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Weckruf der Onkologen

Zahl krebskranker Patienten wächst rasant

Die Zahl der zu betreuenden Krebs-Patienten wächst – und damit auch der Bedarf an adäquater ärztlicher Versorgung. Onkologen fordern eine schnelle Reaktion und flächendeckende Versorgungsmodelle.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Experten rechnen bis 2025 mit einem Anstieg der jährlichen Krebsneuerkrankungen um rund zehn Prozent.

Experten rechnen bis 2025 mit einem Anstieg der jährlichen Krebsneuerkrankungen um rund zehn Prozent.

© Grafner / Getty Images / iStock (M)

BERLIN. Die Alterung der Gesellschaft wird für die Versorgung von Krebspatienten bereits in der allernächsten Zukunft eine große Herausforderung. Darauf haben Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) am Mittwoch beim Hauptstadtkongress in Berlin hingewiesen.

Onkologische Grund- und Spezialversorgung einschließlich der beteiligten geriatrischen, palliativen, psychotherapeutischen und therapeutischen Fächer müssen sich bis 2025 auf einen Anstieg der jährlichen Krebsneuerkrankungen um rund zehn Prozent auf dann mehr als 525.000 einstellen.

Gleichzeitig wird aufgrund der heute höheren Überlebensraten die Zahl der an Krebs Erkrankten gegenüber dem Referenzjahr 2014 um acht Prozent auf dann drei Millionen zulegen.

Das geht aus der am Mittwoch beim Hauptstadtkongress in Berlin veröffentlichten „Deutschlandweiten Prognose der bevölkerungsbezogenen Morbiditätserwartung für häufige Krebserkrankungen“ hervor.

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Die Zahl der alten Menschen wächst

Der Fachgesellschaft geht es um frühzeitige Anpassung an die kommenden Entwicklungen, um eine effiziente Vernetzung von Universitäten, Krankenhäusern und Schwerpunktpraxen.

„Wir dürfen nicht erst anfangen zu planen, wenn das Problem schon da ist“, kommentierte Professor Wolfgang Hoffmann von der Universität Greifswald die Ergebnisse.

Bis 2025 werde die Bevölkerung Deutschlands insgesamt um etwa 1,3 Millionen anwachsen (plus 1,6 Prozent). Die Älteren legen im Vergleich dazu deutlich mehr zu.

2025 werden demnach in Deutschland ein Fünftel mehr Männer über 60 und 51 Prozent mehr Männer über 80 Jahre leben als heute. Bei den Frauen liegen diese Werte bei 15 und 26 Prozent.

Das bedeute etwa vier Millionen mehr Menschen über 60 Jahre und zwischen 1,5 und 1,8 Millionen mehr Menschen über 80 Jahre, rechnet die DGHO vor.

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Mehr Spezialisten werden benötigt

Die Versorgung wird mehr Spezialisten benötigen, die wiederum eng mit Hausärzten zusammenarbeiten müssten, um der wachsenden Menge an Komorbiditäten Herr zu werden, so der DGHO-Vorsitzende Professor Carsten Bokemeyer.

In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der Ärzte mit der Qualifikation Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie von 2213 auf 2650 gestiegen.

800 Ärzte haben in diesem Zeitraum die Zusatzqualifikation „Medikamentöse Tumortherapie“ erworben. Ab 2025 werden allerdings zahlreiche Spezialisten in den Ruhestand wechseln.

„Die Vernetzung der Kliniken mit den Praxen wird entscheidend“, sagte Professor Maike de Wit vom Vivantesklinikum Berlin.

Eine Reaktion auf die Entwicklungen werde auch die Delegation von Aufgaben zum Beispiel an Therapieschwestern sein, sagte Dr. Ingo Tamm vom Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen.

Diese Prognosen haben die Experten der DGHO formuliert:

  • Die Zahl der Krebsneuerkrankungen wird zwischen 2014 und 2025 voraussichtlich um etwa 10 Prozent auf dann über 520.000 pro Jahr zunehmen.
  • Den stärksten Zuwachs an Patientenzahlen zeigen Krebsentitäten, die im Alter häufig sind: Bei Männern der Prostatakrebs, bei Frauen der Brustkrebs.
  • Die höchsten relativen Zuwachsraten werden für Männer beim Harnblasenkrebs, für Frauen beim Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs erwartet.
  • Die 10-Jahresprävalenz von Krebserkrankungen nimmt zwischen 2014 und 2025 deutlich zu, und zwar um etwa 8 Prozent auf fast 3 Millionen Patientinnen und Patienten.
  • Mit der demografischen Alterung steigt die Zahl der Patientinnen und Patienten, die neben Krebs an mindestens einer weiteren chronischen Erkrankung leiden. Das Gutachten analysiert die Zahlen von Krebspatientinnen und -patienten, die zusätzlich an Diabetes mellitus, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), koronarer Herzkrankheit, Adipositas, Niereninsuffizienz oder an Demenz leiden.

Wir haben diesen Beitrag aktualisiert und ergänzt am 23.5.2019 um 13.30 h

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