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Mehrlingsgeburten sind riskant und oft vermeidbar

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BERLIN / NEU-ISENBURG (ikr/ble). Es ist eine Rarität, doch hin und wieder passiert es: die Geburt höhergradiger Mehrlinge wie die der vor wenigen Tagen geborenen Sechslinge aus Berlin. Solche mit hohen Risiken verbundenen Ereignisse können Paare mit Infertilitätstherapie jedoch vermeiden, berichtet der Frankfurter Gynäkologe Professor Frank Louwen.

Die Gefahr für die Entwicklung so genannter höhergradiger Mehrlinge besteht, wenn sich Frauen wegen Eireifungsstörungen bis hin zum Polyzystischen Ovarsyndrom einer Hormonbehandlung zur Stimulation der Ovarien unterziehen. Meist werden dazu FSH (follikelstimulierendes Hormon)-Präparate oder HMG (Humanes Menopausengonadotropin) verwendet. Nach zehn bis zwölf Tagen werden die Frauen in der Regel zur Ultraschalluntersuchung einbestellt. Denn mit Hilfe der transvaginalen Sonografie lässt sich die Follikelreifung überwachen.

Hohes Mehrlingsrisiko bei üppiger Follikelreifung

"Stellen wir allerdings fest, dass mehr als zwei Follikel heranreifen, beenden wir die Behandlung und empfehlen, während dieses Zyklus auf Geschlechtsverkehr zu verzichten, weil dann das Risiko für Mehrlinge recht hoch ist" sagte der Leiter des Schwerpunktes Geburtshilfe und Pränatalmedizin der Unifrauenklinik Frankfurt / Main zur "Ärzte Zeitung".

An diese Empfehlung halten sich manche Paare mit Kinderwunsch offenbar nicht. Für Paare mit dringendem Kinderwunsch, die nicht bis zum nächsten Zyklus warten möchten, besteht mittlerweile auch die Möglichkeit, dass einige Follikel abpunktiert werden, wenn zu viele heranreifen. Diese Technik bieten nach Angaben von Louwen aber nicht alle Kliniken an.

Die Babys haben gute Überlebenschancen.

Bei einer In-vitro-Fertilisation (IvF) kann es im Prinzip nicht mehr zu höhergradigen Mehrlingen kommen, da in Deutschland nur noch zwei Embryonen pro Zyklus erzeugt und in die Gebärmutter transferiert werden.

Über die Art der Infertilitäts-Therapie der Mutter der Berliner Sechslinge wollten sich die Ärzte der Charité jedoch nicht äußern. Die Mutter habe sich jedoch trotz der bekannten Risiken bei einer Mehrlingsschwangerschaft entschieden, die Kinder auszutragen, sagte der leitende Oberarzt Dr. Wolfgang Henrich.

Die Berliner Sechslinge wogen bei der Geburt 800 bis 900 Gramm. Die vier Mädchen und zwei Jungen waren nur wenig größer als ein Din-A4-Blatt. Bis zur 27. Schwangerschaftswoche schafften es Mutter und Ärzte, die Geburt hinaus zu zögern. "Den Kindern geht es gut. Ihr Zustand ist sehr stabil", so Dr. Monika Berns, vom Virchow-Klinikum auf einer Pressekonferenz. Auch der Mutter gehe es gut.

Ein Team von bis zu zwölf Ärzten und sechs Krankenschwestern kümmerte sich um die neuen Erdenbürger. Sechs Reanimationsplätze standen für Notfälle zur Verfügung. Die Geburt selbst war innerhalb einer halben Stunde vorbei. Jetzt sollen die Kinder bis zum normalen Geburtstermin in der Berliner Charité bleiben. Ab der 32. Lebenswoche, so Berns, dürfte die größte Gefahr vorbei sein. Die Überlebenschancen für die Babys werden auf 80 bis 90 Prozent geschätzt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Ovarstimulation nicht ohne Risiken

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