Erfolgsrezept
Ärzte Zeitung online, 04.11.2013

Innovationspreis

Eine Kinderarztpraxis für Patienten jeden Alters

Mütter mit Bauchschmerzen und Omas ohne Grippeschutzimpfung musste der Berliner Kinderarzt Dr. Bernhard König früher wegschicken. Weil ihn das geärgert hat, entwickelte er das Konzept "familycare" und stellte zwei Allgemeinmediziner an. Davon profitieren die kleinen und großen Patienten.

Von Angela Mißlbeck

Eine Kinderarztpraxis für Patienten jeden Alters

Kinderarzt Dr. Bernhard König am Empfang seiner pädiatrisch-allgemeinmedizinischen Praxis in Berlin.

© Angela Mißlbeck

BERLIN. Hat ein Kleinkind einen Infekt, trifft es oft auch die Eltern. Dann stellen sie zwar ihr Kind dem Arzt vor, bleiben aber selbst oft unversorgt.

Nicht so in der familycare-Praxis von Dr. Bernhard König in Berlin-Friedrichshain. Dort werden auch akut erkrankte Eltern mitversorgt.

Bei planbaren Behandlungen, etwa Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen, erhalten Kind und Eltern Kettentermine. Das spart den Patienten Zeit und Wege.

"Wir können die Familien umfassend betreuen", freut sich König. Der Vater dreier Teenies ist der Auffassung, dass Pädiatrie immer auch Familienmedizin ist.

Weil der Kinderarzt sich ärgerte, dass er die Eltern seiner Patienten weiterschicken musste, hat er seit 2008 das Konzept familycare zur generationenübergreifenden Versorgung entwickelt.

Damit kam er beim Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis 2012" - einer Aktion der Fachverlagsgruppe SpringerMedizin, zu der die "Ärzte Zeitung" gehört, und des Biopharmazieunternehmens UCB - vergangenes Jahr unter die Top Ten.

Nach zwei Jahren schon expandiert

Im Jahr 2010 war es soweit. Neue, größere Räume in der Nähe der alten Praxis waren gefunden und eine Allgemeinmedizinerin zur Anstellung ebenfalls.

Das Versorgungsangebot kam so gut an, dass König im Herbst 2012 die Nachbarräume der Praxis angemietet und einen zweiten Allgemeinmediziner angestellt hat.

In der Kinderheilkunde unterstützt eine Assistenzärztin den Praxischef. Ein weiterer Assistenzarzt soll ab Oktober in der Allgemeinmedizin mitarbeiten.

Gemeinsam versorgen die Ärzte rund 3500 Patienten im Quartal, davon etwa 1600 in der Kinderheilkunde. Entlastet werden sie von insgesamt sieben Fachangestellten und drei Schülerinnen. Auch Königs Frau, eine Kinderkrankenschwester, arbeitet mit.

Über den Zuspruch der Patienten freut sich der niedergelassene Arzt. Aus manchen Familien versorgt die Praxis inzwischen drei Generationen. Doch richtig stolz ist König darauf, dass alle Mitarbeiter hinter dem familycare-Konzept stehen.

"Am meisten freut mich, dass es allen Spaß macht, hier zu arbeiten". Ein Schwerpunkt ist die Versorgung von Frühgeborenen, Neugeborenen, Babys und Kleinkindern. Speziell auf ihre Bedürfnisse ist die Praxis eingerichtet.

Wickeltisch im Wartezimmer

Dafür gibt es im Wartezimmer einen blickgeschützten Wickeltisch und nebenan ein Stillzimmer. Getrennte Wartebereiche für gesunde Babys, die nur zur Vorsorge kommen, gibt es auch.

Von den fünf Behandlungszimmern im kinderärztlichen Bereich der Praxis ist eines mit einer Wärmelampe für Neugeborene ausgestattet. Ein weiteres wird vor allem für die kleine Chirurgie genutzt.

Ultraschall für Hüfte, Bauch, Nieren und Kopf macht König selbst. Für die neonatologische Versorgung gibt es ein Gerät zur transkutanen Messung des Bilirubinwertes.

