Apotheker plus, 30.09.2011

Der Pharmazeut Beethoven

Seinen berühmten Bruder kennt jeder, ihn selbst und seinen Beruf jedoch fast niemand mehr: Johann van Beethoven (1776 - 1848) war Apotheker. Die Kölner Pharmazeutin Dr. Erika Eikermann ist den Spuren des erfolgreichen und unkonventionellen Apothekers zwischen Bonn und Wien gefolgt.

Von Klaus Brath

Der Pharmazeut Beethoven

"Bestes Brüderl! Direktor der gesamten österreichischen Pharmacie." Der Komponist Ludwig van Beethoven, in einem Brief an sienen Bruder, den Apotheker Johann van Beethoven

© dpa

Erika Eikermann suchte alte Apotheken auf, stöberte in Archiven, Tauf- und Sterberegistern, und reiste zu einem Schloss in Österreich, das Johann van Beethoven einst erworben hatte. Denn ihr "Forschungsobjekt" ist heute pharmaziegeschichtlich "mehr oder weniger vergessen"; es existiert von ihm nur ein einziges Porträt, das das Wien Museum in der "Beethoven Wohnung Heiligenstadt" beherbergt.

Das Ölgemälde von 1841 zeigt einen Mann mit großer Nase, ungleichen Augen und schiefem Mund, "was ihm etwas den Ausdruck moquanten Lächelns gab. Er spielte sich in seiner Kleidung auf den wohlhabenden Elegant" - so beschrieb ihn der zeitgenössische Arzt Gerhard von Breuning.

Johann kam als viertes von sieben Kindern zur Welt

Dass Johann van Beethoven seine letzten Lebensjahre als stolzer Gutsbesitzer und Dandy in Wien verbringen würde, konnte man aufgrund seiner schwierigen Kindheit nicht unbedingt erwarten. Nicolaus Joannes - so seine beiden Taufnamen - kam 1776 als viertes von sieben Kindern in Bonn zur Welt.

Vier Kinder überlebten das Säuglingsalter nicht. Als 1787 Beethovens Mutter verstarb und der Vater zunehmend die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum verlor, übernahm der junge Ludwig, gerade 17 Jahre alt, die Führung des Haushalts und die Fürsorge um die jüngeren Brüder - eine Haltung, die der bald berühmte Komponist ein Leben lang bewahrte.

Der Pharmazeut Beethoven

Mit diesem Mörser hat Johann v. Beethoven gearbeitet.

© D. Eikermann

Der jüngste Bruder Johann sollte eine pharmazeutische Laufbahn einschlagen. In der kurfürstlichen Hof-apotheke in Bonn wurde Johann nach den Recherchen Eikermanns zunächst als Lehrling untergebracht.

Die Apotheke ist heute in Kaiser Apotheke umbenannt und ist noch im Besitz eines Mörsers aus Johanns Lehrzeit. Die Einhorn-Apotheke in Linz am Rhein - Johanns letzte pharmazeutische Station, bevor er seinem großen Bruder nach Wien folgte, - existiert heute dagegen nicht mehr.

Johann in Wien als "Subject" in der Heilig-Geist-Apotheke

Im heutigen Apothekenhaus erinnern aber immerhin noch alte Ziehschränke und ein Glasfenster mit der Darstellung eines Einhorns an die einstige Apotheke. In Wien trat Johann dann 1796 als "Subject" in die geschichtsträchtige Heilig-Geist-Apotheke ein.

In seinem Begrüßungsbrief bot Bruder Ludwig finanzielle Unterstützung an, ermahnte aber auch zugleich: "Nim dich nur in Acht vor der ganzen Zunft der schlechten Weiber…" Auch in der Apotheke "Zum Biber" in der Wiener Vorstadt Roßau war Johann tätig und legte schließlich 1801 an der Wiener Universität die zur Leitung einer Apotheke notwendigen Prüfungen ab.

Nach mehreren Bemühungen um Selbstständigkeit erwarb er dann 1808 die Apotheke "Zur goldenen Krone" in Linz an der Donau, auch "Wasserapotheke" genannt. Außerdem gründete er 1817 noch die Apotheke "Zum Goldenen Adler" in Linz-Urfahr.

Der Pharmazeut Beethoven

Glasfenster aus der Einhorn-Apotheke in Linz am Rhein - Beethovens letzter pharmazeutische Station.

© D. Eikermann

Die Linzer Apotheke existiert heute noch an verlegtem Standort. "Johann van Beethoven war als Apotheker sehr erfolgreich", so Eikermann. "Er hat die Gunst der Zeit für sein Unternehmen genutzt." Es war die Zeit der napoleonischen Kriegszüge.

Johann belieferte zunächst die französischen Besatzungstruppen, später das österreichische Militär mit Medikamenten - und konnte sich 1819 das stattliche Landgut Gneixendorf bei Krems leisten. Hier besuchte ihn sein großer Bruder nur ein einziges Mal, wenige Monate vor seinem Tod 1827. "Die Beziehung zu seinem berühmten Bruder war sehr schwierig", berichtet Eikermann.

Ludwig und Johann hatten eine ambivalente Beziehung

Einerseits habe sich der väterlich besorgte Ludwig wiederholt über den Lebenswandel seiner Schwägerin mokiert. Andererseits fungierte Johann als Ludwigs pharmazeutischer und kaufmännischer Berater. Das ambivalente Verhältnis der beiden spiegelt sich in den erhaltenen Briefen wider.

So titulierte Ludwig den "kleinen" Bruder 1822 schon mal als "Bestes Brüderl! Großmächtigster Gutsbesitzer!" oder als "Direktor der gesamten österreichischen Pharmacie". 1823 trieb er die spöttisch-liebevolle Ironie auf die Spitze: Als Johann seinen Neujahrsgruß "Von deinem Bruder Johann, Gutsbesitzer" signiert hatte, antwortete Ludwig postwendend: "Von deinem Bruder Ludwig, Hirnbesitzer.

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