"Ich schätze Kollegen, die sich aufopfern"

NEU-ISENBURG (fuh). Größenwahn, Gefühlskälte, Ignoranz - diese vermeintlichen Eigenschaften werden Ärzten in einem Buch unterstellt, das in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht hat.

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Grund genug für Johannes B. Kerner vom ZDF, den Autor des Werkes am Dienstagabend in seine Talksendung einzuladen: Werner Bartens (Jahrgang 1966), Arzt und Journalist, hat das "Ärztehasser-Buch" geschrieben. Er liefert sich einen Schlagabtausch mit Hartmannbund-Chef Dr. Kuno Winn, der, wie könnte es anders sein, mit Bartens Thesen nicht einverstanden ist.

Kann man Ärzte tatsächlich hassen, wie es der Titel des Buches nahe legt, will Kerner wissen. Bartens eiert ein wenig herum. "Es ist eher eine Art Hassliebe", sagt er dann, weist aber heftig Vermutungen zurück, es gehe ihm bei seinem Rundumschlag nur um kommerziellen Erfolg.

"Aus jungen Medizinern werden zynische Ärzte" - diese provokante Bartens- These will Kuno Winn nicht akzeptieren. "Wir haben allein in der Chirurgie im Jahr 2005 36 Millionen Eingriffe gehabt, sagt der HB-Chef, "ich lasse es nicht zu, dass Herr Bartens das Engagement unserer Ärzte klein redet." Das liege ihm fern, bedauert Bartens, "ich schätze Kollegen, die sich aufopfern und viel arbeiten."

Bartens schildert selbst erlebte Episoden, die sehr viel mit Widersprüchen im medizinischen Versorgungssystem zu tun haben - und er macht diffuse Schuldzuweisungen. Dass es ein Skandal ist, wenn ein Rettungshubschrauber mit schwer verletztem Unfallpatienten vier Kliniken ansteuern muss, weil das Helikopterteam mehrmals abgewimmelt wird, das will auch Winn nicht bestreiten. Bei Patienten mit Politraumen nach Unfällen zahlen Kliniken drauf. Ein politisches Problem. Die Fallpauschalen sind von Politikern eingeführt worden und müssen angehoben werden, sagt Winn Bartens läßt sich nicht irritieren. Er spielt mit Wahrheiten und Halbwahrheiten, mit offenen und latenten Schuldzuweisungen: Am Ende muss der Eindruck enstehen, als seien viele Ärzte per sei ignorant und gefühlskalt, umgeben von Patienten, die nur eines sind: lästig. Alles Kalkül? Das Buch verkauft sich gut. . .

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