Erfolgsrezept
Ärzte Zeitung, 21.10.2012

Sicherheit für Doktor und Patient

Aida in der Arztpraxis

Ein System, in dem alle wichtigen Informationen für die Praxis gespeichert sind, hat der Hausarzt Sören Schmolling entwickelt. "Aida" ist aber auch außerhalb der Praxis nützlich.

Von Dirk Schnack

Mit Aida im Computer auf der sicheren Seite

Lassen sich gerne von Aida helfen: die Landärzte Sören Schmolling (links) und Steffen Harksen.

© Dirk Schnack

ESGRUS. Viele Ärzte kennen die Situation: Beim Lesen von Fachlektüre stoßen sie auf einen Hinweis, der für eine Behandlung oder für die Organisation ihrer Praxis wertvoll sein könnte.

Entweder vergessen sie den Hinweis, weil sie ihn sich nicht notiert haben oder sie verlieren den Überblick über ihre Notizen.

Hausarzt Sören Schmolling und sein Praxispartner Steffen Harksen haben damit kein Problem.

Was medizinisch oder organisatorisch für ihre Gemeinschaftspraxis später von Nutzen sein könnte, findet sich auf ihrem Praxisserver in Aida (Arbeitshilfe in der Allgemeinmedizin): einer selbst entwickelten Datei, die entfernt an das Online-Lexikon Wikipedia erinnert.

Gemeinschaftspraxis Brunsholm

Die Praxis: die Landärzte Sören Schmolling (seit 1999) und Steffen Harksen (seit 2005) arbeiten in einer der ältesten Gemeinschaftspraxen überhaupt: die heute 220 Quadratmeter große Praxis in Esgrus nahe der holsteinischen Ostseeküste wurde schon vor 100 Jahren gemeinschaftlich betrieben und ist bis heute doppelt besetzt.

Das Team: Drei MFA, eine Praxismanagerin und eine Reinigungskraft sind bei den Ärzten angestellt. Auch die Mitarbeiterinnen und PJler haben Zugriff auf Aida.

Die Patienten: Als "Versorgerpraxis" im klassischen Sinne bezeichnen die Ärzte ihre Praxis: Das Spektrum ist breit, auch viele Kinder kommen. Im Quartal liegen die Ärzte zusammen bei 1600 Scheinen.

Die Ärzte greifen von allen sechs Arbeitsplätzen und auch von ihren Smartphones aus auf die rund fünf Gigabyte umfassende Datenmenge in Aida zu - und haben damit die Gewissheit, an alles gedacht zu haben.

Gegebene Ratschläge fließen in Patientendatei ein

Ein Patient kommt mit einem grippalen Infekt und Influenza in die Gemeinschaftspraxis Brunsholm im schleswig-holsteinischen Esgrus. Was er von den verordneten Mitteln wann, wie lange und in welcher Dosierung nehmen muss, versucht er sich zu merken.

Schmolling geht aber auf Nummer sicher und druckt dem Patienten aus der Aida-Sammlung die Hinweise zur Verordnung aus, inklusive homöopathischer Möglichkeiten und Ratschläge für eine Aufbaukur.

Die Hinweise findet er mit einem Klick, nachdem er zuvor das Stichwort Influenza eingegeben hat. Mit einem weiteren Klick überträgt er die Ratschläge in die Patientendatei.

Beim nächsten Besuch des Patienten weiß damit auch Praxispartner Steffen Harksen, dass der Patient umfassend informiert ist.

Die Ratschläge stammen aus dem umfassenden Serviceteil von Aida. Solche Tipps gibt es zu zahlreichen Erkrankungen, ebenso Impfpläne. "Das verbessert die Compliance und ist zugleich ein gutes Marketinginstrument für unsere Praxis", sagt Harksen.

Genauso umfangreich ist der medizinische Teil. Darin haben die Ärzte nach der Ordnung eines Fachbuches Fragen zu Erkrankungen in zwölf Themenkomplexen aufgelistet, die für Diagnostik und Therapie wichtig sein können.

Natürlich haben die Ärzte dieses Wissen auch im Kopf und arbeiten nicht bei jedem Patientenkontakt mit Aida. "Aber es gibt Fälle, in denen Aida hilfreich für uns ist", sagt Schmolling.

