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2100 vietnamesischen Kindern eine Zukunft geschenkt

Von Patrick Hagen Veröffentlicht:

Ihr Engagement für Kinder mit angeborenen Gesichts-Fehlbildungen hat der Deutsch-Vietnamesischen Gesellschaft zur Förderung der Medizin in Vietnam (Deviemed) den zweiten von drei WDR-Kinderrechtepreisen eingetragen. Die Ärzte-Initiative aus Nordrhein-Westfalen operiert seit zehn Jahren in Vietnam Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten.

In Vietnam kommt die Fehlbildung vier Mal häufiger vor als in Deutschland. Außer Mangelernährung ist das wahrscheinlich eine Spätfolge des Entlaubungsmittels "Agent Orange", das die USA im Vietnamkrieg einsetzten. Trinkwasser und Nahrungsmittel sind in Vietnam immer noch stark mit dem Gift Dioxin belastet.

"Die Verbreitung der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten hat aber auch genetische Ursachen", sagt Professor Joachim Zöller. In Asien würden generell mehr Kinder mit solchen Fehlbildungen geboren als in Europa oder Afrika. Der Augen-, Kiefer- und Gesichtschirurg ist neben seiner Tätigkeit als Direktor der Klinik und Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Universität zu Köln seit drei Jahren Präsident von Deviemed.

Vor zehn Jahren hat der vietnamesische Arzt Khue Do-Quang die Initiative gegründet und freiwillige Mitstreiter gesucht, um betroffenen Kindern zu helfen. Die meisten Vietnamesen besitzen keine Krankenversicherung und können sich eine Operation kaum leisten. Zudem gibt es einen Mangel an entsprechend ausgebildeten Chirurgen. Zöller schätzt die Zahl der unoperierten Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten in Vietnam auf 8000 bis 10 000.

Einmal im Jahr fliegt ein Deviemed-Team aus zehn bis 20 Chirurgen, Anästhesisten, Kinderärzten und Krankenpflegern für 14 Tage nach Vietnam, um möglichst viele Kinder zu operieren. Kinder, bei denen der Eingriff nicht vor Ort vorgenommen werden kann, bringen die Ärzte nach Deutschland. In den vergangenen Jahren sei das aber schwieriger geworden, sagt Zöller. "Die Krankenhäuser stellen immer weniger Betten zur Verfügung."

Bisher haben die Deviemed-Chirurgen bei zehn Besuchen insgesamt 2100 Vietnamesen mit Fehlbildungen operiert. "Wir arbeiten ehrenamtlich", betont Zöller. Die Vereinsmitglieder opfern ihre Freizeit und zahlen zu Teilen auch die Reisekosten selbst. Nachwuchsprobleme gibt es laut dem Präsidenten trotzdem nicht: "Wir haben kein Problem, Leute zu finden, die mitreisen wollen." Der Verein finanziert sich über Spenden und seine Mitglieder, wird aber auch von Pharmaunternehmen, dem Auswärtigen Amt und der Bundeswehr unterstützt.

Deviemed setzt sich auch für die Aus- und Weiterbildung der Ärzte in Vietnam ein. An den OP-Teams sind meistens auch vietnamesische Chirurgen beteiligt. Die Zusammenarbeit laufe gut, berichtet Zöller. Das liege auch daran, daß die deutschen Ärzte einen guten Ruf hätten. Früher seien oft Ärzte aus anderen westlichen Ländern nach Vietnam gekommen, um OP-Erfahrung zu sammeln.



Drei WDR-Preise für die Rechte des Kindes

Der Preis für die Rechte des Kindes wird einmal im Jahr vom WDR vergeben. Mit dem Wettbewerb will der Sender Initiativen zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland würdigen.

Der 1. Preis ging in diesem Jahr an das Kinderhospiz Balthasar in Olpe, das Familien mit todkranken Kindern ärztlich, pädagogisch und therapeutisch begleitet. Die Ärzte-Initiative Deviemed erhielt den 2. Preis. Der 3. Preis wurde der Schülerstiftung Courage zugesprochen. Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Münster unterstützen hier Kinder aus sozial benachteiligten Familien. (pah)

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