Glosse
Die Kreiselung des Quadrats
Juhu – wir retten das Gesundheitssystem! Mit drei einfachen Maßnahmen lösen wir die Finanzkrise in der GKV. Der Autor dieser Glosse wartet auf den Anruf des Kanzlers für weitere Ideen...
Veröffentlicht:Bei aller (berechtigter) Kritik an Gesundheitspolitikern muss man ihnen eines zugestehen: Sie haben es nicht leicht. Wie schafft man es, ein Gesundheitssystem zu gestalten, dessen Ausgaben rapide steigen – ohne die Akteure groß zu belasten und ohne Wähler noch unzufriedener zu machen.
Oder in GKV-Algebra ausgedrückt: Ausgabensenkung + Leistungskürzungen = Zufriedene Patienten. Die Lösung dieser Gleichung gleicht einer Quadratur des Kreises.
Das ist ähnlich wahrscheinlich wie ein Perpetuum Mobile aus Zahnstochern. Vielleicht müssen wir also komplett anders denken, quasi die Zirkulierung des Quadrats versuchen: Setzen wir also, im Zeitalter des Postfaktischen, neu an bei Lösungsvorschlägen:
- Wir verbieten Krankheiten. Sie schmunzeln? Im französischen Küstenort Le Lavandou verbot der Bürgermeister 2000 zu sterben, wenn man keinen Bestattungsort hatte, weil der Friedhof voll war. Wenn man mit dem Tod verhandeln kann, werden wir das ja auch bei einigen Krankheiten schaffen! Üben Sie schon einmal folgenden Satze: „Frau Albrecht, können Sie sich eine Gastritis überhaupt leisten?“
- Verbot des Alterns: Wenn wir Krankheiten abschaffen können, geht das auch. Dank Longevity bleiben Bürger fit und gesund. Für die Messung des biologischen Alters schaffen wir mobile Kräfte, die von Haus zu Haus gehen. Über 70? Sie spinnen wohl! Urteil: drei Monate Hausarrest mit täglichem Sport.
- Prävention wird Pflicht: Die Kasse zahlt einen Bonus für Sportkurse und PZR? Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus! Wer sich nicht dreimal die Woche sportlich betätigt, zahlt zehn Prozent seines Einkommens als Strafe. Was glauben Sie, wie viele Menschen Sie künftig im strömenden Regen joggen sehen? Und die Triefnassen sind danach sogar glücklicher.
Mit ungewöhnlichen Maßnahmen schaffen wir die gesundheitspolitische Wende – was war jetzt eigentlich so schwer daran?



