Plädoyer für Psychologie als Schulfach

EMSDETTEN/KÖLN (dpa). Der Amoklauf-Alarm an einem Kölner Gymnasium hat zum Jahrestag des Anschlags an der Geschwisterscholl-Schule in Emsdetten die Diskussion um eine bessere psychologische Betreuung von Schülern erneut angefacht.

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Ein Jahr nach dem Amoklauf an der westfälischen Realschule am 20. November haben einige Schüler und Lehrer die Gewalttat noch nicht vollends verkraftet. Sie werden weiter psychologisch betreut, an der Schule sind zudem zwei Psychologen tätig, um Schülern zu helfen. Schulleiterin Karola Keller ist sich jedoch sicher, dass inzwischen eine größere Sensibilität an der Schule herrsche, um Warnsignale frühzeitig zu erkennen.

Schülern fehlen "haltgebende Tugenden".

Nach dem vereitelten Anschlag auf die Kölner Schule sieht sich allerdings die Erfurter Rechtspsychologin Alina Wilms in ihrer Prognose bestätigt, dass solche Taten zunehmen könnten. Sie hatte nach dem Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium vor fünf Jahren die psychologische Betreuung traumatisierter Lehrer und Schüler geleitet. Als Begründung führte sie an, dass viele junge Leute sich heute aus den unterschiedlichsten Gründen ungerecht behandelt, ausgeschlossen oder gemobbt fühlten.

Bevor es zu einem Amoklauf komme, werde eine subjektiv empfundene Kränkung oft zunächst in der Fantasie als Verletzung zurückgegeben. Das Szenario werde immer wieder durchgespielt und dabei konkreter. Häufiges Spielen von Gewaltspielen am Computer senke zudem bei Betroffenen die Hemmschwelle, eine Tat zu realisieren. Ihrer Ansicht nach fehlen "haltgebende Tugenden", die solche Gewaltausbrüche begrenzen könnten.

Menschen seien etwa nicht mehr bereit, eine Entbehrung auszuhalten, stattdessen müsse jedes Bedürfnis sofort befriedigt werden. Die Therapeutin sprach sich für die Einführung des Fachs Psychologie aus. Dabei könnten Schüler erfahren, wie die Psyche funktioniere, Fehlentwicklungen leichter erkennen und Lösungsstrategien entwickeln.

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