Ärzte Zeitung, 13.01.2017
 

Innovationsfonds

18 Projekte mit AOK-Beteiligung

Insgesamt 29 neue Versorgungsformen erhalten Mittel aus dem Innovationsfonds – an 18 davon ist die AOK beteiligt. Dabei reicht das Engagement der Krankenkasse weit über telemedizinische Anwendungen hinaus.

BERLIN. Ganz gleich, ob die Versorgung im ländlichen Raum, Projekte der Telemedizin oder die Sicherheit beispielsweise von Arzneimitteltherapien verbessert werden sollen: Wenn es um innovative Versorgungsprojekte geht, ist in vielen Fällen die AOK dabei. Das zeigt sich auch daran, dass an insgesamt 29 neuen Versorgungsformen, die mit Mitteln aus dem Innovationsfonds gefördert werden, 18 Projekte mit einer AOK-Beteiligung zu finden sind.

Im Themenfeld "Ländliche Gebiete" hat vor allem die AOK Nordost die Nase vorn: vom Projekt zur Versorgungsstruktur im Landkreis Templin über den Aufbau eines sektorübergreifenden Care Centers zur Versorgungsoptimierung chronischer Herzerkrankungen bis hin zur notfallmedizinischen Neuausrichtung eines Landkreises.

Außerdem beteiligt sich die AOK Nordost an einem Projekt der akutneurologischen Versorgung mit telemedizinischer Unterstützung in Nordostdeutschland.

Versorgung auf dem Land sichern

Im Falle des Care Centers werden alle an der Patientenversorgung Beteiligten und oft räumlich entfernten Institutionen zusammengeführt. Im Projekt werden rund 3000 Patienten in Mecklenburg-Vorpommern betreut mit dem Ziel, mittelfristig die Morbidität und Mortalität bei chronischen Herzerkrankungen zu verringern. Beim Projekt zur akutneurologischen Notfallversorgung geht es unter anderem um eine telemedizinische Zusammenarbeit von neurologischen Maximalversorgern mit regionalen Versorgungskliniken.

Dabei soll die Telemedizin über den Schlaganfall hinaus auf andere neurologische Akuterkrankungen wie Meningitis, Querschnittssyndrome oder epileptische Anfälle ausgeweitet werden.

Telemedizinische Visiten und eine gemeinsame elektronische Fallakte

Im Bereich "Telemedizin, Telematik und E-Health" sind AOKs in mehreren Projekten führend bzw. mit von der Partie: Die AOK Niedersachsen engagiert sich etwa für die bessere Versorgung nach Nierentransplantationen, für die die nephrologische Nachsorge durch telemedizinische Visiten und eine gemeinsame elektronische Fallakte ergänzt wird.

Die AOK Bayern engagiert sich in einem Pilotprojekt zur telemedizinischen Notfallversorgung im Rettungsdienst einer ländlichen Region sowie für die E-Health-gestützte Rückenschmerztherapie.

Während es beim "Telenotarzt Bayern" unter anderem darum geht, Kapazitätsengpässe in der notärztlichen Versorgung aufzufangen, sieht das Rückenprojekt eine verbesserte Versorgung durch die Behandlung nach den Vorschlägen der Nationalen Leitlinie Kreuzschmerz mit einer abgestuften Behandlung auf allen Ebenen (Hausarzt, Facharzt, Schmerztherapeut) vor. Gemeinsam mit anderen Kassen beteiligen sich die AOK Rheinland/Hamburg und die AOK NordWest an einem großen Projekt in Nordrhein-Westfalen zum Aufbau einer telemedizinischen digitalen Netzwerkstruktur zur Verbesserung der wohnortnahen Versorgung.

Kampf gegen Antibiotikaresistenzen

Im Themenfeld "Arzneimitteltherapiesicherheit" stemmen die AOK Bayern und die AOK Rheinland/Hamburg gemeinsam mit Ärztenetzen vor Ort ein großes Projekt, um Antibiotikaresistenzen gezielter zu bekämpfen. Sektorenübergreifend sollen hier zum Beispiel regionale Krankenhäuser, stationäre und ambulante Pflege sowie Apotheken einbezogen werden.

"Kinder und Jugendliche" sind im Fokus eines Projekts zur virtuellen Diabetesambulanz, für das die AOK NordWest eine Förderzusage erhalten hat. Hier wird Familien ein zusätzlicher Beratungstermin mit einem Kinderdiabetologen pro Monat über ein Online-Beratungsportal geboten. Auch ein Projekt der AOK Nordost zur unterstützenden Intensivprophylaxe mit zahnärztlicher Sanierung unter Narkose unterstützt Kinder.

Pflegebedürftige im Fokus

Förderungen erhalten ferner Projekte im Themenfeld "Pflegebedürftige" zur verbesserten Versorgung psychischer und neurologischer Krankheiten (AOK Rheinland/Hamburg) sowie ein Projekt zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen durch die Umsetzung des nationalen Aktionsplans (NAMSE), an dem unter anderen die AOK Nordost, die AOK PLUS und die AOK Bayern beteiligt sind.

Außerdem engagiert sich die AOK Rheinland/Hamburg mit verschiedenen Partnern für eine bessere Gesundheitsversorgung in benachteiligten Stadtteilen. Im Rahmen des Modellprojektes wollen die Partner in den Hamburger Stadtteilen Billstedt und Horn ein integriertes, patientenorientiertes Versorgungsmodell etablieren (wir berichteten) und die Übertragbarkeit auf andere Regionen evaluieren.

Dafür soll die Gesundheitsversorgung dort neu organisiert, der öffentliche Gesundheitsdienst integriert und der medizinische und soziale Sektor vernetzt werden. Um das Projekt nachhaltig zu verankern, hat die AOK Rheinland/Hamburg Mitte 2016 einen Integrierten Versorgungsvertrag (IV) mit der regionalen Managementgesellschaft Gesundheit für Billstedt/Horn geschlossen.

Grundlage für den IV-Vertrag bildet ein von der OptiMedis AG entwickeltes regionales Versorgungsmodell, das nun erstmals in einer Großstadt umgesetzt wird. (eb)

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