Ärzte Zeitung, 22.12.2015

KV Saarland

Banges Warten auf 25. Januar

Wenn die Terminservicestelle am 25. Januar im Saarland den Betrieb aufnimmt, weiß niemand, wie viele Versicherte die vom Gesetzgeber gewollte Vermittlung in Anspruch nehmen.

Von Andreas Kindel

Banges Warten auf 25. Januar

Wie viele Menschen rufen ab dem 25. Januar an? Die KV Saarland hofft: Möglichst wenige Patienten.

© Jupiterimages

SAARBRÜCKEN. Wenige Wochen vor dem Start der neuen Terminservicestellen am 25. Januar wächst bei den Vertragsärzten im Saarland offenbar die Sorge, dass der Patienten-Andrang größer wird als bisher erwartet.

Der Vorstand der KV Saarland hat bei der jüngsten Vertreterversammlung bekannt gegeben, dass auf den Überweisungen künftig mit einer Ziffer vermerkt werden soll, ob der Patient Anspruch auf einen Facharzttermin binnen vier Wochen hat.

So könne man Überweisungen zum Facharzt zum Beispiel für verschiebbare Routine-Untersuchungen und Bagatellerkrankungen herausfiltern.

"Sonst müssen wir allen in der Frist einen Facharzt-Termin vermitteln", sagte der saarländische KV-Chef Dr. Gunter Hauptmann. Seine Befürchtung: "Das schaffen wir aber nicht".

In der Vertreterversammlung wurden aber Sorgen geäußert, dass genau das Gegenteil erreicht wird, wenn sich der Vermerk der Ziffer bei den Patienten erst einmal herumgesprochen hat. So meinte der Völklinger Nervenarzt Dr. Thomas Kajdi, es bestehe die Gefahr, dass die Ziffer auf der Überweisung zu einem "ungewollten Beschleuniger" werde.

220.000 Euro eingeplant

Der Völklinger Gastroenterologe Dr. Thomas Stolz hielt den Vermerk der Ziffer dagegen für eine gute Sache. "Sonst müsste die Terminservicestelle entscheiden, was ein Bagatellfall ist und was in vier Wochen erledigt werden muss", meinte er.

Die Ziffer werde die Arbeit der Servicestelle erleichtern. Die Vorbereitungen für die neue Terminservicestelle laufen im Saarland auf Hochtouren. Die KV hat dafür in ihren Haushalt rund 220.000 Euro eingestellt.

Um die Kosten niedrig zu halten, hofft die KV, dass die neue Stelle möglichst wenig genutzt wird. "Aber wir wissen einfach nicht, wie viele sie in Anspruch nehmen", erklärte KV-Chef Hauptmann. "Das ist ein absoluter Blindflug".

Noch im September klangen die Äußerungen der KV optimistischer. Damals hatte sie eine wissenschaftliche Untersuchung präsentiert, nach der es im Saarland bei "dringlichen" Überweisungen bis zum Termin im Schnitt ohnehin nur sechs Tage dauere.

Bei "normalen" Überweisungen seien es im Schnitt weniger als zwei Wochen. Selbst beim Augenarzt mussten die Patienten bei "normalen" Überweisungen nur 15 Tage warten.

Offen ist auch noch, wie viele freie Termine die Fachärzte für die Terminservicestelle tatsächlich bereithalten können. In einer KV-Umfrage hatte die Mehrheit fünf bis zehn Termine pro Quartal in Aussicht gestellt. Außerdem wurde auf die teilweise angebotenen offenen Sprechstunden hingewiesen.

In der KV-Vertreterversammlung gab es nun aber auch skeptische Stimmen. "Insgesamt sind unsere Praxen voll. Wir schaffen bis ans Limit", meinte der Püttlinger Allgemeinmediziner Dr. Eckart Rolshoven. "Deshalb gibt es die Wartezeiten".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Fünf wichtige Fakten zur Herzgesundheit der Deutschen

Heute wurde in Berlin der Herzbericht 2017 vorgestellt. Es zeigt sich, dass Herzerkrankungen jeglicher Art weiter zunehmen. mehr »

Trumps Leibarzt attestiert dem US-Präsidenten beste Gesundheit

US-Präsident Donald Trump attestierte sich kürzlich selbst kerngesund und ein "stabiles Genie" zu sein. Sein Leibarzt bestätigte ihm jetzt einen überragenden Gesundheitszustand – mit einer Einschränkung. mehr »

Ein Anästhetikum zur Behandlung bei schweren Depressionen?

Ketamin - einst als Anästhetikum entwickelt - hat sich in mehreren Studien bei Patienten mit therapieresistenten Depressionen bewährt. Doch: Für Euphorie ist es noch zu früh. mehr »