Tests mit Licht

Damit der Flieger zur Wohlfühloase wird

Testsitzen im Göttinger Forschungsflugzeug: DLR-Wissenschaftler untersuchen, wie sich farbiges Licht auf das Wohlbefinden der Passagiere auswirkt.

Von Heidi Niemann Veröffentlicht:
Ganz in Blau getaucht: Die "Testpassagiere" in der Flugzeugkabine lassen die unterschiedlichen Lichtfarben auf sich wirken. Vorne im Bild "Thermo-Dummies", mit denen sich die natürliche Wärmeabgabe des Menschen simulieren lässt.

Ganz in Blau getaucht: Die "Testpassagiere" in der Flugzeugkabine lassen die unterschiedlichen Lichtfarben auf sich wirken. Vorne im Bild "Thermo-Dummies", mit denen sich die natürliche Wärmeabgabe des Menschen simulieren lässt.

© Niemann

GÖTTINGEN. Auf geht's: Die Flugzeugtür steht offen, das Boarding beginnt. Nach und nach steigen 50 Menschen die Gangway hoch und nehmen in der Kabine Platz.

Mehrere Stunden werden sie nun im Flugzeug verbringen - und dabei allerdings die ganze Zeit am Boden bleiben. Die Maschine - eine Dornier 728 - ist ein Testflugzeug, das das Deutsche Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen vor einigen Jahren aus der Konkursmasse des Herstellers erworben hat.

Die "Passagiere" sind Probanden, die an einer Versuchsreihe der DLR-Abteilung für Luft- und Raumfahrtpsychologie teilnehmen.

Die Forscher wollen herausfinden, wie sich durch gezielten Einsatz von farbigem Licht das Wohlbefinden der Fluggäste verbessern lässt.

"Wir untersuchen das subjektive Komfortempfinden im Flugzeug", erläutert die Projektleiterin Dr. Claudia Marggraf-Micheel.

"Wir gehen davon aus, dass die Farbe des Lichts auf das Temperaturempfinden der Fluggäste Einfluss nimmt. Blaues Licht lässt die Umgebung kühler erscheinen, gelbes Licht wärmer."

Lichtfarben in Kabine wechseln alle zehn Minuten

Gleichzeitig lässt sich dieser psychologische Effekt auch zur Verbesserung der Energiebilanz nutzen: Ist beispielsweise die Luft, die aus den Turbinen in die Kabine geführt wird, zu heiß, setzt man blaues Licht ein.

Dadurch sinkt die "gefühlte" Temperatur in der Kabine, so dass man weniger Energie aufwenden muss, um die Luft abzukühlen.

Mehrere Vorversuche in einem Lichtlabor haben diese Hypothese bereits bestätigt. Bei den Tests in Göttingen geht es nun darum, noch genauere Erkenntnisse über die Wirkung einzelner Farbnuancen zu gewinnen.

Das Versuchsflugzeug bietet die Möglichkeit, unter realitätsnahen Bedingungen die Wirkung von Farben auf das Kabinenklima zu untersuchen. Während der mehrstündigen Versuchsreihe tauchen LED-Leuchten die Kabine abwechselnd jeweils rund zehn Minuten lang in unterschiedliche Lichtfarben.

Nach jedem Lichtszenario beantworten die Probanden einen umfangreichen Fragenkatalog: Ist das Licht dunkel oder hell? Wirkt es kalt oder warm? Empfinde ich die Raumtemperatur als kalt oder heiß?

Empfinde ich das Licht als angenehm, unangenehm oder neutral? Fühle ich mich wohl? Bin ich schläfrig oder wach? Habe ich körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Ermüdung oder Übelkeit? Kann ich mich gut konzentrieren?

Blau-weiß wirkt kalt

Die Probanden tippen ihre Antworten in kleine tragbare Computer, sogenannte Handhelds. Während der gesamten Versuchsreihe regulieren Ingenieure des DLR-Standorts Göttingen die Klimatisierung der Maschine und ermitteln mit neuesten Strömungsmesstechniken die objektiven Klimabedingungen.

Damit die "Testpassagiere" den Versuchsablauf gut durchhalten, bekommen sie zwischendrin Getränke und Süßigkeiten gereicht. Sogar für Unterhaltung ist an Bord gesorgt, das DLR-Team präsentiert einen spannenden Film über eine Weltraummission.

Knut Hasse ist eigens aus Northeim angereist, um an dem Test teilzunehmen. "Das war sehr interessant", meint er. "Es war deutlich zu merken, wie sich die unterschiedlichen Farben auf die Stimmung auswirken."

Auch die Studentin Adena Schnuch hat diese Erfahrung gemacht: "Bei Rotlicht fühlte ich mich müde, bei Grünlicht war ich total wach."

Dass die Forscher mit ihrer Grundthese wohl richtig liegen, bestätigt die Abiturientin Johanna Vellmer: "Die blau-weißen Farben wirkten kalt."

Die DLR-Wissenschaftler wollen jetzt die Tests detailliert auswerten und voraussichtlich im Herbst den Abschlussbericht ihres fünfjährigen Forschungsprojekts vorlegen.

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