Elektronische Hilfe für Patienten mit Gedächtnis-Problemen

LEIPZIG (scho). Eine leicht bedienbare elektronische Gedächtnishilfe für hirngeschädigte Patienten haben Forscher der Universität Leipzig entwickelt. Die Gedächtnishilfe namens MEMOS erhöht die Selbständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen und entlastet Familienangehörige und andere Betreuungspersonen.

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Nach einem Schädel-Hirn-Trauma etwa haben viele Patienten bleibende Gedächtnisprobleme. Betroffen sein kann dabei besonders auch das Erinnern an Aufgaben, die noch zu erledigen sind, oder Termine, die einzuhalten sind. Ein spezielles Hirnleistungstraining bessert diese Fähigkeiten kaum.

Auch konventionelle Gedächtnishilfen, etwa Notizen auf einem Kalender, können diese Defizite nicht ausreichend kompensieren. Mit kommerziellen elektronischen Systemen (Organizer) kommen die Patienten oft nicht zurecht.

An dieser Stelle setzt die elektronische Gedächtnishilfe MEMOS (Mobile Extensible Memory and Orientation System) an. Sie wurde gemeinsam von Wissenschaftlern des Instituts für Informatik und der Tagesklinik für kognitive Neurologie an der Universität Leipzig entwickelt und erprobt.

Das System besteht aus drei Komponenten: Der persönlichen Gedächtnishilfe PMA (Personal Memory Assistant), einer Betreuungsstation und einer Basisstation.

  • Der PMA ist eine Kombination aus Handy und elektronischem Kalender. Der Patient trägt das Gerät mit sich, es erinnert ihn an wichtige Aufgaben. Das Gerät ist im Vergleich zu kommerziellen Organizern sehr einfach zu bedienen. Es gibt nur wenige Tasten, und diese sind gut gekennzeichnet. Das ermögliche den Patienten den einfachen Umgang mit dem Gerät, so Dr. Angelika Thöne-Otto von der Tagesklinik für kognitive Neurologie in Leipzig auf der Konferenz MobiCare 2005 in Leipzig.
  • An der Betreuungsstation, einem PC oder Laptop, werden die Informationen für die Patienten eingegeben und per Funk auf deren PMA übertragen. Die Patienten müssen durch einfachen Tastendruck auf ihren PMA bestätigen, daß sie eine Aufgabe erledigt haben. Diese Information wird an die Betreuungsstation zurückgesendet. Erfolgt keine Bestätigung, wird der Betreuer direkt per Handy informiert und kann dann Kontakt zu den Patienten aufnehmen. Umgekehrt können auch die Patienten jederzeit Kontakt zur Betreuungsstation aufnehmen. Bedient wird die Betreuungsstation von einer Assistentin in der Tagesklinik für kognitive Neurologie oder nach entsprechender Einarbeitung von Angehörigen oder Therapeuten der Patienten.
  • Die Basisstation befindet sich am Institut für Informatik. Sie entspricht einer Datenbank, in der die Informationen verschiedener Betreuungsstationen und PMA zusammenlaufen und koordiniert werden können. So ist es möglich, daß mehrere Betreuer, etwa Arzt und Angehörige, für einen Patienten Informationen in die Betreuungsstation eingeben, ohne daß es zu Überschneidungen von Terminen kommt.

In ersten Untersuchungen wurden die neu entwickelte Gedächtnishilfe MEMOS sowie ein kommerziell verfügbarer Organizer bei 13 hirngeschädigten Patienten getestet. Mit einem Fragebogen wurde die Akzeptanz der Systeme evaluiert.

Die Ergebnisse: Bei Verwendung des PMA wurde von den Patienten ein höherer Prozentsatz an Aufgaben erfüllt, mehr Patienten empfinden den PMA als Unterstützung im Alltag und benutzen ihn auch weiterhin. Acht Patienten präferierten den PMA als persönliche Gedächtnishilfe, fünf den kommerziellen Organizer.

Derzeit wird die leicht bedienbare elektronische Gedächtnishilfe noch durch öffentliche Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert. Die Leipziger Forschergruppe möchte MEMOS langfristig jedoch kommerziell betreiben, so daß es sich selbst tragen kann.

In ersten Gesprächen mit Berufsgenossenschaften ist man auf offene Ohren gestoßen. Angestrebt werde auch, daß MEMOS in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wird, so Thöne-Otto.

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