Ärzte Zeitung, 07.04.2011

Landkreise machen KBV für Ärztemangel verantwortlich

BERLIN (bee). Vertreter von Landkreisen aus allen Teilen Deutschlands haben den Ärztemangel in ihrer jeweiligen Region beklagt. Auf einer Konferenz des Bundestagsunterausschusses "Regionale Wirtschaftspolitik" zur Zukunft der ländlichen Räume haben Landräte die Politik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für den Ärztemangel verantwortlich gemacht.

Gerhard Kilian, Landrat im Landkreis Helmstedt und Vorstandsmitglied in der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), warf KBV-Chef Dr. Andreas Köhler falsche Politik bei der Verteilung der Ärzte vor.

 Köhler wehrte sich gegen diesen Angriff: "Die KVen sind nicht an der Überalterung der niedergelassenen Ärzte und der steigenden Nachfrage nach medizinischen Leistungen Schuld", sagte Köhler bei der Konferenz im Bundestag am Montag. Viel mehr macht Köhler die Bedarfsplanung des damaligen Gesundheitsministers Horst Seehofer für die heutigen Probleme verantwortlich.

Gerd Pillau, Bürgermeister der thüringischen Stadt Hermsdorf, beklagte vor allem die regionale Bedarfsplanung, die nicht an den Einwohnerstrukturen und deren Krankheitsbildern angepasst sei. "Warum der Augenarzt und auch der Hautarzt aus der ehemaligen Poliklinik nicht nachbesetzt wurden, konnte man mir bei der KV Thüringen auch nicht sagen", erklärte der parteilose Politiker.

Köhler verwies auf das künftige Versorgungsgesetz, das auch eine kleinräumigere Bedarfsplanung vorsieht und so besser auf den Versorgungsbedarf vor Ort eingehen könne.

Allerdings warnte Köhler vor zu hohen Erwartungen: "Sie müssen sich darauf einstellen, dass künftig nicht mehr jeder Ort einen Hausarzt haben wird. Wir werden zu einer deutlichen Filialisierung der ambulanten Versorgung kommen", so Köhler in Berlin.

Lesen Sie dazu auch:
Ärztemangel? BMG will Verteilungsproblem lösen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Weniger Kardiologen = mehr Herztote?

In Bundesländern mit weniger niedergelassenen Kardiologen sterben mehr Patienten an Herzerkrankungen, so der aktuelle Herzbericht. mehr »

Personaluntergrenzen – eine Milchmädchenrechnung?

Wie lässt sich der Pflegenotstand mindern und wie hilfreich sind dazu Pflegeuntergrenzen? Im Vorfeld des Springer Kongress Pflege, der morgen eröffnet wird, diskutierten Experten bereits heute kontrovers zu diesem Thema. mehr »

Fehlerquelle Datenschutzerklärung

Die meisten Praxis-Websites von Haus- und Fachärzten erfüllen nicht die gesetzlichen Anforderungen. Das legt eine aktuelle Studie nah. mehr »