Ärzte Zeitung online, 31.03.2017
 

Neu zum 1. April

iFOBT, Notfälle und mehr jetzt neu im EBM

Zum 1. April treten viele Änderungen im EBM in Kraft, die Haus- und Fachärzte betreffen. Die wichtigsten nennen wir Ihnen hier im Überblick.

iFOBT, Notfälle und mehr jetzt neu im EBM

Zum 1. April treten viele Änderungen im EBM in Kraft, die Haus- und Fachärzte betreffen.

© JiSIGN / Fotolia

NEU-ISENBURG. Nicht nur neue Psychotherapie-Leistungen (siehe Seite 1) und Videosprechstunde (siehe Beitrag rechts) werden zu Beginn des zweiten Quartals im EBM wirksam. Es gibt eine Reihe weiterer wichtiger Neuerungen, die mit Praxisöffnung am Montag beziehungsweise bereits am Wochenende wirksam werden:

- iFOBT wird Kassenleistung: Über die EBM-Nr. 01737 können Hausärzte und mehrere Facharztgruppen die Ausgabe quantitativer immunologischer Tests auf okkultes Blut im Stuhl und die Rücknahme des Testmaterials sowie die erforderliche Beratung zur Darmkrebsfrüherkennung abrechnen (57 Punkte, 6 Euro). Fürs Labor gedacht ist die Abrechnung des Tests nach EBM-Nr. 01738.

- Abrechnung im Bereitschaftsdienst:Neue Erschwerniszuschläge und eine neue Pauschale zur Abklärung der Behandlungsdringlichkeit (Nr. 01205 und 01207) bringt die Änderung der Abrechnungsregeln im Notfalldienst. Die Notfallpauschale (EBM-Nr. 01210) wird im Gegenzug leicht abgewertet.

- Anleitung zur rtCGM: Die Anleitung zur Selbstanwendung eines Real-Time-Messgeräts zur kontinuierlichen interstitiellen Glukosemessung (rtCGM). Hausärzte rechnen dafür die EBM-Nr. 03355 ab (72 Punkte, 7,58 Euro). Für Kinderärzte (EBM-Nr. 04590) und Internisten (Nr. 13360) ist die Leistung ebenfalls abrechenbar. Sie ist je vollendete 10 Minuten einer Beratung anzusetzen, bis zu zehnmal im Krankheitsfall.

- Teleradiologisches Konsil: Als Teil der geforderten Maßnahmen aus dem E-Health-Gesetz treten zum 1. April auch die Leistungen des Telekonsils bei Röntgen und CT in Kraft. Sie sind wie bei der Videosprechstunde aufgegliedert in einen technischen Teil (EBM-Nr. 34800, 91 Punkte) und in die Befundbeurteilung (Nr. 34810, 110 Punkte, bei Röntgenbildern, und 34820/21, 276/389 Punkte, bei CT).

- Kindernephrologie: Für die nephrologische Betreuung von Kindern erhalten Pädiater ab April einen Zuschlag zur Versichertenpauschale von rund 100 Euro im Quartal. Abgerechnet wird über die EBM-Nr. 04563. (ger)

[31.03.2017, 11:14:55]
Thomas Georg Schätzler 
Ergänzungen zu "iFOBT wird Kassenleistung"
Die KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) schreibt zu immunologischen Tests auf Blut im Stuhl (iFOBT) unter
http://www.kbv.de/html/1150_27552.php

"Neue GOP für Ausgabe und Beratung
Ärzte, die den iFOBT als Früherkennungsuntersuchung auf kolorektales Karzinom veranlassen, rechnen ab April die Gebührenordnungsposition GOP 01737 (Bewertung 57 Punkte, Vergütung 6 Euro) ab. Die Leistung umfasst die Ausgabe, Rücknahme und Weiterleitung des Stuhlproben-Entnahmesystems sowie die Beratung des Patienten bei einer präventiven Untersuchung. Bei einer kurativen Untersuchungsindikation sind wie bisher Ausgabe, Rücknahme und Weiterleitung in das Labor mit der Versicherten- oder Grundpauschale abgegolten."

