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Psychotherapeuten warnen

Seelische Probleme nicht überdiagnostizieren!

Bei immer mehr Kindern in den USA wird ADHS festgestellt. Bei Erwachsenen nehmen bipolare Störungen zu. Die Psychotherapeutenkammer Hamburg warnt vor zu vielen Diagnosen.

Veröffentlicht:

HAMBURG. Die Psychotherapeutenkammer Hamburg warnt vor einem Pathologisierungsprozess in der Gesellschaft. Als Folge drohe eine "Psychiatrisierung" von alltäglichen seelischen Problemen.

Diese Entwicklung beobachten die Psychotherapeuten sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern, wie der Kammervorstand in einem Pressegespräch zum fünften Hamburger Psychotherapeutentag berichtete.

Als Beispiel aus dem Bereich der Kinder und Jugendlichen wurde die Zunahme an ADHS-Diagnosen angeführt, bei Erwachsenen befürchtet man eine vergleichbare Entwicklung bei der Diagnose bipolarer Störungen, wie sie in den USA bereits registriert worden sei.

"Das sickert so langsam auch in deutsche Einrichtungen", sagte Vizepräsidentin Gabriela Küll. Zahlen aus Deutschland liegen nach ihren Angaben zwar noch nicht vor, aber eine Tendenz sei bereits zu erkennen. "Das ist besorgniserregend, weil Stimmungsschwankungen zu einer normalen Entwicklung dazugehören", sagte Küll.

Gefährliche Tendenz

Die Psychotherapeuten sehen eine gefährliche Tendenz: Statt sich mit den Ursachen auseinander zu setzen und Lösungen für die Prävention und Behandlung der tatsächlich bestehenden psychischen Erkrankungen zu finden, würden mehr Menschen als psychisch krank diagnostiziert, mehr Psychopharmaka verordnet und damit Ressourcen umgeleitet.

Verbesserungen erhofft sich der Kammerpräsident Professor Rainer Richter von einer intensiveren regionalen Vernetzung und niedrigschwelligen psychotherapeutischen Sprechstunden. Diese könnten insbesondere bei Auffälligkeiten im Grenzbereich zur Erkrankung helfen, eine Chronifizierung zu verhindern.

Dazu sollen Patienten ohne lange Wartezeiten und ohne Überweisung schnell einen ersten Termin beim Psychotherapeuten bekommen. Richter, der auch Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer ist, verspricht sich von solchen zügigen Erstgesprächen, dass die Patienten schnell in die richtigen Behandlungsbahnen gelotst werden.

Dazu müsse es Psychotherapeuten aber ermöglicht werden, an andere Ärzte zu überweisen, in Krankenhäuser einzuweisen und Heilmittel und Therapien zu verordnen. Kammerpräsident Richter strebt dazu regionale Modellprojekte mit Krankenkassen als Modelle zur Integrierten Versorgung an. Erste Gespräche hierzu laufen in Hamburg bereits. (di)

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Kommentare
Dipl.-Psych. Jörg Dreher 02.07.201415:32 Uhr

Viele Psychotherapeuten akzeptieren ADHS als Störungsbild überhaupt noch nicht

dementsprechend diagnostizieren sie es auch nicht, halten es sogar für ein Märchen der Pharmaindustrie.....

Diese alte Psychologen-Generation, die Herr Richter trefflich repräsentiert,muss erst abtreten, bevor diese Volkskrankheit endlich wahrgenommen und auch behandelt wird. Bisher werden meist nur die Folgestörungen wie Depressionen, Ängste, Zwänge, dissoziales Verhalten etc. behandelt.

Häufig wird auch viel zuviel "hinein psychologisiert" in diese Familien, statt dass man die neurobiologische Störung ADHS mit Psychoeduaktion und Elterntraining gezielt angeht. Medikamente sind auch häufig ein Segen, gerade Ritalin ! Das es so häufig auftritt ist eine Tatsache, die empirische Befunde immer mehr belegen. Es gibt Millionen ADHSler...... Auch wenn die Psychologen immer noch ihre pathogenen Familienstrukturen und der Therapie in den Vordergrund stellen.

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