Direkt zum Inhaltsbereich

Noch immer wird mit MS-Therapie oft spät begonnen

FRANKFURT AM MAIN (hbr). Zwar wird bei 60 Prozent der MS-Patienten innerhalb von drei Monaten nach Symptombeginn die Diagnose gestellt, trotzdem werden viele dieser Patienten nicht sofort behandelt. So vergeht bei jedem zweiten Patienten mit MS mindestens ein Jahr bis zum Therapiestart.

Veröffentlicht:

Es gibt viele Gründe für die Verzögerung der Therapie. So ziehen sich einige Patienten nach einem Therapievorschlag zunächst zurück. Oder es geht bis zur Diagnose wertvolle Zeit verloren - nur 57 Prozent der Betroffenen erhielten die MS-Diagnose einer Befragung mit 430 Patienten zufolge in den drei Monaten nach Auftreten der ersten Symptome. Das liegt auch an den anfangs oft unspezifischen Zeichen der Krankheit: 37 Prozent der Patienten bemerkten zunächst Sensibilitätsstörungen, 35 Prozent Doppelbilder wegen einer Sehnerv-Entzündung, sechs Prozent Schwindel und nur zwölf Prozent Lähmungen.

Weil solche Symptome von Nicht-Medizinern kaum einer neurologischen Krankheit zugeordnet werden, gingen nur 14 Prozent direkt zu einem Neurologen, und nur jeder siebte erhielt schon beim ersten Arztbesuch die Diagnose.

Von den übrigen 364 Patienten stellten sich 245 bei mindestens drei und jeder sechste sogar bei fünf oder mehr Ärzten vor, bis die Ursache feststand. Das alles verzögert den Therapiestart, während der Untergang neuronaler Strukturen voranschreitet. Um die Zerstörung früh abzubremsen, sei eine rasche Therapie nötig. Denn, so Privatdozent Sigbert Jahn vom Unternehmen Merck Serono: "Was einmal verloren ist, kann durch die Therapie nicht mehr aufgeholt werden."

Nach Angaben von Jahn, der die Befragungs-Ergebnisse bei einer Veranstaltung des Unternehmens in Frankfurt/Main vorgestellt hat, wurden Besucher der Internet-Seite www.leben-mit-ms.de befragt. 80 Prozent der MS-Patienten suchten in den ersten drei Monaten nach Symptombeginn einen Arzt auf. Bei 39 Prozent wurde - den Leitlinien entsprechend - bei der Diagnose mit der Behandlung begonnen. Aber bei 52 Prozent verging mehr als ein Jahr bis zum Therapiestart.



STICHWORT

Multiple Sklerose

Von der Erkrankung Multiple Sklerose (MS) sind Frauen etwas häufiger betroffen als Männer. Die meisten Erkrankungen treten im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf, jenseits des Alters von 55 bis 60 Jahren gibt es keine Neuerkrankungen mehr. In Mitteleuropa liegt die MS-Inzidenz bei 3 bis 7 pro 100 000 Einwohnern. Jeder der etwa 120 000 MS-Kranken in Deutschland verursacht pro Jahr im Durchschnitt 33 000 Euro Kosten. (nsi)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: Kumulative Anzahl der Ereignisse einer nach sechs Monaten bestätigten Behinderungsprogression

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Multiple Sklerose

Aktuelles rund um Diagnostik und Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 2: AIOLOS-Studie: Therapieabbrüche nach Gründen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [3]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab: Wachsende Evidenz stützt frühe hochwirksame Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anpfiff fürs Herzrasen

Gefährlich emotional: Wenn Fußball aufs Herz geht

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Lesetipps
Eine Sporttasche liegt am Boden und ist gefüllt mit Sportsachen, wie einem Springseil, einem Fußball, Laufschuhen und Tennisschlägern.

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Körperliches Training

Mit einer Stunde mehr Sport die Brustkrebsmortalität senken?

Ein Schild "Stromausfall wir können leider nicht öffnen. Im Notfall bitte klopfen" ist an einer Tür angebracht.

© Marijan Murat/dpa

Krisenresilienz

Stromausfall in Reutlingen: Eine Ärztin schildert ihre Erfahrungen