Direkt zum Inhaltsbereich

Morbus Cushing

Kortisolrausch mit Nachwirkung

Auch nach der erfolgreichen Op eines Morbus Cushing sollten die Patienten langfristig unter Beobachtung bleiben. Denn in einer New Yorker Studie war die Mortalität vor allem bei Patienten mit längerer Krankheitsdauer deutlich erhöht.

Veröffentlicht:
Auch bei "geheilten" Cushing-Patienten sollte man Herz-Kreislauf-Risiken im Auge behalten.

Auch bei "geheilten" Cushing-Patienten sollte man Herz-Kreislauf-Risiken im Auge behalten.

© Getty Images

NEW YORK. Bei Patienten mit endogenem Cushing-Syndrom produziert die Nebennierenrinde zu viel Kortisol, entweder aufgrund von lokalen Neoplasien oder häufiger als Folge einer (tumorbedingten) erhöhten ACTH-Produktion im Hypophysenvorderlappen (Morbus Cushing).

Ein unbehandelter M. Cushing geht bekanntermaßen mit einem deutlich erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko einher, bedingt vor allem durch fünf in Zusammenhang mit der Krankheit stehende Faktoren: Hochdruck, Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Dyslipidämie und Adipositas.

Aber auch wer sich den auslösenden Tumor wegoperieren lässt und danach in Remission kommt, bleibt offenbar gefährdet; dies haben New Yorker Endokrinologen von der Mount Sinai School of Medicine jetzt herausgefunden.

Das Team um Dr. Jessica K. Lambert hat retrospektiv die Daten von 346 Cushing-Patienten ausgewertet. Alle hatten sich im Rahmen einer TSS (transsphenoidale Chirurgie; der Operateur dringt dabei durch die Nase zum Tumor vor) ein ACTH-produzierendes Adenom der Hypophyse entfernen lassen.

In knapp 90 Prozent der Fälle hatte der Eingriff zur Remission geführt; die Kortisolkonzentration im Blut war unter fünf Mikrogramm pro Deziliter gesunken (JCEM 2013; online 7. Februar).

In den insgesamt 30 Studienjahren hatten sich 31 Todesfälle ereignet, dies entspricht einem Anteil von 9% aller Patienten. Das mittlere Sterbealter lag bei etwa 61 Jahren, seit der Op. waren im Mittel elf Jahre vergangen.

Das Sterberisiko war umso höher, je länger die Patienten präoperativ den überschießenden Glukokortikoidspiegeln ausgesetzt gewesen waren. Auch das Alter bei Diagnose spielte eine Rolle, ebenso die ACTH-Konzentration vor dem Eingriff: Höhere Werte bedeuteten ein höheres Risiko.

Besonders gefährdet waren zudem Patienten, die zum Zeitpunkt der Cushing-Diagnose unter Depressionen litten. In diesem Fall war die Mortalität - trotz postoperativer Remission, wohlgemerkt - um fast das Fünffache erhöht.

Die Todesursache konnte anhand des Datenmaterials allerdings nur bei einem Drittel der Fälle ermittelt werden; hier waren kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie und tiefe Beinvenenthrombose mit 44 Prozent führend.

Die frühzeitige Diagnose und Therapie eines Morbus Cushing sei in jedem Fall entscheidend, folgern die Autoren. Je länger der Organismus den erhöhten Kortisolspiegeln ausgesetzt sei, desto gefährlicher werde es für den Patienten.

Das Risiko bestehe auch nach Entfernung des auslösenden Tumors fort, so Lambert et al. Daher sollte man auch Patienten, bei denen sich das Kortisol im Blut postoperativ wieder normalisiert habe, im Hinblick auf die genannten Komorbiditäten langfristig überwachen. (EO)

Mehr zum Thema

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist

Daten aus Deutschland

Übertherapie mit Schilddrüsenhormon L-Thyroxin hält an

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studie MajesTEC-3: progressionsfreies Überlebenc

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neue Therapieoption beim rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM)

Teclistamab-Daratumumab erzielt bislang unerreichten PFS-Vorteil bei RRMM ab dem 1. Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Prognose meist günstig

Schulterschmerzen in der Hausarztpraxis: Aufklären statt röntgen!

„ÄrzteTag“-Podcast

Die Impfsaison startet: Wie gehen Sie vor, Dr. Fleischhauer?

Lesetipps
Dreidimensionale medizinische Illustration des Varicella-Zoster-Virus, einem Virus das Windpocken, Hautblasen, Nesselsucht, Wunden und Gürtelrose verursacht.

© Corona Borealis / stock.adobe.com

Atypische Symptome

Kasuistik: Periphere Fazialisparese mit erstaunlicher Ursache