Direkt zum Inhaltsbereich

Steigende Zahlen

Zwei neue FSME-Risikogebiete in Deutschland

Zecken machen keine Winterpause mehr. Die Folge: Seit 2016 gibt es nur noch Jahre mit hohen FSME-Fallzahlen. Das Problem betrifft nicht nur den Süden Deutschlands.

Veröffentlicht: | aktualisiert:
EIne Zecke wird mit einer Pinzette festgehalten.

Hat diese Zecke FSME-Viren im Gepäck? Zecken sind mittlerweile ganzjährig aktiv und verbreiten das FSME-Virus in ganz Deutschland.

© Marijan Murat / dpa

Das Risiko, durch einen Zeckenbiss ernsthaft zu erkranken, steigt in Deutschland nach Überzeugung von Forscherinnen und Forschern. Im Jahr 2025 wurde mit 693 FSME-Erkrankungen (Frühsommer-Meningoenzephalitis) die dritthöchste Erkrankungszahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001 gemeldet, teilte das Robert Koch-Institut am 26. Februar mit (Epidemiologisches Bulletin 09/2026).

Es sei mit weiter steigenden Zahlen zu rechnen, warnte die Parasitologin Ute Mackenstedt im Februar anlässlich des 8. Süddeutschen Zeckenkongresses in Stuttgart.

FSME-Risiko hat sich erhöht

Zecken sind inzwischen ganzjährig aktiv, sie erobern selbst kühle Berglagen und verbreiten das FSME-Virus in ganz Deutschland. Mit der gestiegenen Verbreitung und Aktivität der Zecken nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die an der von Zecken übertragenen Meningitis (FSME) erkranken (siehe nachfolgende Grafik). Bislang wurde der höchste Wert mit 704 FSME-Erkrankungen im Jahr 2020 gemessen.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Zwei neue FSME-Risikogebiete

Nach Angaben von Mackenstedt stehen Baden-Württemberg und Bayern mit etwa 85 Prozent der Krankheitsmeldungen weiter an der Spitze der FSME-Risikogebiete. Ein Vergleich: Allein 258 der 693 der FSME-Fälle des vergangenen Jahres wurden nach Angaben des Landesgesundheitsamtes in Stuttgart in Baden-Württemberg registriert. Ein ansteigender Trend auf niedrigem Niveau sei in allen Bundesländern zu beobachten, hieß es.

Das Robert Koch-Institut teilte dazu mit, dass in Deutschland ein Risiko für eine FSME-Infektion vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen, im südöstlichen Brandenburg und östlichen Sachsen-Anhalt besteht. Einzelne Risikogebiete befinden sich zudem in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen.

Und es gibt auch zwei neue Risikogebiete: In Sachsen kommen der Landkreis Nordsachsen und in Sachsen-Anhalt der Stadtkreis Halle (Saale) als Risikogebiete hinzu. Somit sind aktuell 185 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen (siehe nachfolgende Grafik).

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Es wurden auch in Bundesländern ohne FSME-Risikogebiete vereinzelt FSME-Erkrankungen beobachtet, sodass besonders während der Zeckensaison bei entsprechender Symptomatik überall in Deutschland differenzialdiagnostisch an FSME gedacht werden sollte, empfiehlt das RKI.

Lesen sie auch

Ebenfalls auffällig: Es gibt kaum noch Zyklen, in denen auf ein Jahr mit besonders vielen Erkrankungsfällen ein bis zwei Jahre mit geringeren Fallzahlen folgten, erklärte die Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Universität Hohenheim in Stuttgart. „Seit 2016 gibt es nur noch Jahre mit hohen Fallzahlen von 400 bis 500 Krankheitsmeldungen.“

Warme Winter und weniger Frost

Ursache für die steigenden Zahlen dürfte aus Sicht der Forscher vor allem der Klimawandel sein. Zecken gingen nicht mehr in die Winterpause, weil die Temperaturen einfach zu hoch seien, sagte Mackenstedt. Hinzu komme, dass viel mehr Zecken die im Mittel seltener werdenden Frosttage überlebten. Die Folge: Bereits im Frühjahr gebe es einen ersten Schwung an FSME-Meldungen.

Den besten Schutz gegen FSME bieten bekanntlich Schutzimpfungen. Die STIKO empfiehlt eine FSME-Impfung für Personen, die in FSME-Risikogebieten zeckenexponiert sind. Auch in Risikogebieten sind die Impfquoten weiterhin gering, insbesondere bei Personen im Alter über 60 Jahren, bei denen das Risiko einer schweren Erkrankung deutlich erhöht ist. Die Mehrzahl (98%) der 2025 übermittelten FSME-Erkrankten war gar nicht oder unzureichend geimpft.

Ein hoher Anteil der auftretenden FSME-Erkrankungen könnte wahrscheinlich durch eine Steigerung der Impfquoten insbesondere in Risikogebieten mit hoher FSMEInzidenz verhindert werden.(dpa/schu)

Lesen sie auch
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion von Gilead Sciences beim DÖAK 2025 von links: Dr. Nazifa Qurishi, Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie, Gemeinschaftspraxis Gotenring Köln; Kelly Cavalcanti, HIV-Aktivistin und Referentin für Gesundheit und Empowerment, Köln, und Martin Flörkemeier, Senior Director Public Affairs, Gilead Sciences, München

© Gilead

Unternehmen im Fokus

HIV-Versorgung: Vertrauen in unruhigen Zeiten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried

Multiresistente gramnegative Erreger

Die Resistenzlage bei Antibiotika ist kritisch

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Shionogi GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Pflichten, Abrechnung und Angehörigenwünsche

Worauf es bei der ärztlichen Leichenschau ankommt

Lesetipps
Die Hepatitis-B-Impfung hat in einem Impfausweis ein Kreuz.

© Daniel Naupold/dpa

Besonderes Augenmerk auf HBV

HIV und Impfungen: Was beachten, was testen?

Eine Frau fasst sich mit den Händen an den Kopf.

© Graphicroyalty / stock.adobe.com

Mentale Gesundheit gestärkt

Mit einem Fünf-Tages-Programm gegen chronischen Kopfschmerz