Ärzte Zeitung, 12.12.2016
 

Anlagen-Kolumne

Zins-Normalität erst im neuen Jahrzehnt

Gottfried Urban

Die ultralockere Geldpolitik der EZB geht in die Verlängerung der Verlängerung. Bis Ende 2017 und auch noch in 2018 sollen jeden Monat Schulden aufgekauft werden. Erst 2018 oder 2019 soll Schluss sein. Weil Staatsanleihen meist negativ verzinst werden, wird die EZB mit der eingekauften Ware garantierte Verluste einfahren. Draghi erklärte dazu eindeutig, dass eine Zentralbank nicht für die Erwirtschaftung eines Profits da ist. Wenn es sein muss, dann werde Alles unternommen, um die Eurozone zu schützen.

Die Geldschwemme geht also weiter. Das Inflationsziel von zwei Prozent hat man fest im Blick. Inoffiziell sind die Beschäftigungszahlen auch ein wichtiger Indikator. Wenn die US-Notenbank als Vorbild dient, dann wird erst bei nahezu Vollbeschäftigung eine deutliche Änderung der Zinspolitik passieren. Ich bin mir relativ sicher, dass die kurzfristigen Zinsen in der Amtszeit von Draghi, die 2019 endet, nicht mehr steigen. Das wird die Aufgabe des Nachfolgers werden.

Am Ende seiner Amtszeit wird Draghi das Inflationsziel mehr als erreicht haben und der kurze Zins immer noch bei Null liegen. Er weiß, dass er für die Inflationierung von Vermögenspreisen mitverantwortlich ist. Ihm dürfte auch klar sein, das Aktienmärkte immer neue Höchststände markieren werden. Steigende Aktienkurse erzeugen ein Wohlfühlgefühl und spiegeln das Vertrauen von Investoren in die Stärke von Unternehmen und einer Volkswirtschaft wider Hingegen mahnte Draghi kürzlich bei Immobilien zu einem verantwortungsvollen Handeln, denn die Preise seien schon sehr weit gelaufen..

Durch Draghis Politik sind die Finanzmärkte massiv manipuliert. Zinspapiere sind durch die künstliche Nachfrage extrem überteuert. Dies gilt zum Teil auch bereits bei Immobilien. An den Aktienmärkten sind die Bewertungen immer noch im Rahmen historischer Durchschnittszahlen. Es ist also noch nicht zu spät, Zinspapiere in Aktienanlagen zu tauschen. Der Anlagehorizont, die Qualität der Investments und die Risikotoleranz sollte natürlich passen. Der Nachfolger Draghis wird erst im neuen Jahrzehnt die Normalität wieder herstellen müssen. Bis zum Ende dieses Jahrzehntes stehen die Zeichen für die europäischen Aktienmärkte auf Grün, denn Arbeitsplätze werden nur geschaffen, wenn die Unternehmen gutes Geld verdienen.

Der Fondsmanager Gottfried Urban der Bayerische Vermögen AG ist mehrfach für seine Leistungen in der Vermögensverwaltung ausgezeichnet worden.

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