Cochrane-Review

Heilkundeübertragung: Wo Substitution die ambulante Versorgung verbessern könnte

Zur Advanced Care Nurse statt zum Arzt? Ein aktuelles Cochrane-Review gibt Hinweise, wie die Heilkundeübertragung die Versorgung in der Fläche entlasten könnte – und welche Patientengruppen profitieren. Spannend für Teampraxismodelle.

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Eine männliche Pflegekraft misst Blutdruck bei einer älteren Frau im Rollstuhl.

Wie frei sollen Pflegekräfte in der Versorgung agieren können?

© Florian Gaertner//photothek/picture alliance

Dublin/Neu-Isenburg. Eine stärkere Aufgabenteilung in der ambulanten Versorgung, die über die Delegation hinausgeht, muss nicht unbedingt von Nachteil für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sein. In strukturschwachen Regionen, in denen heute schon Ärztemangel herrscht, etablieren sich gerade diverse Teampraxis-Modelle. Warum hier nicht auch enger mit Pflegefachkräften zusammenarbeiten, die stärker in ärztliche Aufgaben involviert werden?

Vorteile bei Wundmanagement und für Diabetes-Patienten

Eine aktuelle Cochrane-Metaanalyse (Cochrane Database Syst Rev 2026, online) legt nahe, dass eine stellenweise Heilkundeübertragung bei bestimmten Krankheitsbildern und Versorgungsschritten insgesamt die klinischen Ergebnisse sogar verbessert.

Dies ist laut der Daten etwa bei Diabetespatienten, beim Thema Wundmanagement und auch der Frage des Erhalts bzw. der Stärkung physischer und psychischer Fähigkeiten der Fall. Ebenso profitieren Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen von der gezielten Aufgabenverteilung.

Für die Analyse wurden 82 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt über 28.000 Teilnehmenden zusammengefasst, von denen letztlich 70 ausgewertet wurden. Allerdings beschäftigten sich die Studien, die vorrangig aus Großbritannien und den Niederlanden stammen, mit der Heilkundeübertragung in Kliniken. Dennoch lassen sich Rückschlüsse für Modelle in der ambulanten Versorgung ziehen.

So zeigte sich, dass es zwischen Pflegefachpersonen und ärztlichem Personal bei den untersuchten Aufgaben insgesamt keine oder nur geringe Unterschiede bei Mortalität, Patientensicherheit, Lebensqualität und Selbstwirksamkeit der Patienten gab.

Pflege hat bei Adhärenz die Nase vorn

Neben den oben genannten Versorgungsbereichen schnitten die Pflegefachkräfte außerdem bei Themen wie der Durchführung von Assessments, Adhärenz der Patienten und Medikationsmanagement besser ab als Ärzte.

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Die Gründe dafür werden nicht benannt. Aus Delegationsmodellen in der ambulanten Versorgung wie der VERAH (Versorgungsassistent/in in der Hausarztpraxis) ist aber durchaus bekannt, dass insbesondere Teammodelle für einzelne Patienten und das regelmäßige Nachfassen mehr Zeit verschaffen. Und dass MFA oder Pflege häufig durch ihre Stellung in der Versorgung näher an den Gesamtbedürfnissen der Patienten sind, was die Kommunikation leichter macht.

Abhängig vom Einkommensniveau?

Zwar bietet die Cochrane-Analyse nur einen Länder- und keinen regionalen Vergleich innerhalb derselben, sie liefert aber Hinweise darauf, dass insbesondere Patienten in Regionen mit mittlerem und geringem Einkommensniveau von der zusätzlichen Unterstützung durch Pflegekräfte in der Versorgung profitieren.

So verbessert sich die Lebensqualität in Ländern mit im Schnitt niedrigem und mittlerem Einkommensniveau durch die teilweise Heilkundeübertragung auf Pflegefachkräfte. Hier räumen die Forscher jedoch ein, dass die Leistungsfähigkeit von Ärztinnen und Ärzten in Hochlohnländern natürlich auch besser sein könnte. (reh)

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