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Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin

„Wir brauchen den Infektiologen“

Eine Lehre aus der Corona-Pandemie sollte sein, in Deutschland nach dem Vorbild anderer Länder den weitergebildeten Facharzt für Infektiologie einzuführen, fordert die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 03.09.2020, 18:25 Uhr
Im Stand-by-Modus: Das Corona-Behandlungszentrum für bis zu 500 Patienten auf dem Berliner Messegelände, das im Notfall Kliniken entlasten soll. Die Baukosten beliefen sich auf 31 Millionen Euro.

Im Stand-by-Modus: Das Corona-Behandlungszentrum für bis zu 500 Patienten auf dem Berliner Messegelände, das im Notfall Kliniken entlasten soll. Die Baukosten beliefen sich auf 31 Millionen Euro.

© Kay Nietfeld / dpa / picture alliance

Der Ausbruch von COVID-19 hat nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) gezeigt, wie neue Virusinfektionen rasch eine weltweite Bedrohung werden können.

Während Virologie und Mikrobiologie als wissenschaftliche Disziplinen in Deutschland international konkurrenzfähig seien, bleibe die Aus- und Weiterbildung in der klinischen Infektiologie unzureichend, kritisiert Professor Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Im Unterschied zu den meisten westlichen Staaten sei in Deutschland keine Weiterbildung auf Facharztniveau etabliert – „ein Manko, das sich nicht nur in der Behandlung von Patienten mit Infektionskrankheiten, sondern auch in der Ausbildung von Ärzten und in der medizinischen Wissenschaft negativ auswirkt“.

Defizite sieht er vor allem bei der Behandlung sehr komplizierter Infektionen, beispielsweise opportunistische Infektionen bei Patienten nach Organtransplantationen, in Antibiotic-Stewardship-Programmen und bei Infektionen, deren Behandlung die Kompetenzen vieler Spezialisten erfordert.

Derzeit sei die klinische Infektiologie vornehmlich an Zentren auf Facharztniveau etabliert und dabei auch in Forschung und Lehre involviert. Notwendig sei aber eine auf internationalem Standard mehr in die Breite gehende Weiterbildung, etwa für eine Tätigkeit als infektiologischer Facharzt an Krankenhäusern der Maximalversorgung, fordert Salzberger. Sie sollte daher als internistischer Schwerpunkt in der Weiterbildungsordnung verankert werden. Darin besteht Einigkeit mit anderen Fachgesellschaften wie etwa der DGIM.

Wir haben eine Scheu bei Patienten festgestellt, überhaupt ein Krankenhaus aufzusuchen.

Professor Georg Ertl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin

Eine erste Bilanz im Umgang mit der Pandemie zeige, so DGIM-Generalsekretär Professor Georg Ertl, dass in den meisten Kliniken die erwartete Auslastung der intensivmedizinischen Kapazitäten nicht erreicht worden sind. So sei in seiner Uniklinik in Würzburg der mögliche Bedarf auf 40 bis 200 Betten geschätzt worden, tatsächlich seien lediglich 37 Betten genutzt worden.

„Die niedrigen Zahlen sind auch Folge der massiven Einschränkungen des Normalbetriebs. Aufschiebbare Eingriffe wurden zunächst völlig eingestellt“, so Ertl.

Für künftige Infektionswellen müsse man idealerweise Lösungen finden, die es ermöglichen, die umfassende Versorgung der Bevölkerung weitgehend unberührt zu lassen. Denn obwohl lediglich aufschiebbare Behandlungen und Eingriffe vorübergehend eingestellt werden sollten, sei eine Scheu bei Patienten zu beobachten, überhaupt ein Krankenhaus aufzusuchen. Das müsse künftig vermieden werden.

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