Ärzte Zeitung online, 10.10.2018

National Health Service

Briten werben im Ausland um Ärzte

In Großbritannien fehlen tausende Hausärzte. Das Gesundheitsministerium will deshalb 2000 Allgemeinmediziner im Ausland anwerben – trotz des bevorstehenden EU-Austritts der Briten.

LONDON. Wie ein Sprecher des Londoner Gesundheitsministeriums gegenüber der "Ärzte Zeitung" bestätigte, fehlen im staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) landesweit mehre tausend Hausärzte.

Der NHS, der mehr als eine Million Beschäftigte hat, basiert auf dem Primärarztprinzip. Erste Anlaufstelle für den Patienten ist der Hausarzt. Nur der kann den Patienten weiter an einen Facharzt oder in eine Klinik überweisen.

Freilich: in vielen Landesteilen fehlen Hausärzte, was immer wieder zu Versorgungsengpässen und zu Unmut in der Bevölkerung sorgt. Und weil es den Briten offenbar nicht möglich ist, die Lücken mit heimischen Medizinern zu füllen, wurde jetzt eine große Anwerbekampagne im Ausland gestartet – trotz Brexits.

Bis 2020 sollen laut Gesundheitsministerium rund 2000 qualifizierte Hausärzte im Ausland angeworben werden. Australischen Hausärzten wird laut britischen Medienberichten gar ein "Goldener Handschlag" in Form einer 20.000 Euro Einmal-Prämie angeboten, wenn sie sich im Königreich niederlassen. Auch in anderen Ländern, darunter auch in der EU, wird aktiv um Allgemeinmediziner geworben.

Vakante Stellen

Die Londoner Abendzeitung "Evening Standard" berichtete, dass es aus der EU bereits 1200 Bewerbungen für Hausarztstellen im NHS gebe. Der Ministeriumssprecher wollte diese Zahl gegenüber der "Ärzte Zeitung" zwar nicht konkret bestätigen, sagte aber, dass man "auch in der EU" anwerbe.

Seit 2015 haben nach Angaben der Ärztegewerkschaft British Medical Association (BMA) mehr als 1000 staatliche Hausärzte ihren Posten verlassen. Doch konnten die meisten der vakanten Stellen nicht mit allgemeinmedizinischen Nachwuchs besetzt werden.

Laut BMA sind die Arbeitsbedingungen im NHS "schlecht": die Arbeitszeiten seien zu lang und weder Regelungen zu Teilzeitarbeit noch die Bezahlung seien angemessen, heißt es. Außerdem steige als Folge demografischer Trends die Besuchshäufigkeit und Morbidität. (ast)

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