Langzeitpflege
Arbeitgeberverband ruft Linnemann zu Kurswechsel in der Pflegepolitik auf
Krass steigende Eigenanteile, fehlende Pflegeplätze – und die eigentliche Pflegewelle steht mit Ankunft der Babyboomer noch bevor, warnt der Arbeitgeberverband Pflege. Der neue Bundesgesundheitsminister erlebe die Ruhe vor dem Sturm.
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„Pflegeplätze, Pflegeplätze, Pflegeplätze“: Der Arbeitgeberverband Pflege fordert mehr Invetsitionen in die Langzeitpflege. (Symbolbild)
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Berlin. Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) ruft die Koalition und den neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) zur einer „pflegepolitischen Wende“ auf.
Angesichts steigender Eigenanteile in Alten- und Pflegeheimen, fehlendender Pflegeplätze und der bevorstehenden „Pflegewelle“ in den 2030er-Jahren müsse der Ausbau der Pflegeinfrastruktur zu einem Maßstab in der Pflegepolitik werden. Andernfalls sei die Versorgungssicherheit in der Pflege in Gefahr.
Laut Verband liefert der bisherige Entwurf zur Pflegereform keine Antwort auf die Versorgungskrise in der Langzeitpflege. Die hänge auch mit steigenden Bedarfen zusammen. So werde sich bis zum Jahr 2045 die Zahl der pflegeintensiven Menschen aufgrund geburtenstarker Jahrgänge von 6,1 Millionen auf dann 8,6 Millionen erhöhen. Schon seit 2021 fehlten rund 60.000 Plegeplätze in Deutschland.
Eigenanteile steigen drastisch
AGVP-Präsident Thomas Greiner betonte, „mehr Pflegeplätze und günstigere Pflege“ gehörten zusammen und seien auch möglich. „Wir müssen Pflege besser organisieren.“ Dafür sei das Pflegepersonal nach Kompetenz und Bedarf einzusetzen und nicht nach starren Quoten.
Beschäftigte seien überdies mithilfe digitaler Anwendungen zu entlasten und von unnötiger Bürokratie zu befreien. „So können mehr Menschen versorgt werden und Kosten pro Platz sinken.“ Was nicht angehe sei, bei den Eigenanteilen die Rechnung immer bloß weiterzureichen und die Hände in den Schoß zu legen.
Die Länder wiederum müssten Investitionen in neue Pflegeheime erleichtern, Doppelprüfungen in den Einrichtungen abbauen und kostentreibende Bauvorschriften überprüfen, erklärte Greiner. Vor allem sei der Wust an Personalvorgaben zu bändigen.
Soziale Pflegeversicherung
Betriebskrankenkassen warnen vor „Hängepartie in der Pflege“
Derzeit zahlen Pflegeheimbewohner im ersten Jahr im Schnitt 3.364 Euro pro Monat als Eigenanteil. Der prozentuale Anstieg der Pflegekosten sei in den vergangenen Jahren dreimal so stark gestiegen, wie die allgemeinen Preise für Verbraucher.
Greiner rief Gesundheitsminister Linnemann dazu auf, einen Neustart in der Pflege zu wagen. Finde der Linnemann soziale und marktwirtschaftliche Lösungen, könne er „zum Ludwig Erhard der Altenpflege werden“.
Gelinge es nicht, die Rahmenbedingungen für die Schaffung neuer Pflegeplätze zu schaffen, müssten Familienangehörige einspringen. Die aber fehlten dann den Unternehmen, was den Fachkräftemangel verschärfe und die allgemeine Wirtschaftslage verschlechtere, warnte der Verbandschef. (jtm/hom)






