Ärzte Zeitung, 25.11.2016
 

E-Health

Innovationsblocker GKV-System?

Bis telemedizinische Leistungen im GKV-Katalog sind, vergeht häufig viel Zeit. Ein Dilemma, denn bis dahin sind die Leistungen oft schon veraltet. Wie kann man aus diesem Kreis ausbrechen, ohne an Qualität zu verlieren?

Von Ilse Schlingensiepen

Innovationsblocker GKV-System?

Bremst das GKV-System die Telemedizin aus?

© adam121 / fotolia.com

DÜSSELDORF. Der Einsatz von telemedizinischen Anwendungen zur Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung wirft eine Reihe datenschutzrechtlicher und anderer rechtlicher Fragen auf. Richtig schwierig wird es nach Ansicht des Gesundheitsökonomen Professor Jürgen Wasem, wenn es um die Telemedizin im ambulanten Bereich geht.

"Die Frage ist, ob der bisherige Regulierungsrahmen für die leistungsgerechte Gestaltung der vertragsärztlichen Versorgung geeignet ist für telemedizinische Innovationen", sagte Wasem beim Medica Econ Forum der Techniker Krankenkasse in Düsseldorf.

Kritik an der langen Dauer als Aufnahme in den GKV-Katalog

Angesichts des Erlaubnisvorbehalts sieht er das eher skeptisch. Er sorgt für lange Fristen, bis Leistungen in den GKV-Katalog aufgenommen werden und niedergelassene Ärzte sie abrechnen dürfen.

Als Beispiel nannte Wasem die Aufnahme von bislang drei telemedizinischen Ziffern in den EBM. "Experten sagen, dass die Leistungen bei der Aufnahme schon veraltet waren." Der Wissenschaftler hält auch eine grundsätzliche Klärung für notwendig, was im Bereich der Telemedizin eine neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode ist.

Auch an anderen Stellen ist für Wasem nicht geklärt, ob das etablierte Gesundheitswesen die richtigen Instrumente für den Umgang mit den neuen digitalen Technologien im Gesundheitswesen hat, Stichwort Big Data.

GKV-Spitzenverband sieht Veränderung offen entgegen, pocht auf Qualität

Bei der Gestaltung der Entscheidungsstrukturen könnte es durchaus Veränderungsbedarf geben, bestätigte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands Dr. Doris Pfeiffer. "Ich würde aber ungern etwas an den Kriterien ändern."

Sie sieht es als schwierige Aufgabe, bei neuen Anwendungen im Interesse der Versicherten die Spreu vom Weizen zu trennen. "Bestimmte Anforderungen müssen erfüllt sein, die Sicherheit muss gewährleistet sein."

Nach Meinung von Pfeiffer werden Innovationen durch die etablierten Strukturen nicht verhindert. "Es geht um die Frage, was von der GKV finanziert wird."

"Patienten und Versicherte bestimmen im Grund das Tempo"

Oliver Bruzek, Chief Communication Officer der CompuGroup Medical, forderte einen Wandel im Denken. "Patienten und Versicherte bestimmen im Grund das Tempo." Sie nutzen im großen Stil Apps.

Darunter gebe es sicher viele Spielereien, aber auch einige wenige Angebote, die so sinnvoll sind, dass man sie als medizinisches Produkt ins Gesundheitswesen bringen könnte, sagte Bruzek. "Im Moment gibt es keine App im EBM."

Die Patienten griffen auf Angebote von Unternehmen wie Google oder Apple zurück, die mit den Daten forschen können, was hierzulande nicht möglich ist. "Irgendwann müssen wir Forschungsergebnisse teuer einkaufen, weil wir den Versicherten in Deutschland nicht die Chance geben, Qualitätsangebote auch zu nutzen", kritisierte er.

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