Allgemeinmedizin

Impfung mit körpereigenen Keimen bei chronischen Infekten

ITZEHOE (nie). Bei Patienten mit häufig auftretenden Infektionen wie Harnwegsinfekten und Furunkulosen ist offenbar eine individuelle Impfung einen Versuch wert. Dabei werden Erreger von den Patienten isoliert und zur Herstellung von Impfstoffen verwendet.

Veröffentlicht: 15.02.2006, 08:00 Uhr

Für manche Patienten mit chronischen Infektionen scheint es keine wirksame Therapie zu geben: Hartnäckige Erreger lassen die Entzündungen immer wieder aufflammen. Antibiotika helfen oft nur vorübergehend, heilen aber nicht. Solchen Patienten könnte eine individuelle therapeutische Impfung helfen.

Bei dem Verfahren werden die Erreger aus einer Probe vom Infektionsort eines Patienten gewonnen, zum Beispiel aus Harn, Sputum oder Ejakulat. Dann werden die Keime im Labor gezüchtet, schonend abgetötet, in verschiedenen Konzentrationen in Ampullen abgefüllt und den Patienten verabreicht. Für eine Therapie sind etwa acht subkutane Injektionen in steigender Dosierung nötig.

"Bei etwa 80 Prozent der Patienten ist die Therapie erfolgreich", so Dr. Ralf Thrull vom Unternehmen UniVaccin® in Itzehoe zur "Ärzte Zeitung". Das Unternehmen hat sich auf autologe Impfungen spezialisiert und inzwischen mehr als 1000 individuelle Impfstoffe ausgegeben - die meisten gegen E.coli bei Patienten mit Harnwegsinfekten und gegen Staphylococcus aureus bei Furunkulose. Thrull muß für seine Methode jedoch noch viel Überzeugungsarbeit bei Wissenschaftlern und Ärzten leisten.

Denn in Deutschland gibt es bisher keine klinischen Studien, die die Wirksamkeit der individuellen Impfstoffe belegen. Immerhin - Erfolg mit der individuellen Impfung meldet die Hautklinik der Universität Freiburg: "Wir haben festgestellt, daß die Impfungen Patienten geholfen haben, die chronische Hauterkrankungen hatten", sagte Professor Matthias Augustin von der Klinik zur "Ärzte Zeitung".

Mit den Autovakzinen hätten vor allem Patienten mit Furunkulose und anderen entzündlichen Hautkrankheiten gut therapiert werden können, so Augustin. Die Methode habe sich allerdings nicht bei jedem Patienten bewährt.

Die Therapie müssen die Patienten aus eigener Tasche bezahlen: Acht Impfstoffampullen kosten etwa 250 Euro. Die verschreibungs- und apothekenpflichtige Impfung kann nicht über die gesetzliche Krankenkasse abgerechnet werden.

Weitere Infos zu den Impfstoffen gibt es unter www.univaccin.de

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