Projekte

Passgenaue Versorgung auf dem Land

Die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen aufrecht erhalten und verbessern – dieses Ziel verfolgen eine ganz Reihe von AOK-Projekten. Wir stellen Beispiele vor, die in die Zukunft weisen.

Von Taina Ebert-Rall Veröffentlicht:
In Baden-Württemberg haben AOK und Arztpartner 2013 ein außergewöhnliches Mobilitätsprojekt gestartet: Praxen nutzen dort VERAHmobil-Fahrzeuge für Hausbesuche.

In Baden-Württemberg haben AOK und Arztpartner 2013 ein außergewöhnliches Mobilitätsprojekt gestartet: Praxen nutzen dort VERAHmobil-Fahrzeuge für Hausbesuche.

© AOK

BERLIN. Von sektorenübergreifenden Projekten über Versorgungsassistenzen und digitalen Lösungen bis hin zu Arztnetzen – für die Gesundheitsversorgung der Menschen auf dem Land gibt es inzwischen eine Vielzahl von Lösungsansätzen. Rund 30 Projekte und Initiativen hat die AOK in dieser Woche in Berlin vorgestellt.

Sie sind Beispiele dafür, wie Versorgung gut gelingen kann, wenn sich die Akteure abstimmen und ihre Vorhaben auf den Bedarf und die Menschen in der jeweiligen Region abstellen.

„Es gibt natürlich noch viele andere Projekte mehr in Deutschland. Wir haben uns diese herausgegriffen, weil wir dort als AOK federführend oder maßgeblich beteiligt sind und weil wir sie für beispielhaft und zukunftsweisend halten“, sagte die Vorstandsvorsitzende der AOK Bayern, Irmgard Stippler.

Der Schlüssel liegt in den Regionen

Viele dieser alternativen Versorgungsprojekte tragen nach ihren Worten wesentlich dazu bei, dass notwendige Angebote der Gesundheitsversorgung vor Ort erhalten bleiben, obwohl es starke Abwanderungstendenzen gibt, teilweise Ärztemangel besteht oder zu erwarten ist und sich der Versorgungsbedarf alterungs- und morbiditätsbedingt wandelt.

Blaupausen sind die Projekte gleichwohl nicht, so Stippler weiter. „In der Eifel sind andere Lösungen gefragt als im bayerischen Wald. Das hat etwas mit Mentalität zu tun und auch mit unterschiedlichen Strukturen. Der Schlüssel liegt bei den Beteiligten vor Ort.“

Stippler nannte als Beispiel das Projekt „IGiB-StimMT“ von AOK Nordost, BARMER, KV Brandenburg und weiteren Partnern wie etwa der SANA Berlin Brandenburg. Hier soll die Grundversorgung vor Ort so gestaltet werden, dass sie den komplexen Versorgungsbedürfnissen vor allem der älteren und multimorbiden Patienten gerecht wird.

Die ambulanten Angebote sollen ausgebaut und die stationären Kapazitäten entsprechend angepasst werden. Wichtig ist, dass die Versorgungsabläufe sektorenübergreifend gestaltet sind. Die Expertise weiter entfernter Leistungserbringer wird mit telemedizinischen Anwendungen abgerufen.

Bewährt haben sich auch qualifizierte Versorgungsassistentinnen. In Abstimmung mit dem Hausarzt übernehmen sie die Betreuung und Versorgung insbesondere von chronisch kranken Patienten. Beispiele sind die Projekte „PraCman“, „agneszwei“ der AOK Nordost oder der Einsatz von zertifizierten Wundexpertinnen bei der AOK Sachsen-Anhalt.

Auf dem Gebiet der digitalen Lösungen unterstützt die AOK neben dem Aufbau des bundesweiten Digitalen Gesundheitsnetzwerkes auf regionaler Ebene vielfältige Initiativen. Beispiele sind die Projekte „Telederm“ der AOK Baden-Württemberg, „Curaplan Herz Plus“ der AOK Nordost, „Telekardio Kaiserslautern“ der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland oder der „Teledoc“ der AOK PLUS. So bekommen Patienten einen schnellen Zugang zu einer qualitativ einwandfreien Versorgung mit Expertenwissen.

Ein vierter Lösungsansatz sind Arztnetze. Beispiele sind in Bremen „KIM“, in Niedersachsen die Integrierte Versorgung Schizophrenie, Depression und Burnout sowie Kinderonkologie, im Nordosten „Mein AOK-Gesundheitsnetzwerk“ und im Rheinland das Arztnetz Leverkusen.

