Gesellschaft

Folter in Libyen: Ärzte mit Grenzen

Obwohl Muammar al-Gaddafi gestürzt ist, kommt Libyen nicht zur Ruhe. Jetzt kommen Berichte über Folter an Kriegsgefangenen ans Tageslicht. Aus Protest ziehen sich die "Ärzte ohne Grenzen" zurück.

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Gefangen in Misrata: Ein Gaddafi-Getreuer in den Händen der Rebellen.

Gefangen in Misrata: Ein Gaddafi-Getreuer in den Händen der Rebellen.

© Eduardo de Francisco / epa / dpa

NEU-ISENBURG (nös). Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" beendet ihre Arbeit in den Kriegsgefangenenlagern der libyschen Stadt Misrata.

Hintergrund sind Berichte, wonach Kriegsgefangene gefoltert und ihnen der Zugang zur medizinischen Versorgung verwehrt worden sein soll.

Wie die Organisation am Donnerstag in Berlin mitteilte, sollen die Mitarbeiter immer häufiger auf Gefangene getroffen sein, die Folterspuren aufwiesen.

Die Rede ist von 115 Patienten. Bei den Kriegsgefangenen handelt es sich überwiegend um Getreue des Gaddafi-Regimes.

"Patienten wurden während der Verhöre zur Behandlung zu uns gebracht, um sie wieder fit zu machen für die Fortsetzung der Befragung", sagte der belgische Sektionschef der Organisation, Christopher Stokes. "Das ist vollkommen inakzeptabel."

Dem Bericht zufolge soll die Hilfsorganisation außerdem bei ihrer Arbeit behindert worden sein. Anfangs hätten die Mitarbeiter die Gefangenen noch außerhalb der Lager behandeln dürfen.

Erneute Folter

Seit Januar sollen die Behörden allerdings darauf gedrängt haben, die Gefangenen direkt in den Verhörzentren zu behandeln. "Einige Behördenvertreter haben versucht, die medizinische Arbeit von Ärzte ohne Grenzen zu instrumentalisieren oder zu behindern", sagte Stokes. "Ärzte ohne Grenzen" lehnt das jedoch ab.

Die Armee des Übergangsrates soll dem Bericht der Organisation zufolge Gefangene trotz Warnung erneut gefoltert haben. Einige seien nach der Folter so schwer verletzt worden sein, dass sie krankenhausreif waren.

Dies habe die Organisation dem Sicherheitsdienst der Armee mitgeteilt. Dennoch sollen einige der Gefangenen erneut gefoltert worden sein.

Die Kämpfe in Libyen flammen zudem offenbar immer wieder auf. Anfang der Woche war berichtet worden, Anhänge der ehemaligen Gaddafi-Regimes hätten die Wüstenstadt Bani Walid eingenommen. Die Stadt war bis zuletzt stark umkämpft.

Die Übergangsregierung hatte die Berichte kurze Zeit später jedoch zurückgewiesen. Zwar habe es Kämpfe mit Toten und Verletzten gegeben, allerdings sei der Hintergrund ein "Streit zwischen zwei Gruppen junger Männer" gewesen, hieß es.

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