Legionäre brachten mediterrane Küche nach Germanien

HEDEMÜNDEN (pid). Das vor rund fünf Jahren entdeckte Militärlager der Römer im niedersächsischen Hedemünden erweist sich immer mehr als eine der bedeutendsten Fundgruben für die Aktivitäten der Römer im rechtsrheinischen Gebiet.

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Inzwischen haben die Mitarbeiter der Kreisarchäologie des Landkreises Göttingen über 2600 Objektfunde in der 25 Hektar großen Anlage gemacht, in der einst vermutlich der Feldherr Drusus mit seinen Legionären Quartier bezogen hatte. So gab es im vergangenen Jahr mehrere spektakuläre Funde wie eine Gefangenenfessel und einen Legionärsdolch. Für die Historiker mindestens ebenso bedeutsam sind jedoch auch die eher unscheinbaren Fundstücke wie Keramikscherben. Diese zeigen, dass die Römer vor 2000 Jahren die mediterrane Küche nach Germanien brachten.

Die Archäologen fanden Bruchstücke von dickwandigen Großgefäßen, die an Drehscheiben gefertigt worden waren. "Diese Amphoren wurden in Spanien getöpfert", erläutert der Göttinger Kreisarchäologe Klaus Grote. "In den Gefäßen befand sich südspanisches Olivenöl, das bis nach Hedemünden transportiert wurde."

Der Transport der Versorgungsgüter für die römischen Legionäre über mehrere tausend Kilometer fand hauptsächlich auf Flüssen statt - von Spanien aus zunächst über die Rhone, die Mosel und den Rhein, dann weiter über die Nordsee und schließlich flussaufwärts auf der Weser. Außer mit Olivenöl aus Südspanien versorgten sich die Römer offenbar auch mit Gütern aus Italien. So fanden sich auch Keramikscherben mit vulkanischen Beimengungen, die aus dem Golf von Neapel stammen. Doch nicht nur Scherben geben den Archäologen und Historikern wichtige Hinweise. Die Experten untersuchten auch Bodenproben aus den Gruben.

Dabei fanden sie außer Holzkohlen auch verkohlte Reste von Getreidekörnern und anderen Kulturpflanzen, unter anderem Kerne von Weintrauben. Sie vermuten, dass auch die Trauben von weiter her nach Germanien geschafft wurden.

Auch aus den Grabungen können die Archäologen Rückschlüsse auf das Leben im Lager ziehen. So entdeckten die Experten am Südosttor des Hauptlagers außer antiken Fahrspuren rund 200 eiserne Sandalennägel der römischen Legionäre - auf einer gerade mal sechs Quadratmeter großen Fläche.

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