Einsamer Kämpfer für Patienten mit Lebererkrankungen

Er fühlt sicht von den Kassen oft im Stich gelassen. Für den Hepatologen Dr. Kurt Grüngreiff sind chronische Lebererkrankungen eine oft unbemerkte Gesundheitsgefahr.

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Sieht Menschen mit Lebererkrankungen nicht nur als Stiefkinder der Kassen, sondern auch der Politik: Dr. Kurt Grüngreiff.

Sieht Menschen mit Lebererkrankungen nicht nur als Stiefkinder der Kassen, sondern auch der Politik: Dr. Kurt Grüngreiff.

© Zieler

MAGDEBURG (zie). Zu der Handvoll niedergelassener Hepatologen in Sachsen-Anhalt gehört Dozent Dr. habil. Kurt Grüngreiff aus Magdeburg.

Der international anerkannte Autor wissenschaftlicher Publikationen hat über einen Zeitraum von fast 20 Jahren an Leberzirrhose erkrankte Patienten in seiner Praxis beobachtet und seine Erkenntnisse von 1992 bis 2002 mit denen von 2003 bis 2010 verglichen. Dabei konnte er einen deutlichen Anstieg von Lebertumoren nachweisen.

Konkret: Von 204 Patienten erkrankten zwischen 1992 und 2002 14 Patienten am Hepatozellulären Karzinom (HCC) sowie ein Patient am Cholangiolären Karzinom (CCC). "Meine Beobachtungen decken sich mit internationalen Vergleichen. Mittlerweile ist das HCC der weltweit fünfhäufigste Krebs und die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache", so Grüngreiff.

Dennoch komme der Früherkennung hierzulande eher die Bedeutung eines ungeliebten Stiefkindes zu. Leberpatienten seien in Augen der Kassen keine Chroniker, folglich gibt es auch keine entsprechenden Chronikerprogramme.

Kassen haben bestehende Selektivverträge gekündigt

Bereits bestehende Selektivverträge wurden in Sachsen-Anhalt von den regionalen Kassen zum 30. Juni 2009 gekündigt. Die Ersatzkassen hatten Verträge dieser Art erst gar nicht geschlossen. Grüngreiff warnt: "Chronische Lebererkrankungen sind eine große, oft unbemerkte Gesundheitsgefahr."

Gegenwärtig leben sechs bis sieben Millionen Leberkranke in Deutschland - das entspreche etwa der Zahl der Diabetiker. Eine Million Betroffene haben Leberzirrhose. Grüngreiff: "Die Zahlen sprechen für sich. Dennoch wird von politischer Seite zu wenig getan, um diese spezifischen Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und die vorhandenen therapeutischen Möglichkeiten fachgerecht einzusetzen."

Engmaschige Behandlungsnetze mit interdisziplinär arbeitenden, fachlich versierten Ärzteteams aus niedergelassenen Hepatologen sowie klinischen Fachkollegen und Hausärzten seien nötig, die bei anderen chronischen Erkrankungen, etwa Diabetes mellitus, Nieren- und Pankreasleiden, Herzerkrankungen oder Rheuma, bereits erfolgreich sind.

"Bei Leberzirrhose aber wird das ebenso ,erfolgreich‘ ignoriert. Wahrscheinlich muss erst ein prominenter Politiker oder Künstler daran erkranken, um die notwendige Aufmerksamkeit auch auf dieses Krankheitsbild zu lenken", konstatiert Grüngreiff.

Nach Ansicht des Fachmannes könnten nahezu 90 Prozent aller chronisch Leberkranken ambulant betreut werden. Damit ließen sich die Erkrankungen stabilisieren und Komplikationen vermeiden.

Kein adäquates Honorar für die Langzeitversorgung

Gleiches gelte bei Lebertumoren. Grüngreiff konnte anhand seiner Beobachtungen nachweisen, dass die Überlebenszeit von Patienten, die zwischen 2003 und 2010 mehr als sechs Monate in seiner Praxis behandelt worden sind, teilweise um etliche Jahre höher lag als die von Kurzzeit-Betreuten.

Ein adäquates Honorar gibt es für die Langzeitversorgung nicht. Allein der Magdeburger Hepatologe büßt dadurch mehrere 10 000 Euro im Jahr ein. "Ich behandele die Patienten dennoch, weil ich mich als Arzt für sie verantwortlich fühle", sagt Grüngreiff.

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