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Der große Hörsaal der Charité Uniklinik war bis auf den letzten Platz besetzt. Ärztekammer, KV und Senatsverwaltung hatten eingeladen.

Der große Hörsaal der Charité Uniklinik war bis auf den letzten Platz besetzt. Ärztekammer, KV und Senatsverwaltung hatten eingeladen.

© Foto:ami

Berliner Ärzte haben viele Fragen zur Schweinegrippe-Impfung

Impfen oder nicht impfen? Das ist die Frage, die die Berliner Ärzte derzeit umtreibt. Geld spielt dabei kaum eine Rolle. Es geht ums Prinzip, hat eine Informationsveranstaltung zur Schweinegrippe deutlich gemacht.

Von Angela Mißlbeck

BERLIN. Für die Politik ist klar: In knapp zwei Wochen soll die groß angelegte Impfaktion gegen Schweinegrippe starten. Senatsgesundheitsverwaltung, Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung in Berlin haben deshalb die Ärzte zur Fortbildung eingeladen. Der Andrang im großen Hörsaal der Charité Uniklinik ist so groß, dass die letzten keinen Sitzplatz mehr finden. Auf dem Podium stellen sich neben Vertretern der drei Institutionen auch ein Experte des Robert-Koch-Instituts (RKI), ein weiterer Wissenschaftler und ein Hausarzt den Fragen der Ärzte.

Bisher sind die meisten Fälle völlig harmlos - warum gehen Sie von einer Verschlimmerung aus? Was genau verimpfe ich da und warum nicht ohne das Adjuvans, das in den USA nicht zugelassen ist? Wie bewerten Sie die Verhältnismäßigkeit der Impfaktion mit Blick auf die Zahl der Todesfälle durch saisonale Grippe? Die Fragen zeigen, dass die Ärzte sich eher verunsichert als informiert fühlen. Mit den Antworten sind sie nicht immer zufrieden. Dennoch bleibt die Stimmung insgesamt ruhig. Für offenen Aufruhr schweben zu viele Fragezeichen im Raum.

"Auch auf die Gefahr hin, dass hier jetzt mal Stimmung aufkommt", versucht sich Kammerpräsident Dr. Günther Jonitz an einer Antwort auf die Fragen nach dem Warum der Impfaktion: Die Bedrohlichkeiten seien von der WHO festgelegt worden. In deren Gremien säßen zu 50 Prozent Pharmavertreter.

Auch mit der STIKO geht der Berliner Kammerchef hart ins Gericht: "Unter den Ehrenamtlichen der STIKO ist keiner, der die Unabhängigkeitskriterien der Arzneimittelkommission der Ärzteschaft erfüllen würde", sagt er. Es kommt zum Zwiegespräch mit dem Vertreter des RKI. Die Ärzte applaudieren Jonitz, als er abschließend festhält, dass er auf "saubere Information" der Ärzte Wert lege, weil die Haftung schließlich beim Arzt liege.

Doch nicht nur prinzipielle Angelegenheiten, auch die praktischen Fragen treiben die Ärzte um: Darf Praxispersonal impfen? Wer zahlt den Mundschutz, den Praxen für Verdachtspatienten bereit halten sollen? Wie gehe ich mit Patienten um, die unbedingt geimpft werden wollen, aber noch nicht dran sind? Welche Praxen in Berlin impfen? Spätestens mit der letzten Frage erwischen die Ärzte die Senats-Expertin auf dem falschen Fuß. Denn das steht noch nicht fest. Klar ist nur, dass es rund 2000 und vorwiegend Hausärzte sein sollen. Glatt abgebügelt wird auch die Frage nach dem Honorar für die Impfung.

Lesen Sie dazu auch: Schweinegrippe: Berliner Ärzte wollen nicht impfen

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Neue Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

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