl ein optisches wie auch akustisches Signal erhalten, dass der Raum nun für den nächsten Patienten frei ist und wieder belegt werden kann.

„Als Behandler kann ich jetzt immer davon ausgehen, dass ein neuer Patient vor der Tür sitzt und ich ihn nicht aus dem Wartezimmer holen muss“, erklärt Möllmann. „Selbst dann, wenn mal Mitarbeiterinnen ausfallen oder saisonbedingt, zum Beispiel in der Grippezeit, mehr Patienten kommen als üblich, unterstützt uns die Signalanlage dabei, einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.“

Vier Ärzte und acht Fachangestellte arbeiten in der rund 300 Quadratmeter großen Familienpraxis im Zentrum Lauda-Königshofens, die – eine Konzession an die Berufstätigen – von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr geöffnet ist. Da die Praxis gut ausgelastet ist, sind oft alle sechs Behandlungszimmer gleichzeitig belegt.

Das wird den medizinischen Fachangestellten im offenen Empfangsraum durch die roten Leuchten einer Lampenleiste an der Wand gegenüber angezeigt, weshalb sie nicht extra auf die Belegungsliste in ihrem Computer sehen müssen, was während eines Telefonats oder Gesprächs mit den Patienten kaum möglich ist.

Möllmann will mindestens noch vier Jahre weitermachen, sagt er, „mir macht die Arbeit weiterhin großen Spaß“. Dabei sei er froh und schätze es, in einer Gemeinschaftspraxis tätig zu sein, wo die Kollegen auf Augenhöhe zusammenarbeiteten und sich alle bürokratischen Erfordernisse aufteilten. „Wenn ich das alles allein machen müsste, käme ich auf eine 60-Stunden-Woche“, sagt der Arzt, der glaubt, dass „die Zeit der Einzelpraxen vorbei ist“. Das Problem, einen Nachfolger zu finden, habe sich in seiner Praxis bislang nicht gestellt. Erst vor kurzem ist eine junge Kollegin als angestellte Ärztin neu eingestiegen. Vom Hausarztmangel auf dem Lande ist in dem Eisenbahnerstädtchen Lauda, einstmals Verkehrsknotenpunkt zwischen Würzburg, Stuttgart und Heidelberg, auch nichts zu spüren. „Ich bin sehr zufrieden hier“, bilanziert Rudolf Möllmann. „Auch im Rückblick würde ich alles genauso wieder machen.“

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