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Koloskopie bei Colitis erfordert 40 bis 50 Biopsien

LEVERKUSEN (gwa). In der Krebs-Früherkennung bei Colitis ulcerosa (CU) läuft längst nicht alles Leitlinien-gemäß. Das liegt an mangelnder Compliance, aber auch an den Untersuchern. Dennoch sind die Überwachungskoloskopien wegen des erhöhten Darmkrebsrisikos bei länger bestehender CU wichtig.

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CU-Patienten mit Befall des überwiegenden oder gesamten Dickdarms haben ab dem achten bis zehnten Krankheitsjahr im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko. Bei Befall bis zur linken Flexur steigt das Risiko nach 15 Jahren Krankheit. Nach zehnjähriger Krankheit haben etwa 2 Prozent der CU-Patienten Darmkrebs, nach 20 Jahren 9 Prozent, nach 45 Jahren 30 Prozent. Daher sollen Risikopatienten alle ein bis zwei Jahre koloskopiert werden. Und dabei sollen insgesamt 40 bis 50 Biopsien aus allen Darmabschnitten entnommen werden, so die Leitlinien-Empfehlungen.

Jeder Zweite erhält jährlich eine Koloskopie

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, wie eine Umfrage der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) unter CU-Risikopatienten ergab (wir berichteten). Immerhin: Jeder Zweite hatte jährliche Koloskopien. Wurde nicht untersucht, lag es an mangelnder Compliance. Der häufigste Grund: Die Betroffenen empfanden die Darmreinigung als belastend.

Ein weiteres Ergebnis: Nur bei neun Prozent der Untersuchten wurde mehr als 40-mal biopsiert (Z Gastroenterol 45, 2007, 325). Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede, ob die Koloskopien bei niedergelassenen Gastroenterologen oder ambulant in Kliniken vorgenommen wurden.

Die Umfrage-Arbeitsgruppe um die stellvertretende Vorsitzende der DCCV Birgit Kaltz fragt sich, ob etwa Ärzte nicht von der Validität der Leitlinien überzeugt sind. Unstrittig sei, dass die derzeitige Vergütung nicht dem Zeitaufwand bei einer Leitlinien-gerechten Untersuchung angemessen sei.

Die Sicherheit, Entartungen früh zu entdecken, ist begrenzt

Auch der Gastroenterologe Professor Axel Dignaß vom Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main wies auf den erheblichen Zeitaufwand hin. 30 bis 40 Minuten dauere eine Koloskopie mindestens, wenn 40 bis 50 Biopsien entnommen würden, so Dignaß zur "Ärzte Zeitung". Trotz des großen Aufwandes sei jedoch die Sicherheit, früh Entartungen zu entdecken, begrenzt. Wenn man Miniveränderungen nicht sehen könne, könne man sie auch nicht gezielt per Biopsie erfassen.

Hoffnungen, nicht nur CU-Risikopatienten in Zukunft effizienter untersuchen zu können, setzen Gastroenterologen auch in neue Technologien wie Narrow-Band-Imaging (NBI). Bei dieser Technik bündeln Farbfilter Blaulicht. So werden die Tumor-typischen Gefäßneubildungen sichtbar. Noch ist diese NBI aber nicht Standard.



STICHWORT

DCCV- Studie

Aus Studien etwa aus den Niederlanden oder Großbritannien ist bekannt, dass dort die CU-Leitlinien-Empfehlungen kaum eingehalten werden. Für Deutschland gab es bislang kaum Daten. Deshalb verteilte die DCCV mit ihrem Mitgliedsjournal "Bauchredner" einen Fragebogen an die etwa 6700 CU-Patienten, die DCCV-Mitglieder sind. Etwa 3025 von ihnen (45 Prozent) sind Risikopatienten. Für die Studie wurden die Antworten von Risikopatienten ausgewertet. Das waren 297 von 345 Patienten, die geantwortet hatten. (gwa)

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