High-Tech

Gelähmter Pianist kann wieder spielen

Dank einer deutschen Entwicklung kann ein schwerbehinderter US- Nachwuchsmusiker weiter Klavier auf allerhöchstem Niveau spielen. Der Schlüssel dazu liegt in seinem Mund.

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HEIDELBERG. In dem riesigen Saal wirkt der 15-jährige Alberto Mancarella klein, als er an seinem Klavier sitzt. In der Alten Aula der Universität Heidelberg spielt der Junge vor Publikum Auszüge aus dem Italienischen Konzert von Bach.

Was an diesem Abend Ende März besonders ist: Der Jugendliche aus Los Angelos ist querschnittsgelähmt. Er kann seine Beine nicht bewegen und bedient doch das rechte Fußpedal – mit Hilfe einer High-Tech-Beißschiene. Die Schiene in seinem Mund steuert das Pedal per Funk. Mit seiner Zunge drückt er auf die Sensorfolie, die hinter seinen Schneidezähnen platziert ist und kontrolliert so einen Motor am Pedal. Je nachdem, wie fest er zudrückt, dosiert er die Motorkraft.

Entwickelt wurde die Schiene von einem Team um Dr. Rüdiger Rupp vom Querschnittzentrum am Uniklinikum Heidelberg und Zahntechniker Tobias Gallinat. Bei der ersten Version des Hilfsmittels musste der Pianist noch zubeißen, um den Sensor zu aktivieren. 2008 erhielt das Team dafür den Entwicklungspreis der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung (DSQ).

Albertos Mutter kontaktierte das Team 2011. "Albertos Geschichte, hat mich so fasziniert, dass ich ihm unbedingt helfen wollte", sagt Rupp. Mit dem DSQ-Preisgeld und einer Privatspende finanzierten sie die Weiterentwicklung und Anpassung für Alberto. Die Forscher denken an weitere Einsatzmöglichkeiten: Querschnittsgelähmte könnten mit dem Sensor auch PCs oder elektronische Rollstühle steuern.

Ohne Alberto wäre das Projekt wohl zum Erliegen gekommen: "Ohne diesen beeindruckenden Jungen hätte ich dieses Projekt nicht weiter verfolgt", gibt Dr. Rupp zu. Und der Stipendiat hätte im Konkurrenzkampf mit anderen Nachwuchsmusikern ohne Schiene wahrscheinlich sein Stipendium verloren. (ajo)

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