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Narkoseüberwachung

EEG-Monitoring senkt Delir-Risiko

Orientierungslosigkeit, Angst und Halluzinationen kommen gelegentlich nach einer größeren Operation vor. Jetzt gibt es neue Möglichkeiten der Prävention, berichten Anästhesiologen.

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BERLIN. Das sogenannte postoperative Delir trifft besonders ältere Menschen. Neue Möglichkeiten der Delir-Prävention haben jetzt Forscher um Professor Claudia Spies aus Berlin präsentiert.

In einer großen randomisierten kontrollierten Studie mit 1155 über 60-jährigen Patienten konnte gezeigt werden, dass sich mit Hilfe einer Elektroenzephalografie (EEG) bei der Narkose-Überwachung die Delir-Häufigkeit signifikant um knapp 23 Prozent senken lässt.

Da nur wenige therapeutische Maßnahmen für das postoperative Delir verfügbar sind, ist eine derartige Prävention die beste Option, betont die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und lntensivmedizin (DGAI) in einer Mitteilung zu ihrem Hauptstadtkongress.

Verwirrtheitszustände nach Operationen treten bei bis zu 70 Prozent der Patienten auf, und zwar abhängig von Krankheitszustand, Alter und Art des Eingriffes (Curr Opin Anaesthesiol 2011; 24: 670).

Die Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko, längerfristig kognitive Einschränkungen davon zu tragen. Häufig ist damit ein erhöhter Pflegebedarf verbunden. Die Sterberate ist ebenfalls erhöht.

Deutlich seltener Delir mit EEG-Monitoring

In einer randomisierten kontrollierten Studie haben Spies und ihre Kollegen gezeigt, dass die postoperative Delir-Häufigkeit durch ein EEG-gestütztes Neuromonitoring der Narkosetiefe signifikant gesenkt werden kann (Br J Anaesth 2013; 110 Suppl 1: i98).

Dabei wird die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen, indem Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche aufgezeichnet werden. Insgesamt 1155 Patienten im Alter über 60 Jahre waren wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Bei der Interventionsgruppe (n=575) haben die Anästhesisten während der Operation die Narkosetiefe mittels EEG überwacht. Bei der Kontrollgruppe (n=580) wurde das Monitoring verblendet.

"Das EEG zeigt die Auswirkung der Narkose auf das Gehirn. Dies gibt uns die Möglichkeit, die Anästhesie präziser zu führen, Zustandsänderungen des Patienten während der Narkose zu erfassen und darauf zu reagieren", so die Direktorin der Klinik für Anästhesiologie an der Charité in Berlin in der DGAI-Mitteilung.

In der Gruppe mit EEG-Monitoring wurden bei 16,7 Prozent der Patienten nach dem Eingriff Verwirrtheitszustände festgestellt. Der Anteil der Kontrollgruppe betrug dagegen 21,4 Prozent.

"Aus der Studie geht hervor, dass die Wahrscheinlichkeit für ein postoperatives Delir mit einem entsprechenden Monitoring um 22,9 Prozent niedriger ausfiel", so Spies.

Bedeutender Stellenwert der Prävention

Angesichts der Tatsache, dass das postoperative Delir mit einem erhöhten Risiko für kognitive Störungen und Sterblichkeit einhergeht und die Therapieoptionen nicht zufriedenstellend sind, steht die Krankheitsprävention im Vordergrund.

Die Forschungsarbeit liefere daher wertvolle Hinweise, wie die Anwendung anästhesiologischer Überwachungsmethoden die Krankheitsentstehung beeinflussen kann, betont die DGAI: Für Patienten könne dies ein Plus an Lebensqualität, wenn nicht sogar eine höhere Überlebenschance bedeuten. (eb)

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