Direkt zum Inhaltsbereich

Impfung mit körpereigenen Keimen bei chronischen Infekten

ITZEHOE (nie). Bei Patienten mit häufig auftretenden Infektionen wie Harnwegsinfekten und Furunkulosen ist offenbar eine individuelle Impfung einen Versuch wert. Dabei werden Erreger von den Patienten isoliert und zur Herstellung von Impfstoffen verwendet.

Veröffentlicht:

Für manche Patienten mit chronischen Infektionen scheint es keine wirksame Therapie zu geben: Hartnäckige Erreger lassen die Entzündungen immer wieder aufflammen. Antibiotika helfen oft nur vorübergehend, heilen aber nicht. Solchen Patienten könnte eine individuelle therapeutische Impfung helfen.

Bei dem Verfahren werden die Erreger aus einer Probe vom Infektionsort eines Patienten gewonnen, zum Beispiel aus Harn, Sputum oder Ejakulat. Dann werden die Keime im Labor gezüchtet, schonend abgetötet, in verschiedenen Konzentrationen in Ampullen abgefüllt und den Patienten verabreicht. Für eine Therapie sind etwa acht subkutane Injektionen in steigender Dosierung nötig.

"Bei etwa 80 Prozent der Patienten ist die Therapie erfolgreich", so Dr. Ralf Thrull vom Unternehmen UniVaccin® in Itzehoe zur "Ärzte Zeitung". Das Unternehmen hat sich auf autologe Impfungen spezialisiert und inzwischen mehr als 1000 individuelle Impfstoffe ausgegeben - die meisten gegen E.coli bei Patienten mit Harnwegsinfekten und gegen Staphylococcus aureus bei Furunkulose. Thrull muß für seine Methode jedoch noch viel Überzeugungsarbeit bei Wissenschaftlern und Ärzten leisten.

Denn in Deutschland gibt es bisher keine klinischen Studien, die die Wirksamkeit der individuellen Impfstoffe belegen. Immerhin - Erfolg mit der individuellen Impfung meldet die Hautklinik der Universität Freiburg: "Wir haben festgestellt, daß die Impfungen Patienten geholfen haben, die chronische Hauterkrankungen hatten", sagte Professor Matthias Augustin von der Klinik zur "Ärzte Zeitung".

Mit den Autovakzinen hätten vor allem Patienten mit Furunkulose und anderen entzündlichen Hautkrankheiten gut therapiert werden können, so Augustin. Die Methode habe sich allerdings nicht bei jedem Patienten bewährt.

Die Therapie müssen die Patienten aus eigener Tasche bezahlen: Acht Impfstoffampullen kosten etwa 250 Euro. Die verschreibungs- und apothekenpflichtige Impfung kann nicht über die gesetzliche Krankenkasse abgerechnet werden.

Weitere Infos zu den Impfstoffen gibt es unter www.univaccin.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Mythos mit Nebenwirkungen

Verdacht auf Histaminintoleranz: Wie Sie jetzt vorgehen

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

© Vladimir Vladimirov | iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Round-Table-Gespräch

Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

© Aitor Diago | Getty Images

Wer, wann, womit?

Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

© FatCamera | Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

Impfstatus Klinikpersonal

Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Damit die Behandlung anschlägt

Intensivierung bei therapieresistenter Hypertonie: Wie vorgehen?

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom

Mythos mit Nebenwirkungen

Verdacht auf Histaminintoleranz: Wie Sie jetzt vorgehen

Lesetipps