Ärzte Zeitung, 06.09.2010

Anlagen-Kolumne

Deutsche und chinesische Aktien ohne Liquiditätsengpass

Deutschlands Konjunktur nimmt Fahrt auf. Das kommt auch dem Aktienmarkt zugute. Als ähnlich stabiler Hort für Investments erweist sich China.

Von Jens Ehrhardt

War bis vor einigen Wochen für Deutschland bei vielen "Fachleuten" noch die Angst vor einer erneuten Rezession vorherrschend, überbieten sich die Institute derzeit mit immer positiveren Konjunkturprognosen. Parallel dazu wachsen allerdings auch die Inflationserwartungen und damit die Ängste vor Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank. Signifikante Zinsanhebungen wiederum wären in einem ohnehin von Unsicherheiten geprägten Umfeld tatsächlich Gift für die Börsen.

Legt man das Wachstum des zweiten Quartals zugrunde und rechnet dieses auf das Gesamtjahr 2010 hoch, so wuchs die deutsche Volkswirtschaft um nicht weniger als neun Prozent.

Für sich genommen würde diese Zahl tatsächlich deutliche Bremsmaßnahmen der Zentralbank rechtfertigen. Relativierend gilt es allerdings folgendes zu bedenken: Zum einen entspricht die bei der genannten Wachstumszahl zugrunde gelegte Annualisierungsmethodik amerikanischer Machart keinesfalls der Realität.

Seriös gerechnet wird für das Gesamtjahr ein Wachstum in Deutschland von rund drei Prozent herauskommen. Dabei muss man, was das Niveau der Wirtschaftsleitung angeht, bedenken, dass dem ein Rückgang der Wirtschaftsleitung im Jahr 2009 um knapp fünf Prozent vorausgegangen war. Die Exportwirtschaft liegt zwar wieder, was die Leistung angeht, auf Rekordniveau. Die Binnenwirtschaft hingegen hinkt hinter dieser positiven Entwicklung her.

Hinzu kommt, dass die Konjunkturentwicklung in Europa ohnehin extrem gespalten ist. Die erfreuliche Situation in Deutschland steht dabei in krassem Gegensatz zu einigen europäischen Peripherieländern. Während Deutschland eine Zinsanhebung konjunkturell noch am ehesten verkraften könnte, würde man in anderen Ländern unweigerlich einen konjunkturellen Kollaps auslösen.

Was die Aktienmärkte angeht, ist Deutschland in der geldpolitisch komfortablen Situation, dass die Zinsen unangemessen niedrig und die Geldmengen unangemessen hoch sind. Für den deutschen Aktienmarkt bedeutet dies, dass zumindest von dieser Seite vorerst kein Gegenwind zu erwarten ist.

Neben dem deutschen Aktienmarkt wurde im Rahmen dieser Kolumne seit Längerem der chinesische Aktienmarkt positiv beschrieben. In China griff die Zentralbank zuletzt leicht dämpfend ein. Auch heute wird die Liquidität jedoch nicht zu stark durch die Aktienmärkte ausgeschöpft, sodass nach wie vor ausreichend Überschussliquidität für die Aktienmärkte zur Verfügung steht.

Zur Person: Dr. Jens Ehrhardt
Der unabhängige Fondsmanager erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10447)
Personen
Jens Ehrhardt (260)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »