"Ein Fehlglaube, der iatrogen und sozial verstärkt wird"

DAVOS (hsr). Patienten mit multiplem Chemikalien-Sensitivitäts-Syndrom (MCS) fallen vor allem durch psychiatrische Diagnosen wie somatoforme, Persönlichkeits- und affektive Störungen auf. In einer Studie konnte kein Zusammenhang zwischen der Exposition mit Chemikalien und den Beschwerden gefunden werden.

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Den Glauben, daß es ein MCS (Öko-Syndrom) gibt, hält Professor Thomas Zilker von der TU München "für einen Fehlglauben, der iatrogen und sozial verstärkt wird". Dieses Resümee zieht der Toxikologe aus Ergebnissen einer Untersuchung der Umweltambulanz seiner Abteilung.

308 Patienten mit umweltassoziierten Erkrankungen und unspezifischen Symptomen sind bezüglich ihrer Belastung auf Umweltschadstoffe mit 59 Arbeitern aus der Halbleiter-Industrie verglichen worden. Beide Gruppen wurden psychiatrisch anhand von Fragebögen erfaßt, toxikologisch analysiert und auf Schwermetalle und Lösungsmittel geprüft.

Wie Zilker beim Kongreß "Fortschritte der Allergologie, Immunologie und Dermatologie" in Davos berichtete, wurde bei drei Viertel der Patienten, aber nur bei knapp einem Viertel der Arbeiter eine psychiatrische Störung diagnostiziert. Bei den Kranken waren somatoforme oder psychosomatische Störungen mit 47 zu 8,5 Prozent ebenso signifikant häufiger als bei den Arbeitern wie Störungen der Persönlichkeit. Dazu zählen Zwangs- und Borderline-Störungen, mit 21 zu 10 Prozent, affektive Störungen wie Depression oder Manie mit 19 zu 3,5 sowie Angststörungen mit 18 zu null Prozent.

Die retrospektive Analyse über zehn Jahre bei 115 dieser Umweltkranken bestätigt nach Angaben des Toxikologen, "daß es für das MCS neuer, nicht toxikologischer Hypothesen bedarf, die dieses moderne Leiden erklären können": Denn allein durch Psychotherapie besserten sich die Beschwerden bei 45 Prozent von ihnen dauerhaft.

Veränderungen der Lebensumstände wie neuer Beruf oder Scheidung brachten hingegen nur 39, Umzug oder Wohnungsrenovierung nur 31 und Entfernung aller Amalgam-Zahnfüllungen nur zwölf Prozent der Patienten langfristige Linderung.

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