Gesellschaft

Neue Väter gesucht - Männern fehlt es an Vorbildern

FRANKFURT/MAIN (dpa). Kaum ein Bereich der Gesellschaft hat sich in den vergangenen 50 Jahren so stark gewandelt wie die Vaterschaft. Am Frankfurter Institut für Sozialforschung haben sich die Soziologen Andrea Bambey und Hans-Walter Gumbinger auf die Suche nach dem modernen Vater gemacht. "Den" neuen Vater haben sie nicht gefunden - im Gegenteil.

Veröffentlicht: 11.06.2007, 08:00 Uhr

Als Kennzeichen moderner Vaterschaft gilt unter Soziologen vor allem die Vielfalt möglicher Gestaltungen dieser Rolle. "Früher war das Rollenbild fester gefügt, heute gibt es ein riesiges Spektrum an Vätertypen", sagt Bambey. "Männer müssen nicht nur entscheiden, ob sie Vater sein wollen, sondern auch, wie sie ihre Vaterschaft leben möchten", ergänzt Michael Matzner, der an der Uni Heidelberg und der Fachhochschule für Sozialwesen Mannheim arbeitet.

Das macht die Sache nicht leichter. Die Wahlmöglichkeiten scheinen die Väter bisweilen eher zu verunsichern, statt ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Bambey und Gumbinger werteten für ihre Studie "Neue Väter" 1500 Fragebögen aus und interviewten 23 Elternpaare. Erschreckendes Ergebnis: 40 Prozent der Männer empfanden ihre Vaterschaft als misslungen oder hatten zumindest ein distanziertes Verhältnis dazu.

Manchmal ist der Grund für dieses Scheitern der eigene Vater. "Die Männer haben oft keine positiven Vorbilder, weil sie ihre Väter entweder als kaum präsent oder als extrem autoritär erlebt haben", sagt Gumbinger. Vater-Sein sei auch schwieriger geworden, "weil den Vätern heute Fähigkeiten abverlangt werden - wie etwa Einfühlungsvermögen -, die sie in ihrer Sozialisation nicht erworben haben." Wie eine Billardkugel muss der moderne Vater seinen Weg suchen zwischen den verschiedenen "Banden" Partnerin, Gesellschaft, Kollegen und Kind.

"Die verschiedenen Anforderungen sind schwer in Einklang zu bringen. Der Mann bekommt sehr unterschiedliche Signale", sagt Gumbinger. So wollten viele Frauen, dass ihre Männer sich mehr engagieren, fänden einen Hausmann dann aber doch nicht so sexy. Und obwohl Väterbeteiligung inzwischen gesellschaftlich gewollt sei, würde eine Elternzeit von vielen Chefs nicht akzeptiert.

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