Bilanz
Social-Media-Kampagne für mehr Nachwuchs in der Rheumatologie
Seit Jahren fehlt es an Weiterbildungsstellen in der Rheumatologie. Eine groß angelegte Kampagne rührt in den sozialen Medien kräftig die Werbetrommel – und will die Politik von einer besseren Bedarfsplanung überzeugen.
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Seit Jahren fehlt es an Weiterbildungsstellen in der Rheumatologie.
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Berlin. In der Rheumatologie fehlt es seit langem an Weiterbildungsstellen für den Nachwuchs. Mit der groß angelegten Social-Media-Kampagne #rhmtgly rührt die Rheumaakademie deshalb die Werbetrommel für den Fachbereich.
Seit fünf Jahren gibt es das Projekt, ins Leben gerufen hatte es das Bündnis für Rheumatologie im Jahr 2021. Damals hieß die Aktion noch #rheuma2025. „Mit dem neuen Namen machen wir klar: Wir denken über 2025 hinaus“, heißt es auf der Website.
Auch wenn der Name neu ist und die Kampagne einen frischen Look bekommen hat - das Ziel ist dasselbe: Bis zum Jahr 2030 rund 800 Ärztinnen und Ärzte rheumatologisch weiterzubilden. „Um dies zu erreichen, müssen wir vor allem Studierende für unser Fach begeistern und mehr Weiterbildungsstellen schaffen – unbedingt orientiert am tatsächlichen Bedarf“, erklärt Professor Hanns-Martin Lorenz, Rheumatologe in Heidelberg, der für die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie die Kampagne steuert.
Einblicke in die alltägliche Arbeit
#rhmtgly ist auf verschiedenen Social-Media-Kanälen aktiv und bietet dort einen umfassenden Querschnitt aus der Rheumatologie. Neben Lerninhalten, Vorträgen und klinischen Bildern erhalten die Medizinstudierenden einen Einblick in die alltägliche Arbeit von Rheumatologinnen und Rheumatologen. Angehende Fachärzte berichten in kurzen Videos, warum die Rheumatologie für sie ein besonders spannendes Betätigungsfeld ist.
Weiteres Kernstück der Kampagne ist die politische Arbeit, im Mittelpunkt steht die Forderung nach mehr Weiterbildungsstellen. rhmtgly setzt sich für eine Bedarfsplanung ein, die sich am prognostiziertem Versorgungsbedarf der Bevölkerung orientiert. „Es gibt zu wenig Weiterbildungsstellen, daran müssen wir arbeiten“, betont Lorenz. In Deutschland stünden 17 Millionen Menschen mit muskuloskelettalen Erkrankungen aktuell gerade einmal etwa 700 niedergelassene, vertragsärztliche internistische Rheumatologen gegenüber.
Versorgung kommt oft zu spät
Der Mangel an Fachärzten führe dazu, dass die Betroffenen viel zu spät versorgt würden, dadurch sänken die die Chancen, entzündungsbedingte Langzeitschäden durch eine rechtzeitige Therapie zu verhindern. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin bei Patienten mit berechtigtem Verdacht auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung betrage derzeit zwischen 12 bis 40 Wochen, heißt es auf der rhmtgly-Website.
Besonders nahbar wird die Kampagne dadurch, dass Patienten in Videos und kurzen Texten ihre (Leidens-)geschichte erzählen – wie sich Rheuma beispielsweise auf ihren Kinderwunsch ausgewirkt hat oder wie sich trotz Morbus Bechterew intensiv Sport treiben lässt. Für die Patienten gibt es ebenfalls die Möglichkeit, auf die Versorgungsmisstände in der Rheumatologie aufmerksam zu machen. Sie können entsprechende Musterschreiben herunterladen und sich damit an ihre Politiker vor Ort wenden.
Hanns-Martin Lorenz zieht eine positive Bilanz: Die Zugriffszahlen von #rhmtgly stiegen jährlich, berichtet er im Gespräch mit der Ärzte Zeitung. Zwischen zehn und 15 seiner Kolleginnen und Kollegen engagierten sich für das Projekt. Die „vielen schönen Beiträge“ kämen gut an. „Aber es ist ein langsamer Prozess.“







