Ärzte Zeitung, 21.10.2012

Soziale Folgen

Geringe Elternbildung mindert Frühchen-IQ

HANNOVER (cben). Geringe Bildung der Eltern mindert den Intelligenzquotienten ehemaliger Frühchen stärker als schwere Gehirnblutungen.

Statistische Analysen von Kinderärzten aus Hannover zeigen, dass das Risiko für extrem kleine Frühgeborene, im Alter von zehn Jahren einen unterdurchschnittlichen IQ-Wert zu haben, um mehr als das Zwanzigfache erhöht ist, wenn das Kind in einer Familie mit niedrigem Ausbildungsstand aufwächst.

Eine schwere Hirnblutung, war dagegen nur mit siebenfach erhöhtem Risiko verbunden. Das teilte das Hannoveraner Kinderkrankenhaus "Auf der Bult" mit.

Den Zusammenhang beweise eine Nachuntersuchung von ehemaligen Frühchen im Alter von zehn bis 13 Jahren, hieß es.

Frühchen, deren Mütter ein hohes Bildungsniveau (Fachhochschulreife) aufweisen, waren im Alter von zehn Jahren geistig und körperlich normal entwickelt und besuchten eine Regelschule im Unterschied zu nur 35 Prozent der Vergleichsgruppe mit niedrigem mütterlichem Bildungsstand.

Auch beim Intelligenzquotienten waren die Schulkinder aus den Familien mit hoher Bildung im Vorteil, denn 80 Prozent von ihnen hatten einen IQ im Normalbereich, während es in der Vergleichsgruppe nur 45 Prozent waren.

Kinder höher gebildeter Mütter waren auch seltener behindert, sie besuchten häufiger eine normale Schule und zeigten deutlich bessere kognitive Leistungen im Intelligenztest als solche Kinder, deren Mütter eine weniger gute Ausbildung  hatten, so der Kinderneurologe, Dr. Wolfgang Voss.

Bislang wurden bei extrem kleinen Frühgeborenen die medizinischen Faktoren während der intensivmedizinischen Behandlung und die biologischen Risiken der Kinder als entscheidende Einflussgrößen für die spätere Entwicklung angesehen, hieß es.

Das familiäre Bildungsniveau hielt man hingegen bei diesen "Risikokindern" für einen nachrangigen Faktor.

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