Genauso modern und umfassend ausgestattet ist der allgemeinmedizinische Teil der Praxis.

Dort gibt es noch einmal fünf Behandlungszimmer mit Platz für Sonografie und EKG sowie ein Labor. Knapp 900 Quadratmeter bespielt die Praxis unweit des Alexanderplatzes insgesamt.

Hohe Impfraten dank guter Organisation

Die hochwertige Ausstattung verdankt sie nicht zuletzt einem im Berliner Vergleich überdurchschnittlich hohen Anteil an Privatpatienten.

"Bestimmte Investitionen könnte ich nicht tätigen, wenn ich nicht so viele Privatpatienten hätte", räumt König ein.

Besonderen Wert legt der Kinderarzt auf Vorsorge und Impfungen. Für das Impfmanagement hat er ein stringentes Konzept entwickelt, das auch in der Allgemeinmedizin angewendet wird. Kern ist eine klare Terminstruktur und Information auf Augenhöhe.

"Mit verunsicherten Eltern kann man reden", sagt König. Folgetermine für Kinder werden gleich beim ersten Impftermin vereinbart.

Ein Ergebnis dieser Strategie ist, dass die Praxis eine extrem hohe Impfrate gegen Rotavirus vorweisen kann. 2011 waren 76 Prozent der Säuglinge bis zum achten Lebensmonat geimpft. Im Bundesdurchschnitt waren es König zufolge weniger als 30 Prozent.

Im allgemeinärztlichen Praxisteil fallen die Plakate zur Masern-Impfung auf. Erwachsene werden bei familycare auch dann geimpft, wenn sich das Impfbuch nicht mehr finden lässt.

Netzwerk mit Kollegen und Kliniken

Für ein weiteres Versorgungsproblem ist die familycare-Praxis gut gerüstet: Bei der Betreuung chronisch kranker Kinder, die ins Erwachsenenalter kommen, gibt es keine Brüche.

Die virtuelle Patientenakte geht vom Pädiater an den Allgemeinmediziner. Bei der wöchentlichen Teamsitzung wird der Fall besprochen - die Kontinuität der Versorgung ist gewährleistet.

Damit die umfassende Versorgung auch bei spezifischen Patientenproblemen funktioniert, pflegt König ein Netzwerk mit fachärztlichen Kollegen und Kliniken, mit Hebammen, Physiotherapeuten und Logopäden.

"Patienten fragen nach Empfehlungen. Mein Anspruch ist, die zu kennen, die ich empfehle", sagt der Kinderarzt.

Eltern schwerkranker Kinder bietet König einen besonderen Service: Sie haben seine Handynummer. "Ich habe früher im Krankenhaus 24-Stunden-Schichten gemacht, da kann mich heute ein Anruf am Wochenende nicht schrecken", sagt er.

Innovationspreis 2013

Haben Sie eine innovative Idee, die Sie in Ihrer Praxis umsetzen wollen oder umgesetzt haben? Dann bewerben Sie sich bis zum 30. November im Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis", den das Biopharmaunternehmen UCB und die Verlagsgruppe Springer Medizin in diesem Jahr zum dritten Mal ausschreiben. Sie können mit Ihrer Idee einen von mehreren wertvollen Preisen gewinnen - als Hauptpreis winkt ein eintägiges Praxiscoaching durch die Unternehmensberatung HCC Better Care, Köln.

In unserem Online-Formular beschreiben Sie Ihre Idee und die Umsetzung. Dabei geht es auch darum, dass Sie zeigen, was Ihre Idee innovativ macht – zum Beispiel für die Versorgung von Patienten oder auch für die Wirtschaftlichkeit Ihrer Praxis. Sie können im Internet auch Dokumente hochladen, zum Beispiel Bilder oder Word-Dateien.

Ihre Daten werden nur zur Ermittlung der Gewinner verwendet und nicht an Dritte weitergeleitet.

Bewerbung bis 30. November 2013 online unter www.aerztezeitung.de/extras/innovationspreis

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