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Deutscher Pflegetag

Pflege: Die Bedarfe der Betroffenen als Richtschnur

Bei der Pflegeversorgung braucht es ein Umdenken, mahnten Experten auf dem Deutschen Pflegetag. Sie forderten unter anderem die Rahmenbedingungen stärker an den Bedarfen der Pflegebedürftigen auszurichten und den Akteuren mehr regionalen Handlungsspielraum zu lassen.

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Wie kann Pflege besser werden – für Pflegende und Pflegebedürftige? Ein Knackpunkt: Der rechtliche Rahmen werde bislang ausschließlich aus der Sicht der Leistungserbringer gedacht. Nötig sei es jedoch, das Versorgungssystem entlang der Bedarfe von Pflegebedürftigen aufzubauen, mein AOK-Chef Martin Litsch.

Wie kann Pflege besser werden – für Pflegende und Pflegebedürftige? Ein Knackpunkt: Der rechtliche Rahmen werde bislang ausschließlich aus der Sicht der Leistungserbringer gedacht. Nötig sei es jedoch, das Versorgungssystem entlang der Bedarfe von Pflegebedürftigen aufzubauen, mein AOK-Chef Martin Litsch.

© SilviaJansen / Getty Images / iStock

Berlin. Wie kann die Pflegeversorgung effizienter werden? Gleich zu Beginn einer Diskussion zu dieser Frage auf dem Deutschen Pflegetag am Mittwoch wurde deutlich, dass der Grad an Kooperation in der Pflegeversorgung unterschiedlich wahrgenommen wird: Sandra Postel, Vorsitzende des Errichtungsausschusses der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen, bemängelte, dass die Kompetenz der Pflegefachpersonen regional sehr unterschiedlich abgerufen werde.

Staatssekretär Michael Randt vom Brandenburger Gesundheitsministerium bedauerte, dass gute politische Ansätze – etwa aus der Bund-Länder-Arbeitsgruppe – in der Praxis oft nicht ankommen. Und Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, kritisierte, dass in der Versorgung sehr personalintensiv gearbeitet werde und zugleich der Druck zum Sparen hoch sei.

Modellprojekte zeigen, was geht

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westfellhaus, sah, dass die Beteiligten oftmals nicht bereit seien, nötige Veränderungen wirklich anzugehen und neue Strategien auch umzusetzen. Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender beim AOK-Bundesverband, forderte einen Perspektivwechsel innerhalb der Gesundheitsversorgung: „Der rechtliche Rahmen wird bislang ausschließlich aus der Sicht der Leistungserbringer gedacht. Nötig ist es jedoch, das Versorgungssystem entlang der Bedarfe von Pflegebedürftigen aufzubauen.“

Die AOK hat dazu bereits Modellprojekte auf den Weg gebracht und Erfahrungen gesammelt. So arbeiten unter dem Dach der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland beispielsweise medizinisch-pflegerische Experten mit Hausärztinnen und Hausärzten eng zusammen. Das Projekt „Hand in Hand“ zielt darauf ab, die niedergelassenen Ärzte zu entlasten und die medizinische Basisversorgung in der Region Bad Neuenahr-Ahrweiler langfristig zu sichern.

Aus den Erfahrungen mit den Modellprojekten lassen sich verschiedene „Gelingensfaktoren“ für die Praxis ableiten. „Die Beteiligten müssen gemeinsam den Versorgungsauftrag klären sowie ihre Rollen, die jeweiligen fachlichen Verantwortungen sowie interprofessionelle Standards definieren. Daran sind in der Folge die jeweiligen Organisationen strukturell anzupassen und schließlich auch interprofessionelle Lernräume zu schaffen“, sagte Litsch.

Eigene Selbstverwaltung nötig?

Dass innovative Ansätze in der Pflegepolitik allzu oft in Modellprojekten stecken bleiben und nicht in der Regelversorgung aufgenommen werden, hat aus Sicht der Experten vielfältige Gründe. Staatssekretär Ranft verwies auf die Corona-Pandemie, die die Versorgung in den letzten beiden Jahren extrem herausgefordert habe. Er mahnte zugleich, die Projekte künftig systematisch auszuwerten und sie nicht als „Alibi“-Aktionen liegen zu lassen. „Die nächste Reform muss länger reichen, denn der Druck auf die Versorgung wird durch den Mangel an Pflegepersonal weiter zunehmen.“

Pflegeexpertin Postel sieht insbesondere strukturelle Lücken im politischen Rahmen: „Die Pflege verfügt nicht über eine flächendeckende Selbstverwaltung und kann bislang nicht selbstbestimmt ihre eigene Arbeit definieren“. Zudem müssten pflegende Angehörige „mitgedacht“ werden. AOK-Chef Litsch: „Es wäre verdammt cool, wenn es gelingt, diese familiäre Fürsorge für die Zukunft zu erhalten. Wir brauchen auch spezifische Angebote, um die Angehörigen zu stärken und zu entlasten.“ (wer)

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