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Arznei-Innovationen

Individual-Kombis: In der HIV-Therapie ein Muss

Die Erfolge der AIDS-Therapie stellt behandelnde Ärzte vor neue Herausforderungen: die Adaption der Therapie bei vermehrt auftretenden typischen Alterskrankheiten. Das erfordert weitere Innovationen.

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Kombinationstherapien sind bei der Behandlung von HIV und AIDS Standard. Ursächlich dafür sind zwei Besonderheiten: Zum einen die hohe Mutagenität des HI-Virus, die dazu führt, dass das Virus eine Resistenz gegen einen einzeln eingesetzten Wirkstoff entwickelt, der damit unwirksam wird. Zum anderen die notwendige Dauerbehandlung, bei der aufgrund (zeitweilig) mangelnder Adhärenz der Patienten Resistenzen entstehen, die den Einsatz alternativer Wirkstoffe erforderlich machen.

Mit insgesamt sieben Wirkstoffklassen und 33 verschiedenen Wirkstoffen steht Ärzten heute ein breites Arsenal zur Verfügung, die nicht heilbare Krankheit so zu behandeln, dass die Patienten eine fast normale Lebenserwartung haben und das HI-Virus so weit unterdrückt werden kann, dass keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.

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„Das Problem heute ist weniger die eigentliche Behandlung von HIV und AIDS, sondern es sind vielmehr die sehr individuellen Herausforderungen mit Langzeitwirkungen und Alterserkrankungen von Patienten“, sagt Dr. Katja Römer, Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (dagnä). Insofern müssten auch die eher enttäuschenden Ergebnisse der Nutzenbewertungen des Gemeinsamen Bundesausschusses aus der Sicht der Praxis differenziert betrachtet werden.

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In den allermeisten der 25 Bewertungsverfahren für neue Wirkstoffe oder Indikationserweiterungen anerkannte der G-BA den in den letzten elf Jahren neu eingeführten Medikamente keinen Zusatznutzen, nur in wenigen Fällen sah der G-BA einen beträchtlichen, teils auch geringen Zusatznutzen.

Ursächlich dafür, so Römer, sei, dass G-BA und IQWiG meist auf die Hauptwirkung, abgestellt hätten, den Behandlungserfolg gegen HIV und AIDS an sich. Der sei aber bereits mit den sehr viel älteren Vergleichstherapien gut erreicht worden. Die Herausforderungen in der Praxis seien aber sehr viel differenzierter und hängen auch damit zusammen, dass die Patienten ein höheres Alter erreicht haben. Im Einzelnen:

Langzeitfolgen der HIV-Therapie wie zum Beispiel Hypercholesterinämie und als deren Folge kardiale Erkrankungen oder auch Diabetes. Weitere Langzeitkomplikationen können Niereninsuffizienz, Abnahme der Knochendichte und Leberfunktionsstörungen sein.

Generell gilt: Da HIV-Patienten eine nahezu normale Lebenserwartung haben, werden in der älter werdenden Population vermehrt Alterskrankheiten beobachtet, deren Behandlung jeweils individuell mit der HIV-Therapie kombiniert werden muss.

Hinzu tritt die Herausforderung, dass nur die konsequente Dauerbehandlung den Erfolg sichert – die notwendige hohe Compliance aber aufgrund von Unverträglichkeiten oft schwer einzuhalten ist.

Das, so Römer, erfordere ein „permanentes Finetuning“, eine HIV-Therapie „von der Stange“ gebe es nicht. Aus diesem Grund seien weitere Innovationen notwendig, insbesondere auch hinsichtlich ihrer Darreichungsformen, etwa durch Verabreichung einer acht Wochen wirkenden Depotinjektion.

Nicht vergessen werden sollte auch die Zielgruppe jüngerer Frauen im gebärfähigen Alter. Hier bedarf es besonderer individualisierter Therapieansätze, um diesen Frauen eine risikofreie Schwangerschaft zu ermöglichen und das Kind vor einer Infektion zu schützen.

Mit dem Zustrom von Flüchtlingen aus der Ukraine sei dies wieder zu einer Herausforderung für Ärzte geworden. (HL)

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