All diese Projekte haben laut Stippler das Potenzial, die in der ländlichen Gesundheitsversorgung entstehenden Lücken zu schließen. „Es kommt jetzt darauf an, sie in der Praxis weiter zu erproben, weiter zu entwickeln und schließlich überall dort auszubauen, wo es einen Versorgungsbedarf gibt, der durch die bestehenden Versorgungsstrukturen absehbar nicht mehr befriedigt werden kann.“

Vier der über 30 Projekte stellen wir im Folgenden detaillierter vor:

Bayern: Arztnetz/Gesundheitsnetz UGHO (Unternehmung Gesundheit Hochfranken)

Facharzttermine innerhalb von 48 Stunden, Hausbesuche von speziell ausgebildeten Praxisassistentinnen oder eine telemedizinische Versorgung von Versicherten mit Diabetes – das sind nur einige der Vorteile, die das Gesundheitsnetz UGHO Patienten im Einzugsbereich der Unternehmung Gesundheit Hochfranken (UGHO) bietet. Jungen Ärzten erleichtert die Einbindung in das Netzwerk die Niederlassung, wozu auch die kollegiale Unterstützung gehört. Das Projekt wird von der UGHO GmbH & Co. KG getragen, einem regionalen Gesundheitsnetz, zu dem sich Haus- und Fachärzte aus der Stadt und dem Landkreis Hof sowie dem nördlichen Teil des Landkreises Wunsiedel zusammengeschlossen haben. Die AOK Bayern unterstützt das Netz unter anderem mit der Entwicklung neuer Versorgungsprogramme, bei der Öffentlichkeitsarbeit sowie beim Messen und Verbessern der Versorgungsqualität durch QuATRo, Qualität in Arztnetzen – Transparenz mit Routinedaten. Mehr als 15.300 Versicherte der AOK, 33 Hausärzte und 32 Fachärzte beteiligen sich derzeit an dem seit 2006 bestehenden Projekt.

https://tinyurl.com/y6guejyb

Baden-Württemberg: VERAHmobil – Zuschlag von 300 Euro

Einen Zuschlag in Höhe von 300 Euro pro Quartal erhalten Ärzte in Baden-Württemberg, die ein spezielles Fahrzeug, das VERAHmobil, für die Versorgung ihrer Patienten einsetzen. Voraussetzungen sind die aktive Teilnahme am Vertrag zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) sowie die Beschäftigung mindestens einer Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, kurz VERAH. Rund 5000 Hausärzte und Hausärztinnen sowie rund 2200 VERAHs nehmen derzeit an dem seit Mitte 2013 laufenden Projekt teil. Träger des Projekts sind die AOK Baden-Württemberg sowie der Hausärzteverband Baden-Württemberg und MEDI Baden-Württemberg. Bis Ende 2018 waren bereits 520 VERAHmobile im Einsatz und machten eine Grundversorgung älterer Patienten vor allem auf dem Land in deren eigenen vier Wänden möglich.

https://tinyurl.com/y6bcdmv2

Nordwest: Elektronische Arztvisite in Pflegeheimen in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein (elVi)

Vorwiegend um die Kontrolle der Arzneimittelverordnungen bei Pflegeheimbewohnern geht es bei einem Projekt, bei dem die AOK Nordwest mit den KVen Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein und weiteren Partnern zusammenarbeitet. Die Versorgung vor Ort wird dabei durch das jeweilige Praxisnetz organisiert und telemedizinisch unterstützt. Neben den KVen und der AOK tragen das Zentrum für Telematik und Telemedizin (ZTG), die Firma LaWell sowie Praxisnetze das Projekt, von dem in der Region Westfalen-Lippe derzeit rund 2400 Versicherte profitieren. In Schleswig-Holstein wird die Beteiligung von rund 1000 Versicherten an elVi angestrebt.

https://tinyurl.com/y2koyk2s

Sachsen: Lokales Gesundheitszentrum Niesky

Das örtliche Krankenhaus als zentrale Anlaufstelle für Patienten nicht nur bei einer Erkrankung, sondern auch bei Fragen rund um die Pflege von Familienmitgliedern ist erklärtes Ziel der Gesundheitsversorgung in der Diakonissenanstalt Dresden (Krankenhaus Emmaus Niesky). Das MVZ am Krankenhaus sichert die hausärztliche Versorgung, in einer kassenärztlichen Bereitschaftsdienstpraxis werden leichtere akute Fälle behandelt und so die Notaufnahme des Krankenhauses entlastet. Neben den Patienten profitieren auch Ärzte von dem Projekt, das die Diakonissenanstalt zusammen mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten, mit dem sächsischen Sozialministerium der KV Sachsen, der Landesärztekammer und der AOK PLUS voranbringt. Hier wird dem Wunsch vieler Ärzte nach einer Anstellung ebenso Rechnung getragen wie dem Interesse an Teilzeitarbeit. Die AOK unterstützt unter anderem die Vernetzung und Koordination von Partnern.

https://tinyurl.com/yxnbgl4m

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