Übrigens steht "iFOBT" als Akronym für "immunological fecal occult blood test".

"Fürs Labor gedacht ist die Abrechnung des Tests nach EBM-Nr. 01738", schreibt die Ärzte Zeitung. Doch was steckt dahinter? Interessanterweise formuliert die KBV dazu:

"Neue GOP für Laboruntersuchung
Für die Untersuchung der Stuhlprobe im Labor gibt es ab April zwei neue GOP: die GOP 01738 (Bewertung 75 Punkte, Vergütung 7,90 Euro) bei einer präventiven Untersuchung und die GOP 32457 (Bewertung 6,21 Euro) bei einer kurativen Untersuchungsindikation. In den Laborleistungen enthalten sind die Kosten für das Stuhlproben-Entnahmesystem."

Das heißt mit anderen Worten: Haus- oder fachärztliche Ausgabe, Rücknahme und Weiterleitung des Stuhlproben-Entnahmesystems sowie die Beratung des Patienten werden als GOP 01737 mit 57 Punkten und ganzen 6 Euro vergütet, während eine weitgehend vollautomatisierte, schlichte Laboruntersuchung als GOP 01738 mit 75 Punkten und 7,90 Euro bewertet wird?

Im kurativen Bereich kommt es noch schlimmer: Das Labor erreicht mit der GOP 32457 als Praxisumsatz 6,21 Euro, wogegen Haus- und Fachärzte leer ausgehen. Ihre Zusatzarbeit mit Ausgabe, Rücknahme, Weiterleitung in das Labor und zusätzlicher Beratung des Patienten bei einem weiteren Termin verschwinden im Orkus der bereits durch Multimorbidität und Mehrfach-Inanspruchnahme erschöpften Versicherten- und Grundpauschale eines 3-Monats-Quartals.

Dann noch, sozusagen als "Sahnehäubchen", obendrauf! "Stuhltest jedes Jahr ab 50", schreibt die KBV, und weiter kontradiktorisch:
"Der Stuhltest ist Teil des Programms zur Früherkennung von Darmkrebs. Er kann bei Frauen und Männern im Alter zwischen 50 und 55 Jahren jedes Jahr durchgeführt werden. Ab 55 Jahren haben die Versicherten Anspruch auf bis zu zwei Früherkennungskoloskopien im Abstand von zehn Jahren oder alle zwei Jahre auf einen Test auf okkultes Blut im Stuhl. Ist der Stuhlbefund positiv, erfolgt zur weiteren Abklärung eine Darmspiegelung."

Damit wird erneut klar, dass bei Patienten, die aus welchen Gründen auch immer keine zwei Präventiv-Koloskopien machen lassen wollen oder können, (zur Strafe?) die Untersuchungsfrequenz in der tumorbiologisch entscheidenden Lebensphase vom 55. bis 65. Lebensjahr wesentlich ausgedünnt wird. Das trifft im Übrigen auch für Hochrisikopatienten in der langen Latenzphase zwischen den beiden Präventivkoloskopien zu.

Unbeirrt schreibt die KBV: "Studien haben gezeigt, dass mit immunologischen Tests nicht sichtbares Blut im Stuhl insbesondere mit einer höheren Sensitivität nachgewiesen werden kann. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte daher festgelegt, den Guajak-basierten Test abzulösen; die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie wurde entsprechend geändert. Anspruch auf die Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs haben Versicherte ab einem Alter von 50 Jahren."

Mit keinem Wort wird erwähnt, dass es in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle n i c h t zur Krebsfrüherkennung, sondern zum primären Ausschluss von Krebserkrankungen und damit zur entlastenden Primärprävention von Darm-Tumorkrankheiten für unsere Patientinnen und Patienten kommt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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