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Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband

Fehlzeiten-Report 2026

Aktuelle Kassenstatistik: Mehr Fehlzeiten durch psychische Leiden

Psychische Erkrankungen sorgen für besonders lange Ausfallzeiten – und treiben damit die Fehlzeiten seit Jahren nach oben. Das zeigt der Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Von Stefanie Roloff Veröffentlicht:
Gerade Pflegepersonal ist durch die hohe Belastung häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen.

Gerade Pflegepersonal ist durch die hohe Belastung häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen.

© ViskBx / Generated with AI / Stock.adobe.com

Die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen sind laut dem aktuellen WIdO-Report, der am 8. Oktober 2026 in Berlin vorgestellt wurde, bei den AOK-versicherten Beschäftigten in den vergangenen zehn Jahren um knapp 42 Prozent gestiegen.

Während 2016 noch 284 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Mitglieder zu verzeichnen waren, lag dieser Wert 2025 bei 403 Tagen.

Spitzenplatz bei Krankheitsdauer

Psychische Erkrankungen lagen 2025 mit durchschnittlich 14,1 AU-Fällen je 100 Mitglieder zwar deutlich hinter den Atemwegserkrankungen, die mit 80,3 AU-Fällen je 100 Mitglieder Haupttreiber bei den saisonalen Schwankungen der Fehlzeiten sind. Dafür dauerten die Krankschreibungen mit durchschnittlich 28,5 Tagen je Fall deutlich länger. Bei Atemwegserkrankungen waren es nur 5,7 Tage.

Ein deutlicher Anstieg war bei den Burnout-Diagnosen zu verzeichnen: 2016 entfielen 11,0 Ausfalltage je 100 AOK-Mitglieder auf diese Diagnose, 2025 waren es bereits 19,5 Tage – ein Plus von 77 Prozent.

Insgesamt leicht rückläufige Fehlzeiten

Über alle Erkrankungen hinweg gingen die Fehlzeiten nach den Höchstständen der vergangenen Jahre leicht zurück. 2025 kamen auf jedes AOK-Mitglied durchschnittlich 23,3 Arbeitsunfähigkeitstage. 2022 waren es noch 24,5 Tage, 2023 und 2024 jeweils 23,9 Tage. Dennoch lag der Wert weiterhin deutlich über dem Niveau vor Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU).

„Die eAU hat zu einer vollständigeren Erfassung der Fehlzeiten geführt, da ab 2022 alle AU-Bescheinigungen automatisch von den Arztpraxen an die Krankenkassen geschickt werden: Dies hatte einen Niveau-Shift nach oben zur Folge“, ordnet Helmut Schröder, WIdO-Geschäftsführer und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports, die Entwicklung ein.

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Unterschiede zwischen Berufsgruppen

Bei Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Berufsgruppen. An der Spitze lag 2025 das Dialogmarketing mit 39,0 AU-Fällen je 100 Mitglieder, gefolgt von Haus- und Familienpflege (25,6), Altenpflege (24,9), Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik (24,6) sowie Kinderbetreuung und -erziehung (23,0).

„In diesen Berufen wirken mehrere psychosoziale Belastungsfaktoren, die sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken“, sagt Prof. Steffi Riedel-Heller, Leiterin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health an der Universität Leipzig und Autorin im Fehlzeiten-Report. „Hohe emotionale Anforderungen, Verantwortung für andere Menschen und ein hohes Arbeitspensum in Kombination mit begrenzter Kontrolle über Arbeitsabläufe und oftmals unzureichende soziale Unterstützung wirken sich in häufigeren und längeren Fehlzeiten aus.“

Die längsten Ausfallzeiten bei den psychischen Erkrankungen entfielen laut Report auf die Diagnose „Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen“, gefolgt von depressiven Episoden und wiederkehrenden depressiven Störungen.

Sorgen um die wirtschaftliche Lage

Eine Beschäftigten-Befragung, die im Fehlzeiten-Report 2026 vorgestellt wird, zeigt einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Sorgen und psychischen Belastungen. Finanzielle Unsicherheit oder Angst vor Arbeitslosigkeit gehen demnach häufiger mit Niedergeschlagenheit, Wut oder Erschöpfung einher.

„Angesichts einer zunehmend angespannten wirtschaftlichen Situation in Deutschland ist davon auszugehen, dass sich sowohl die Sorgen wie auch die psychischen Belastungen und kognitiven Irritationen verstärken werden. Dies könnte sich perspektivisch auch negativ auf die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen auswirken“, sagt Helmut Schröder. Im betrieblichen Setting seien daher unterstützende Angebote notwendig, die Unternehmen, Führungskräfte und Beschäftigte entlasten.

Krankengeld-Ausgaben gestiegen

Auch beim Krankengeld zeigt sich die wachsende Bedeutung psychischer Erkrankungen. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung dafür steigen seit Jahren. 2025 lagen sie nach vorläufigen Daten bei 21,6 Milliarden Euro und machten rund 6,1 Prozent der GKV-Gesamtausgaben aus. Zehn Jahre zuvor waren es noch 11,2 Milliarden Euro beziehungsweise 5,2 Prozent.

„Dieser Anstieg hat unter anderem mit einer höheren Erwerbsquote und mit gestiegenen Löhnen zu tun. Aber auch die Fallzahlen und insbesondere die Dauer je Fall steigen. Hierbei sind die psychischen Erkrankungen ein wichtiger Faktor“, betont die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann.

Die Zahl der Krankengeldfälle wegen psychischer Erkrankungen stieg zwischen 2021 und 2025 um knapp 25 Prozent, während die Fallzahlen bei somatischen Erkrankungen wie Rückenbeschwerden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen rückläufig waren. Bei den Ausgaben zeigt sich der Unterschied noch deutlicher: Sie stiegen bei psychischen Erkrankungen um 54 Prozent, bei somatischen um 27 Prozent.

Ein Grund: Die langen Falldauern

„Das hat auch mit den überdurchschnittlich langen Falldauern bei diesen Erkrankungen zu tun“, so Reimann. Es gebe „ganz offensichtlich Handlungsbedarf“, um einem weiteren Anstieg entgegenzuwirken und Beschäftigte möglichst gesund zu erhalten. Umso mehr begrüßt die AOK-Vorständin die neuen Regeln für das Krankengeldmanagement ab Januar 2027.

Die Beratung kann dann ohne vorherige Einwilligung der Versicherten starten, weiteren Kontakten können sie widersprechen. Das Angebot unterstützt längerfristig Erkrankte unter anderem bei Fragen zum Krankengeld, Formalitäten und Reha-Anträgen.

Über den Fehlzeiten-Report

Der Fehlzeiten-Report wird seit 1999 vom WIdO in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld und der Berliner Hochschule für Technik herausgegeben. Neben Analysen zur aktuellen Entwicklung des Krankenstandes umfasst der Report 2026 insgesamt 25 Beiträge zum Schwerpunktthema „Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt stärken“.

Infos zum Fehlzeiten-Report 2026 sind abrufbar unter: https://www.wido.de.

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