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Gesundheitliche Folgen des Klimawandels

Studie: Mehr Hitzekranke, mehr Infektionen

Der Klimawandel macht nicht nur älteren Menschen zunehmend gesundheitlich zu schaffen. Auch für Jüngere birgt er eine Reihe von Gesundheitsrisiken, wie eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt. Es ist daher höchste Zeit für mehr Klimaschutz, mahnt Meteorologin und Epidemiologin Alexandra Schneider.

Von Taina Ebert-Rall Veröffentlicht:
Hitzestress und hohe bodennahe Ozonkonzentrationen während der Hitzewellen machen auch jungen Menschen zu schaffen.

Hitzestress und hohe bodennahe Ozonkonzentrationen während der Hitzewellen machen auch jungen Menschen zu schaffen.

© Jürgen Fälchle / stock.adobe.com

Berlin. Der Klimawandel bedroht die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen in zunehmendem Maße. Schon jetzt zeigt sich nach Angaben der Meteorologin und Epidemiologin Alexandra Schneider eine „Vielzahl von Einflüssen auf die kardiovaskuläre, respiratorische, aber auch mentale Gesundheit“.

Die unterschiedlichen gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels hängen nicht nur mit einer höheren Durchschnittstemperatur zusammen, an die sich der menschliche Körper langfristig eventuell anpassen könnte. „Viel erheblicher sind die ebenfalls durch den Klimawandel hervorgerufenen häufigeren und stärkeren kurzfristigen Temperaturschwankungen“, sagte Schneider bei der Vorstellung des jüngsten Versorgungs-Reports des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Besonders die extremen Wetterereignisse wie Hitzewellen können direkte gesundheitliche Auswirkungen haben, erläuterte die Mitherausgeberin des Reports und Forschungsgruppenleiterin am Helmholtz Zentrum München.

Nicht nur Ältere im Hitzestress

Nach ihren Erkenntnissen wird die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen in Zentraleuropa voraussichtlich zunehmen. Unter einem „Business as usual“-Szenario werden bis zum Ende des Jahrhunderts verglichen mit dem Zeitraum 1971 bis 2000 jährlich fünf zusätzliche Hitzewellen zwischen Mai und September in Norddeutschland und bis zu 30 zusätzliche Hitzewellen in Süddeutschland vorhergesagt.

Hitzestress und hohe bodennahe Ozonkonzentrationen während der Hitzewellen können laut Schneider schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, insbesondere bei Älteren und Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Zum Beispiel Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder COPD (wir berichteten kurz). Luftverschmutzung und Klimawandel sind dabei eng miteinander verknüpft. Schneider: „Bei vielen regulatorischen Abläufen im Körper gibt es Parallelen zwischen den Einflüssen der beiden Umweltfaktoren. Somit ist vorstellbar, dass es hier zu Interaktionen und Synergien der gesundheitlichen Wirkung von Lufttemperatur und Luftschadstoffen kommt.“

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Infolge steigender Temperaturen könnten sich zudem Überträger von Infektionskrankheiten, also Mücken und Zecken, weiter verbreiten. Das betreffe Infektionskrankheiten, die in einigen Teilen Deutschlands bereits vorkommen, wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. Zugleich treffe das auch in Deutschland bislang noch nicht vor Ort übertragene Infektionskrankheiten wie das Dengue-Fieber, Zika oder das West-Nil-Virus. Zudem veränderten steigende Temperaturen die Biologie allergener Pollen, so dass sich bei Pflanzen die saisonale Dauer des Pollenfluges verlängere und die Pollenmenge ansteige, was Asthma und allergische Reaktionen verstärke.

Erhebliche Vorteile von Klimaschutz

Schneider: „Gleichzeitig gehen Klimaschutzmaßnahmen mit erheblichen gesundheitlichen Vorteilen einher. Durch saubere Luft und durch vermehrte Bewegung kann die Häufigkeit nicht-übertragbarer Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und chronischer Atemwegserkrankungen deutlich verringert werden.“ Insofern sei es dringend notwendig, wirkungsvolle Anpassungsstrategien weiter zu erforschen und die potenziellen gesundheitlichen Vorteile, sogenannte Co-Benefits, die mit Klimaschutzmaßnahmen einhergehen, besser zu untersuchen.

Sektorübergreifend planen

„Durch ihre besondere Verantwortung für den Gesundheitsschutz ergibt sich daher ein Handlungsbedarf für Ärztinnen und Ärzte in Bezug auf die aktive Mitwirkung und Vermittlung von nachhaltigen Maßnahmen“, so die Wissenschaftlerin. „Die zahlreichen direkten und indirekten gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels verlangen zudem nach der Entwicklung eines umfassenden und sektorenübergreifenden Konzepts. Darin sollten Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung auf breiter gesellschaftlicher Ebene als auch auf der Verhaltensebene jedes Einzelnen integriert werden.“

Mehr Infos zum Versorgungs-Report „Klima und Gesundheit“ des WIdO unter: www.wido.de/news-events/aktuelles/2021/versorgungs-report-klima-und-gesundheit/

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