Etwa, wenn ein Patient wegen einer Erkrankung ein zweites Mal in die Praxis kommt und die bisherige Therapie nicht angeschlagen hat. Dann kann ein Blick in Aida dazu führen, dass alle wichtigen Hintergrund- und Zusatzinformationen, die zunächst vernachlässigbar erschienen, vom Patienten abgefragt werden.

Auch für die Praxisorganisation sind zahlreiche Hinweise in Aida gesammelt. Was ist bei einem Arbeitszeugnis zu beachten? Welche Angaben sind bei der Reisekostenabrechnung wichtig? Antworten auf diese und viele weitere Fragen sind in der Datei abgelegt.

Aida stört beim Gespräch mit dem Patienten nicht

Für die wichtigsten Stichwörter haben sich die Ärzte eine Quick List zum Start der Word-Datei angelegt. Alle anderen Dinge werden über die Stichwortsuche gefunden.

Beim Patientengespräch stört Aida nicht: die Datei wird zu Sprechstundenbeginn auf der Taskleiste abgelegt und kann mit einem Mausklick geöffnet werden. Genauso schnell ist ein Wechsel zur Patientendatei möglich.

Die Idee zu Aida, mit der sich Schmolling und Harksen für den Innovationspreis 2011 von UCB und Springer Medizin bewarben und unter den Top Ten landeten, kam Schmolling vor vielen Jahren.

"Das Wissen ist vorhanden, aber manchmal nicht präsent, wenn ich es brauche", lautet seine Begründung für Aida. 2002 begann er mit der systematischen Erfassung des für den Praxisalltag relevanten Wissens.

Sein 2005 hinzu gekommener Praxispartner Steffen Harksen unterstützt das System und vervollständigt es. Beide Ärzte arbeiten gern damit. "Wir wenden es aber nicht dauerhaft an, vielleicht einmal pro Sprechstunde", so Schmolling.

Hilfreich ist es für ihn auch außerhalb der Praxis: Bei Heim- und Hausbesuchen kann er über sein Smartphone etwa einsehen, was beim geriatrischen Basisassessment wichtig ist. Auch die Mitarbeiterinnen haben Zugriff.

Dankbar für Aida sind auch die Famulanten und PJler in der Praxis. Mit der strukturierten Information fühlen sie sich sicherer. "Es gibt kein Geheimwissen, alle Informationen sind schnell von allen und an jedem Arbeitsplatz verfügbar", sagt Harksen. Auch Kollegen hätten sich an Aida schon interessiert gezeigt.

Übernommen hat Aida nach ihrer Kenntnis niemand - der Aufwand ist zum Start vergleichsweise hoch und zahlt sich erst mit der Zeit aus. Inzwischen hält sich der Zeitaufwand aber in Grenzen: Das Vervollständigen kostet nur noch wenige Minuten.

Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis" - so können Sie mitmachen

Mit Aida im Computer auf der sicheren Seite

Haben Sie eine innovative Idee, die Sie in Ihrer Praxis umsetzen wollen oder umgesetzt haben? Dann bewerben Sie sich noch bis zum 31. Oktober für den Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis", den das Biopharmaunternehmen UCB und die Verlagsgruppe Springer Medizin in diesem Jahr zum zweiten Mal organisiert haben. Sie können mit Ihrer Idee einen von drei iPads gewinnen.

Unter www.aerztezeitung.de/innovationspreis finden Sie ein Online-Formular, in dem Sie Ihre Idee und die Umsetzung kurz beschreiben können. Dabei geht es auch darum, dass Sie zeigen, was Ihre Idee innovativ macht - zum Beispiel für die Versorgung von Patienten oder auch für die Wirtschaftlichkeit Ihrer Praxis.

Sie können im Internet auch Dokumente hochladen, zum Beispiel Bilder oder Word-Dateien. Ihre Daten werden nur zur Ermittlung der Gewinner verwendet und nicht an Dritte weitergeleitet.

Der Preis wird am 24. November 2012 beim Bundeskongress Privatmedizin in Köln vergeben.

Die Frist läuft noch wenige Tage - bis 31. Oktober. Fragen? innovation@aerztezeitung.de

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