Arzneimittelpolitik

AOK kündigt Teile des Rabattvertrages

BERLIN/MÜNCHEN (HL). Nicht lösbare Lieferschwierigkeiten mit rabattierten Arzneimitteln haben dazu geführt, dass die AOK die Rabattverträge mit Actavis und Basics GmbH für zwei Wirkstoffe fristlos gekündigt hat.

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Federführend für alle Ortskrankenkassen hatte die AOK Baden-Württemberg Rabattverträge mit elf Generika-Herstellern für insgesamt 43 Wirkstoffe abgeschlossen. Bis dahin hatten alle Hersteller mit diesen Produkten in Deutschland nur minimale Marktanteile. Die Hersteller hatten sich in dem Vertrag nach Angaben der AOK verpflichtet, die Belieferung des Großhandels und der Apotheken sicherzustellen. Für den Fall, dass dies nicht gelingen sollte, kann die AOK den Rabattvertrag kündigen.

Dies ist jetzt in zwei Fällen geschehen. Betroffen ist bei Actavis der Wirkstoff Molsidomin, bei Basics der Wirkstoff Terazosin, wie der baden-württembergische AOK-Vorstand Christopher Herrmann gestern bei einem BKK-Forum in München bestätigte.

Darüber hinaus scheint es aber generelle Probleme mit der Sicherstellung der Versorgung zu geben. So berichtet der Arzneimittelgroßhändler Noweda - das genossenschaftliche Unternehmen in Apothekerhand setzt rund zwei Milliarden Euro um -, dass die Generika-Hersteller die Bestellungen "oftmals nur mit einer Quote von bis zu 20 Prozent" erfüllen könnten. "Wir kämpfen seit zwei Monaten mit diesem Problem; es wird nicht besser", sagt Wolfgang P. Kuck, Vorstandsmitglied der Noweda.

Auch Daten aus der Marktforschung zeigen, dass der AOK-Rabattvertrag in der ganzen Breite nicht funktioniert. Belegen lässt sich dies mit der Kostenträger-Analyse von Insight Health, in der kassenbezogen Absatzmenge und Umsatz von Arzneimitteln gemessen werden.

So hatten die 43 rabattierten Substanzen der elf Generika-Hersteller im Januar einen Marktanteil nach Absatzmenge von 2,6 Prozent, nach Umsatz einen Anteil von 2,4 Prozent. Diese Anteile stiegen im April nach Inkrafttreten des Rabattvertrages auf 28,1 und 24,2 Prozent. Umsatz und Absatz der Generika-Hersteller, die der AOK einen Rabatt gewähren, haben sich somit verzehnfacht. In einzelnen Fällen wurde sogar der 47fache Absatz erzielt.

Für alle Rabattprodukte kommt es jedoch zu über 70 Prozent zu Lieferdefekten. Der Verordnungsanteil der drei größten Generikahersteller im AOK-Markt sank zwar von Januar bis April um 8,9 Prozent, blieb aber mit 54,3 Prozent dominant.

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